Fehlt dem VfB-Kader in der Breite die Qualität?

Zorniger: "13, 14, 15 Feldspieler - das reicht nicht!"

Florian Klein klatscht nach seiner Gelb-Roten Karte mit Alexander Zorniger ab

Nach dem Tritt aus dem Tritt: VfB-Coach Alexander Zorniger mit Gelb-Rot-Sünder Florian Klein. Getty Images

Der VfB Stuttgart führt in Hamburg, kassiert in der 53. Minute einen Platzverweis - rettet das Ergebnis aber über die Zeit. So war es vergangene Saison unter Huub Stevens. Der Matchwinner: 1:0-Siegtorschütze Florian Klein.

Wie Georg Niedermeier damals war es an diesem Samstagabend Klein selbst, der in der 53. Minute vom Platz flog. Nur diesmal bringt es das Spiel zum Kippen. "Die Gelb-Rote Karte hat uns natürlich durcheinandergebracht", räumte Trainer Alexander Zorniger am Sky-Mikrofon ein. In Unterzahl gab der VfB eine 2:1-Führung noch ab und steht nach dem 2:3 mit null Punkten schon wieder im tiefen Tabellenkeller. Dabei schien es der Spielplan in dieser Saison zunächst gut mit ihm gemeint zu haben.

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Binnen 80 Sekunden kassierte Klein, der 28-jährige österreichische Nationalspieler, zwei Gelbe Karten, die zweite für einen heftigen Tritt in der gegnerischen Hälfte gegen Matthias Ostrzolek. War es schlichtweg das, was passieren kann, wenn man die extrem wilde und aggressive Spielweise unter Zorniger auf die Spitze treibt? Oder verlor Klein vielmehr für eine Sekunde die Nerven?

"Mit den Wechseln hatten wir Probleme" - Zorniger meinte nicht die des HSV

"Das Spiel müssen wir insgesamt analysieren", wollte sich der VfB-Coach nicht allzu lange mit dem "sehr ärgerlichen" Platzverweis befassen. Klein machte er nicht zum Sündenbock. "Es wird weltweit nicht der erste Spieler sein, bei dem du sagst: Junge, aber die Gelbe Karte hättest du dir auch schenken können." Vielmehr störte Zorniger, was danach im Stuttgarter Spiel passierte.

"Im Elf gegen Elf war es ein sehr ordentliches Spiel", fand er, "den Aussetzer beim 1:1 haben wir relativ schnell weggepackt." In der Tat: Mit ihrer deutlich reiferen Spielanlage dominierten die Gäste - wie im Vorfeld geplant - den HSV in dessen Stadion. Zu zehnt jedoch fehlten auf Dauer Kraft und, das monierte Zorniger indirekt, Qualität.

"Wir wollten weiterhin nach vorne spielen", erklärte er. "Der HSV hat mit viel Wucht gespielt, das haben wir auch lange Zeit im Griff gehabt. Aber mit den Wechseln haben wir dann ein bisschen Probleme gehabt." Und damit meinte er weniger HSV-Joker Pierre-Michel Lasogga, der das Spiel mit einem Treffer und einer Vorlage drehte: Er meinte seine eigenen Wechsel.

Gruezo am Pranger: "Im Zentrum gehst du nicht auf den Boden!"

Beispiel 2:2: "Die Zweikampfführung ist interpretationswürdig", kritisierte er in Richtung des eingewechselten Carlos Gruezo, der sich ohne Grund vor Vorlagengeber Ivica Olic auf den Rasen geworfen hatte und später beim 2:3 den durchstarteten Siegtorschützen Johan Djourou aus den Augen verlor: "Das 2:2 darf einfach nicht fallen! Im Zentrum gehst du nicht auf den Boden, das ist unmöglich in so einer Situation." Zorniger, der nach dem 1:3 gegen Köln zum Auftakt den ebenfalls eingewechselten Timo Werner gerüffelt hatte , ergänzte: "Man hätte die Chancen gut verteidigen können. Was mich geärgert hat: dass wir azyklisch, nicht nach vorne verteidigt, sondern mit der Kette ziemlich tief gestanden haben."

Es wurde offensichtlich, was mancher schon vor der Saison befürchtete: Die Defensive, die unter der Woche durch den Verkauf von Nationalspieler Antonio Rüdiger ihren Chef aus der Vorsaison verloren hat, kann qualitativ nicht mit der spielfreudigen Offensive um Daniel Didavi oder Doppeltorschütze Daniel Ginczek mithalten. Und auch dort fehlen gleichwertige Optionen.

Wie geht es weiter für den VfB?

"Es reicht nicht, wenn wir sagen, wir werden die Runde mit 13, 14, 15 Feldspielern durchziehen. Wir brauchen die Breite", forderte Zorniger Verbesserungen - es war ein unumwundener Appell an Sportvorstand Robin Dutt. "Jeder", sagt er über seine Einwechselspieler, "muss das Gefühl haben: Jetzt habe ich die Chancen, jetzt weiß ich, was ich zu tun habe." Bis zum 31. August kann der VfB personell noch nachlegen, mindestens ein Innenverteidiger soll noch kommen.

jpe