Int. Fußball

Manipulationsverdacht: Catania redet zu viel über Züge

Präsident Pulvirenti und 25 weitere Personen beschuldigt

Manipulationsverdacht: Catania redet zu viel über Züge

Unter Hausarrest: Catanias Präsident Antonio  Pulvirenti beteuert inzwischen seine Unschuld.

Unter Hausarrest: Catanias Präsident Antonio Pulvirenti beteuert inzwischen seine Unschuld. picture alliance

Am Saisonende stand für Catania Rang 15 zu Buche, die Gefahrenzone für die 22 Mannschaften der Serie B beginnt ab Platz 18. Zwei Punkte betrug der Vorsprung für den Klub, der von 2006 bis 2014 in der Serie A mitgemischt hatte. Im März allerdings stand Catania vor dem Absturz in die Drittklassigkeit. Damit dieses Szenario nicht eintritt, soll Catania ein wenig nachgeholfen haben. Der Vorwurf: Mindestens fünf der folgenden Spiele sollen manipuliert gewesen sein.

Der Catania-Code: Zugverbindungen!

Ans Licht kam der Skandal durch abgehörte Telefongespräche mit dubiosem Inhalt und ungewöhnlich hohe Wetteinsätze, die Verdacht geweckt hatten. Die Ermittlungen unter dem Decknamen 'I treni del goal' (Tor-Züge) seien nach der Niederlage gegen Virtus Entella am 32. Spieltag aufgenommen worden, Catania hatte anschließend fünf Spiele in Folge gewonnen. "Die Operation 'Tor-Züge' ergibt sich aus der Sprache, die die Parteien verwendeten", erklärte Antonella Paglialunga von der Spezialeinheit. Die Zugverbindungen standen als Code für Spieler, denen man sich annähern wollte, die Ankunftszeiten waren ihre Rückennummern. So wurde zum Beispiel von "Zügen am Freitag" gesprochen, in denen die Uhrzeiten bzw. eben Rückennummern '4' oder '33' vorkamen. Damit wurden die Spieler von Gegnern identifiziert, die für einen Betrug zu haben waren.

Es habe eine Konzeptions-Phase (mit Präsident Antonio Pulvirenti an der Spitze) und eine Ausführungsphase gegeben, so Paglialunga weiter. Über diverse Kanäle und Kontaktmänner sei letztlich der Kontakt zu den Spielern hergestellt worden, die bestochen werden sollten. Catania soll ihnen bis zu 10.000 Euro geboten haben.

Inzwischen zieht der Skandal immer weitere Kreise. Am Dienstag wurden insgesamt sieben Verdächtige um Präsident Pulvirenti festgenommen, gegen sie wird unter anderem wegen Sportbetrugs ermittelt. Inzwischen sind Ermittlungen gegen 19 weitere Personen aufgenommen worden. Neben Pulvirenti stehen der Vize-Präsident Pablo Cosentino und der frühere Manager des Klubs Daniele Delli Carri sowie Agenten und Eigentümer von Wettagenturen unter Verdacht. "Wir glauben, dass mindestens fünf, möglicherweise auch sechs Spiele manipuliert wurden, indem Geld gezahlt wurde", sagte Staatsanwalt Giovanni Salvi, abgehörte Telefongespräche dienen der Anklage als Beweis. In einem davon fragt Pulvirenti nach 'Neuigkeiten', Delli Carri antwortet: "Ja, aber man kann noch nichts sagen. Ein Zug um 15 Uhr." Später ergänzt er, dass es noch "zwei weitere Züge" gebe. Pulvirenti antwortet, Delli Carri solle ihn weiterhin auf dem Laufenden halten.

Es ist eine Schande, es ist peinlich.

CONI-Präsident Giovanni Malagò

Pulvirenti erklärte über seinen Anwalt Giovanni Grasso, er sei sicher, zeigen zu können, dass er mit der Sache nichts zu tun habe. Italiens Fußball zeigte sich geschockt von dem erneuten Skandal, auch der nationale Verband FIGC leitete Ermittlungen ein. "Es ist eine Schande, es ist peinlich", kommentierte Giovanni Malagò, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Italiens (Coni). In den vergangenen Jahren hatten immer wieder Enthüllungen über manipulierte Spiele den italienischen Fußball erschüttert. Dutzende Verdächtige waren festgenommen worden, Klubs mit Punktabzügen bestraft und zahlreiche beteiligte Spieler gesperrt worden.

Catania droht jetzt der Abstieg in die dritte Liga. Italiens Fußball-Verbandschef Carlo Tavecchio sagte den Justizbehörden seine volle Unterstützung zu.

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