Innenverteidiger orientiert sich am Bayern-Star

Rüdiger auf den Spuren von Boateng

Antonio Rüdiger

An Selbstbewusstsein mangelt es dem Stuttgarter nicht: Antonio Rüdiger. picture alliance

Die Parallelen der beiden Innenverteidiger sind frappierend. Beide kommen sie ursprünglich aus Berlin, haben afrikanische Wurzeln, sind rund 1,90 Meter groß und haben Halbbrüder, die ebenfalls bekannt sind (Kevin-Prince Boateng und Sahr Senesie). Auch Boateng wurde einst nachgesagt, dass er gerne mal einen echten "Bock" schießt. Längst sind die Kritiker verstummt, der Star der Bayern gehört zu den besten Innenverteidigern der Welt und hatte großen Anteil am Weltmeistertitel im letzten Jahr.

Rüdiger ist davon noch weit entfernt. Derzeit wird gern über sein Leistungsvermögen diskutiert, nicht jeder ist von seiner Klasse überzeugt. Der 22-Jährige ist sich der Kritik auch bewusst, aber selbstbewusst genug, damit umzugehen. "Ich muss noch konstanter werden und die Zahl der Fehler minimieren", sagt er gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Beim DFB wurden seine Qualitäten stets geschätzt. Von der U 18 bis zur U 21 durchlief er alle Auswahlmannschaften, schnell und zweikampfstark ist er dabei. 2012 bekam er die Fritz-Walter Medaille in Gold und reiht sich in eine lange Liste prominenter Spieler wie Toni Kroos, Mario Götze oder Julian Draxler ein, die die Auszeichung ebenfalls erhielten. Damit hat er gegenüber Boateng sogar die Nase vorn. Für ihn reichte es 2007 nur zur Medaille in Bronze (damals sicherte sich Benedikt Höwedes Platz eins).

Freilich bleibt Boateng trotzdem das große Vorbild, fast ehrfurchtsvoll blickt er auf. "Er spielt kaum Querpässe, sondern fast nur Vertikalbälle. Daran orientiere ich mich", sagt er und drückt seine Wertschätzung aus. "Es gibt auf der Welt momentan keinen besseren Abwehrspieler als ihn." Deshalb sei es für ihn perfekt, dass er in der Nationalmannschaft von dem Münchner lernen könne. Allerdings bekam Boateng eine Auszeit, reiste erst Dienstagabend an, wird frühestens beim EM-Qualifikationsspiel am kommenden Samstag in Faro (Portugal) gegen Gibraltar zur Verfügung stehen. Da auch Dortmunds Mats Hummels (Entzündung der Hüftbeugersehne) nicht zur Verfügung steht, bekommt Rüdiger voraussichtlich neben Shkodran Mustafi gegen die USA in der Abwehrzentrale sein sechstes Länderspiel.

Es soll nicht das letzte sein, denn bei der EM im kommenden Jahr in Frankreich wäre er schon gerne dabei. Allerdings ist die Konkurrenz groß. Er selbst sieht neben den etablierten Kräften auch Robin Knoche (VfL Wolfsburg), Matthias Ginter (Borussia Dortmund) und seinen aufstrebenden Vereinskollegen Timo Baumgartl ("Eine richtig coole Socke") als Konkurrenten. Ob die beiden im kommenden Jahr noch zusammenspielen, ist indes mehr als fraglich. Der VfB braucht Geld und Rüdiger ist heiß begehrt, wird dem Verein womöglich deutlich mehr als zehn Millionen Euro in die Kassen spülen. Ein fehlerfreier Auftritt auf internationaler Bühne dürfte die Verantwortlichen in Stuttgart in jedem Fall freuen.

Lesen Sie mehr zu Antonio Rüdiger in der Donnerstagsausgabe des kicker. Welche Vereine haben Interesse? Wie viel Geld sind Sie bereit zu bezahlen? Wen hat der VfB als Ersatz auf dem Zettel?

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