Bruchhagen schließt seinen vorzeitigen Abschied aus

Schaaf wirft hin! Bruchhagen ist persönlich enttäuscht

Thomas Schaaf

Fühlt sich hintergangen und hört auf: Eintracht-Trainer Thomas Schaaf trat zurück. imago

Hintergrund des überraschenden Abschieds: Bereits vor dem letzten Spiel gegen den Werksklub wurde Schaaf zugetragen, dass sich Spitzenfunktionäre der Eintracht mit dem früheren Leverkusener Coach Sascha Lewandowski über ein Engagement zur neuen Spielzeit unterhalten haben sollen. Für den langjährigen Trainer der SV Werder war dies der Auslöser für seinen Rücktritt.

Nach intensiven Beratungen zwischen dem Vorstand und Aufsichtsrat wurde dem Wunsch von Schaaf stattgegeben und der Coach mit sofortiger Wirkung freigestellt. "Thomas Schaaf hat die vom Verein vorgegebenen Ziele für die ablaufende Saison mit Platz 9 und 43 Punkten mehr als erfüllt. Die Zusammenarbeit mit ihm war gut. Dies haben wir ihm und der Öffentlichkeit in den letzten Tagen auch immer wieder bestätigt. Wir bedauern es sehr, dass Thomas Schaaf den mit uns eingeschlagenen Weg nicht mehr weiter gehen möchte", sagte Bruchhagen.

Seine persönliche Sicht wollte er nicht zurückhalten. "Ich bin auch ein bisschen enttäuscht über die Entscheidung von Thomas Schaaf", sagte der Vorstandsboss auf einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag. Seiner Miene war allerdings deutlich anzusehen, dass die Worte "bisschen enttäuscht" deutlich untertrieben waren.

Letztlich schaffte es Bruchhagen nicht, Trainer Schaaf ein ruhiges Arbeitsumfeld zu bereiten, die gegenüber dem Ex-Bremer kritischen Stimmen aus der Führungsriege erhielten immer wieder die Oberhand. Bruchhagen führte aus, dass Thomas Schaaf "seine Arbeit nicht entsprechend gewürdigt sah" - ein Umstand, den Bruchhagen nachvollziehen könne, wie er explizit sagte. Laut Bruchhagen habe es "Punkte gegeben, die ihn (Schaaf, Anm. d. Red.) sehr getroffen haben" und es gab "starke Eingriffe, die ihn verletzt haben".

Schaaf: "Unglaubliche und nicht nachvollziehbare Anschuldigungen"

Thomas Schaaf bezog in einer Vereinsmitteilung wie folgt Stellung zur sportlichen Situation: "Wir haben eine tolle Saison erlebt, mit viel Spektakel, besonders im eigenen Stadion. Es gab viele schwierige Situationen zu überstehen, vor allem durch unglaublich viele und schwere Verletzungen, die uns die ganze Saison begleitet haben und darüber hinaus." Zu den Schwierigkeiten im Umfeld sagte Schaaf: "Die in der Öffentlichkeit getätigten Aussagen und die Darstellung meiner Person und meiner Arbeit, die sich in unglaublichen und nicht nachvollziehbaren Anschuldigungen und Unterstellungen in den Medien äußern, kann und will ich nicht akzeptieren. Deshalb ist es zu der Trennung gekommen."

Kapitän Kevin Trapp zeigte sich getroffen: "Ich bedaure, dass Schaaf geht", so der Keeper.

Erfolgt seien die Gespräche mit Sascha Lewandowski auch hinter dem Rücken von Vorstandsboss Bruchhagen – der im Führungszirkel der einzige war, der Schaaf in den vergangenen Wochen absolute Rückendeckung gegeben hatte. Schaafs Vertrag bei der SGE lief bis zum 30. Juni 2016.

Am Pfingstmontag gab es aufgrund der Uneinigkeit der beiden Vorstände Bruchhagen und Axel Hellmann eine Krisensitzung. Deren Streit ist so groß, dass es auch zu personellen Veränderungen in anderen Gremien der Eintracht kommen kann. Am 8. Juni wird der neue Aufsichtsrat gewählt.

Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner soll laut Bruchhagen nun den Trainermarkt sondieren und Vorschläge unterbreiten.

Michael Ebert

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