Ukrainischer Vertreter weiß, wie man Neapel schlägt

Dnipro: Die minimalistischen Spätstarter

Die Mannschaft ist der Star: Nach dem Halbfinal-Einzug liegen sich Dnipros Spieler in den Armen.

Die Mannschaft ist der Star: Nach dem Halbfinal-Einzug liegen sich Dnipros Spieler in den Armen. Getty Images

Langer Atem und bockelharter Beton

Nach dem dritten Spieltag in der Vorrunde durfte Dnipropetrowsk das Abenteuer Europa League beinahe schon für beendet erklären. Nach den Pleiten gegen Inter Mailand und Qarabag Agdam (jeweils 0:1) sowie dem torlosen Remis gegen St. Etienne sind die Wettquoten auf den Europa-League-Sieg der Ukrainer in die Höhe geschnellt. Durch zwei Dreier in den Rückspielen rutschte man aber noch auf Rang zwei hinter Inter, am letzten Spieltag reichte ein knappes 1:0 gegen St. Etienne zum glücklichen Weiterkommen. Torbilanz: 4:5.

Ähnlich minimalistisch wurden auch die auf europäischer Bühne deutlich erfahreneren Olympiakos Piräus, Ajax Amsterdam und der FC Brügge aus dem Wettbewerb gekegelt. Der Fokus der Markevych-Elf liegt stets auf der Zerstörung des gegnerischen Offensivspektakels - mit durchschlagendem Erfolg. Auf internationalem Parkett spielte Dnipro in der laufenden Saison in zwölf Vergleichen sechsmal zu Null.

Dasselbe Gesicht offenbart der aktuelle Tabellenzweite auch in der heimischen Liga. Hinter Dynamo Kiew (56 Zähler) und vor Schachtar Donezk (49) schielt Dnipropetrowsk mit aktuell 50 Punkten auf die Champions-League-Qualifikation. Erfolgsrezept: das Abwehrbollwerk. In 22 Partien ließ der Halbfinalist nur zwölf Gegentreffer zu.

Gute Erinnerungen an Napoli

Internationale Stars, die den Laden hinten zusammenhalten? Fehlanzeige. Stattdessen läuft bei Dnipro alles übers Kollektiv, so soll es auch gegen den italienischen Spitzenklub klappen. Und so hat es auch schon einmal geklappt: In der Gruppenphase der Europa League 2012/13 zog Neapel in Dnipropetrowsk beim 1:3 den Kürzeren. Eine Herkulesaufgabe wird es gewiss, ein Ding des Unmöglichen mitnichten.

Hatten gegen Neapel 2012 allen Grund zur Freude: Dnipro siegte gegen den Favoriten mit 3:1.

Hatten gegen Neapel 2012 allen Grund zur Freude: Dnipro siegte gegen den Favoriten mit 3:1. Getty Images

Von Druck kann gegen den haushohen Favoriten aus Süditalien nicht die Rede sein. Zudem verteilt sich die Hoffnung der ukrainischen Fans auf acht Schultern: Torhüter Denys Boyko, der in den letzten vier K.o.-Spielen seinen Kasten sauber hielt, und den kroatischen Nationalstürmer Nikola Kalinic, der sich mit drei Toren in der Europa League am treffsichersten zeigte. Dazu kommen Kapitän und Standardspezialist Ruslan Rotan, der bislang zweimal einnetzte, und der von mehreren europäischen Topvereinen umworbene Yevhen Konoplyanka, der auf dem Flügel mit seiner Schnelligkeit ordentlich Räume schafft.

Speziell auf eine raue Gangart muss sich Napoli einstellen, kein Team der aktuellen Europa-League-Spielzeit hat mehr Fouls (199) begangen und mehr Gelbe Karten (43) kassiert als die beinharte ukrainische Defensive. Schafft es Dnipro den italienischen Offensivstars um Gonzalo Higuain & Co. den Schneid abzukaufen, ist auch für den kleinsten der vier Halbfinalisten der Sprung nach Warschau möglich.

msc