Darmstadt: Eintracht-Leihe über Verantwortung und Teamgeist

Rosenthal: "Union Berlin ist das nächste Ziel"

Jan Rosenthal gegen Joan Oumari

Darmstadts Jan Rosenthal (li.) im Duell mit Frankfurts Joan Oumari. imago

Die Leihgabe von Eintracht Frankfurt legte in der 76. Minute gedankenschnell auf Jerome Gondorf ab, der die nur elf Minuten zuvor von Zlatko Dedic erzielte FSV-Führung egalisierte. Stolze 42 Punkte zieren das Konto der Lilien, längst sind die Südhessen mehr als ein Geheimfavorit. Dennoch backen sie in Darmstadt weiter kleine Brötchen, wie Rosenthal nach seinem ersten Liga-Startelfeinsatz seit dem 15. Februar 2014 (0:4 in Dortmund mit Eintracht Frankfurt), im Gespräch mit dem kicker erklärte.

kicker: Jan Rosenthal, ist das Remis beim FSV ein gewonnener Punkt, weil Ihr Team zurücklag, oder sind es zwei verlorene Zähler, weil Sie am Ende doch wieder am Drücker waren?

Jan Rosenthal (28): Aufgrund der ersten Halbzeit, wo wir nicht wirklich im Spiel waren, ist es so in Ordnung. Klar sind wir gut zurückgekommen. In der Phase, als der FSV das 1:0 erzielt hat, waren wir drauf und dran, selbst in Führung zu gehen. Hintenraus hatten wir ein paar Kraftreserven mehr, aber wir mussten sehr viel investieren für den Ausgleich.

kicker: Es war Ihr erster Startelfeinsatz seit langer Zeit. Ungewohnt anstrengend?

Rosenthal: Ich hatte lange nur Training. Es ist auf Sicht etwas anderes, man muss erstmal ins Spiel reinkommen. Wenn man dann die erste Viertelstunde geschafft hat, ist man auch richtig drin in der Partie. Da kann man viel über den Einsatz machen.

kicker: Bei Eintracht Frankfurt waren Sie außen vor. Wie fühlt es sich an, wieder gebraucht zu werden?

Jeder weiß, dass hier alle 20 Spieler gebraucht werden und nicht nur 11.

Jan Rosenthal

Rosenthal: Das ist ein Gefühl, das jeder Fußballer braucht. Und es ist auch das Gute an Darmstadt: Jeder weiß, dass hier alle 20 Spieler gebraucht werden und nicht nur 11. Das sollte man für das Mannschaftsgefüge immer im Hinterkopf behalten.

kicker: In Darmstadt, das wird auch an der kollektiv-kämpferischen Spielweise deutlich, geht viel über dieses Mannschaftsgefüge. Wie schweißt Trainer Dirk Schuster 11 oder 20 Einzelne zu diesem Team mit dem starken Gruppengedanken zusammen?

Rosenthal: Das ist eine Sache, die sich in den letzten zwei Jahren aufgebaut hat. Ich bin erst einen Monat hier, da kann ich noch keine deutlichen Aussagen dazu treffen. Es sind schon so klare Abläufe, die sind für mich auch neu. Es ist ein schönes Gefühl, zu merken: Die Mannschaft hat sich selbst schon sehr unter Kontrolle. Sie hat oft eine lange Leine, aber sie braucht gar keine enge Leine. Denn sie bringt von alleine schon so viel Verantwortungsgefühl und Disziplin mit. Das muss man am Anfang einpflanzen. Da war ich noch nicht dabei.

kicker: Spielen bei diesem Verantwortungsbewusstsein einzelne Akteure eine besondere Rolle?

Rosenthal: Nein. Das ist auch auffällig. Es gibt kaum Grüppchen. Man merkt wirklich: Da sitzt ein großer Kreis in der Kabine. Und da kann jeder sofort Verantwortung übernehmen.

kicker: 24 Spiele, 42 Punkte, der Klassenerhalt ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geschafft. Braucht der SV Darmstadt 98 neue Ziele?

Rosenthal: Nein. Nein. Union Berlin (nächster Gegner am Freitag, d. Red.) ist das nächste Ziel.

Interview: Benni Hofmann