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Wahnsinn in der Wüste: Seattle vs. New England

Der Super Bowl 49 (XLIX) steht vor der Tür

Wahnsinn in der Wüste: Seattle vs. New England

University of Phoenix Stadium

Das University of Phoenix Stadium, der Austragungsort des 49. Super Bowls. Getty Images

Sebastian Vollmer steht im Super Bowl vor der Krönung seiner Football-Karriere. Wenn die New England Patriots am Sonntag (Ortszeit) in Glendale/Arizona im Finale der National Football League Meister Seattle Seahwaks fordern, dann will der rheinische Riese in seinem zweiten Endspiel mit den Patriots endlich den Titel gewinnen. "Es steckt unheimlich viel Arbeit dahinter und man weiß nicht, ob man es noch einmal ins Finale schafft", sagt der Right Tackle. "Viele Spieler spielen zehn oder 15 Jahre, haben hervorragende Karrieren, schaffen es aber trotzdem nie in den Super Bowl. Von daher will man die Chance schon nutzen und alles geben", sagte Vollmer.

Es wird der Wahnsinn in der Wüste. Der Meister spielt gegen die erfolgreichste Mannschaft des 21. Jahrhunderts. Es gibt ein Quarterback-Duell der Generationen. Und in Vollmer womöglich den ersten deutschen Super-Bowl-Champion - spannender könnten die Voraussetzungen kaum sein. Seattle will das schaffen, was zuletzt Finalgegner New England Patriots 2003 gelungen ist - den Titel zu verteidigen. Vollmer wiederum hofft, nach der Finalniederlage 2012 gegen die New York Giants (17:21) im zweiten Anlauf Meister zu werden.

"Vergangenheit trifft Gegenwart"

Sebastian Vollmer

Stellte sich im Vorfeld den Fragen der Journalisten: Right Tackle Sebastian Vollmer. Getty Images

Im Jahr 2008, als das Endspiel ebenfalls in der Arena in Glendale stattfand und New England gegen die Giants kurz vor Spielschluss verlor, spielte Vollmer noch am College in Houston. Nun kann der 2,03 Meter große und 145 Kilogramm schwere Mann aus Kaarst vor den Augen der Eltern seine NFL-Karriere krönen. Doch mit den Seahawks steht den Patriots ein Team gegenüber, das vor einem Jahr die Denver Broncos im Finale mit 43:8 düpierte.

Seattle stellt die beste Defensive der Liga. Die Patriots sind mit drei Titeln seit der Jahrtausendwende das NFL-Nonplusultra, allerdings datiert der letzte Triumph vom 6. Februar 2005 und Quarterback Tom Brady ist bereits 37 Jahre alt. "Vergangenheit trifft Gegenwart", schrieb "USA Today".

Seattle hat in Russell Wilson einen 26 Jahre jungen Spielmacher und zudem in den gleichaltrigen Richard Sherman oder Kam Chancellor weitere Leistungsträger, die erst noch am Anfang ihrer Karrieren stehen. Angeführt werden die jungen Seeadler vom 63-jährigen Trainer Pete Carroll, der auf Bill Belichick trifft - seinem Nachfolger auf dem Patriots-Chefsessel.

Duell der Trainer: Kroate vs. Kroate

Pete Carroll (links) und Bill Belichick

Die beiden Headcoaches: Seattles Pete Carroll (links) und New Englands Bill Belichick. Getty Images

So ausgeglichen beide Teams auch sein mögen, ein Gewinner steht bereits fest. In Carroll und Belichick stehen sich erstmals zwei Trainer mit kroatischen Wurzeln gegenüber. Belichick: "Sieht so aus, dass wir so oder so einen kroatischen Champion haben werden, richtig?"

"Gegen die Seahawks darfst du dir keine Fehler erlauben. Sie haben eine gute Defensive, machen es dir nicht leicht, spielen diszipliniert und schlau. Deshalb müssen wir unser bestes Match abliefern", betont Brady, der zum sechsten Mal im Endspiel steht und bei einem Sieg mit dann vier Titeln mit den erfolgreichsten Quarterbacks der NFL-Geschichte, Joe Montana und Terry Bradshaw, gleichziehen würde.

Damit Brady die für ihre Kreativität bekannte Patriots-Offensive in Szene setzen kann, muss Vollmer ihm die Gegner vom Leib halten. Wie viele Profis betonte der Deutsche im Vorfeld, der Super Bowl sei nur ein Spiel wie jedes andere. Anderseits hob Vollmer hervor, dass bei den ersten beiden Spielzügen "eine gewisse Nervosität" mitspiele. Aber dann wisse er, welche Schritte zu machen und wie beim Blocken die Hände zu halten seien.

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So reizvoll das Endspiel auch ist, für viele wird es einen faden Beigeschmack haben. Die Vorfälle mit den elf Bällen der Patriots, die beim 45:7-Halbfinalsieg gegen die Indianapolis Colts zu wenig Luft hatten, waren in den Tagen vor dem Saison-Highlight omnipräsent. Dem sogenannten "DeflateGate" . Vom Duell "Champs versus Cheaters" (Champions gegen Betrüger) war gar die Rede. Die Liga untersucht den Fall zwar, mit einem Ergebnis sei jedoch erst in einigen Monaten zu rechnen, heißt es.

Katy Perry

Unterhält in der Halbzeitpause: Sängerin Katy Perry. Getty Images

Fakten zum Super Bowl:

Rekord: Tom Brady wird der erste Quarterback sein, der sechsmal im Super Bowl auf dem Feld steht. Holt er seinen vierten Meisterring, zieht der 37-Jährige mit den Rekordhaltern Joe Montana und Terry Bradshaw gleich.
Wiederholung: Die Seattle Seahwaks haben die Chance, als erstes Team seit zehn Jahren ihren Titel erfolgreich zu verteidigen. Zweimal nacheinander NFL-Champion waren zuletzt die Finalgegner aus New England (2004, 2005).
Medien: 6000 Journalisten aus aller Welt sind für das NFL-Finale akkreditiert. Teuer: Für TV-Werbung werden auch diesmal Mondpreise aufgerufen. Ein 30-Sekunden-Clip kostet stolze 4,5 Millionen Dollar. Das macht 150.000 Dollar pro Sekunde.
TV: Im Vorjahr haben 111,5 Millionen TV-Zuschauer in den USA beim 48. Super Bowl für einen Rekord gesorgt. Kein Einzelevent hat in der Geschichte mehr Amerikaner vor die Bildschirme gelockt. 1967 hatten sich 51,1 Millionen den ersten Super Bowl angeschaut.
Halbzeit-Show: Sängerin Katy Perry wird in der Pause zwischen dem zweiten und dritten Viertel auftreten. Neben einem Überraschungsgast wird noch Lenny Kravitz auf der Bühne stehen.

Die Super-Bowl-Sieger seit dem Jahr 2000:

2014: Seattle Seahawks (43:8 gegen die Denver Broncos)
2013: Baltimore Ravens (34:31 gegen die San Francisco 49ers)
2012: New York Giants (21:17 gegen die New England Patriots)
2011: Green Bay Packers (31:25 gegen die Pittsburgh Steelers)
2010: New Orleans Saints (31:17 gegen die Indianapolis Colts)
2009: Pittsburgh Steelers (27:23 gegen die Arizona Cardinals)
2008: New York Giants (17:14 gegen die New England Patriots)
2007: Indianapolis Colts (29:17 gegen die Chicago Bears)
2006: Pittsburgh Steelers (21:10 gegen die Seattle Seahawks)
2005: New England Patriots (24:21 gegen die Philadelphia Eagles)
2004: New England Patriots (32:29 gegen die Carolina Panthers)
2003: Tampa Bay Buccaneers (48:21 gegen die Oakland Raiders)
2002: New England Patriots (20:17 gegen die St. Louis Rams)
2001: Baltimore Ravens (34:7 gegen die New York Giants)
2000: St. Louis Rams (23:16 gegen die Tennessee Titans)

dpa/sid