Bundesliga

Toprak: "Wir müssen kälter und ruhiger werden"

Leverkusens Verteidiger ist zur Führungsfigur gereift

Toprak: "Wir müssen kälter und ruhiger werden"

Alexey Kulbakov zückt Gelb-Rot gegen Toprak

Ömer Topraks großes Ärgernis: Referee Alexey Kulbakov zückt gegen Lissabon die Ampelkarte. imago

Die Ausnahme ist Ömer Toprak. Der Innenverteidiger wird im Hinspiel zusehen müssen, eine Gelb-Rote Karte aus dem letzten Gruppenspiel gegen Benfica Lissabon zwingt ihn in die Zuschauerrolle: "Das ärgert mich extrem. Ich darf gar nicht daran denken, wie ich mich am Spieltag fühlen werde. Das wird ganz bitter, das wird richtig weh tun."

Nicht nur ihm, seiner Mannschaft auch. Denn Ömer Toprak gilt als Schlüsselspieler, der Innenverteidiger ist nur schwer zu ersetzen, verkörpert längst die absolute Führungsfigur der Werkself, sportlich und menschlich. Doch auch ohne dieses eine Spiel wird es in dieser Rückrunde genug zu tun geben für den türkischen Nationalspieler. Der führt seit dem 9. Spieltag eine Abwehr an, die diesen Namen tatsächlich verdient. Als Bayer am 8. Spieltag in Stuttgart nach 3:0-Führung noch 3:3 spielte, standen nach dieser Partie sage und schreibe 14 Gegentore zu Buche.

Spielersteckbrief Toprak
Toprak

Toprak Ömer

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern Bayern München
45
2
Wolfsburg VfL Wolfsburg
34
3
Leverkusen Bayer 04 Leverkusen
28

Als die Halbsaison abgepfiffen wurde, waren in diesen neun Spielen nur noch sechs Treffer hinzu gekommen. Dazu schmückt sich der Bundesligist mit dem Attribut, die Mannschaft zu sein, die in der gesamten Vorrunde der Champions League die wenigsten Schüsse auf eigene Tor bekam.

So dominant wie in dieser Saison waren wir noch nie, seit ich hier spiele.

Ömer Toprak

"Es hieß immer, Bayer sei nur offensiv stark. Aber das haben wir seit diesem Spiel in Stuttgart eindrucksvoll widerlegt", sagt Toprak. Woran liegt es? Er antwortet so, wie er meist spielt - schnörkellos und ohne Schleifchen drum herum kommt die simple Erklärung: "Wir arbeiten gut." Das von Trainer Roger Schmidt eingeführte Offensivsystem habe man in der Defensivabteilung verinnerlicht: "Wir spielen höher, hinter uns ist mehr Raum, Bernd Leno rückt näher an uns heran." Die Situationen, die drohen, haben man weitestgehend im Griff, die Automatismen greifen: "Wir haben an den Schwächen gearbeitet und sind jetzt so weit, dass wir es dem Gegner sehr schwer machen, Tore gegen uns zu erzielen."

Dies sei ein Teilerfolg, "aber", fordert Toprak, "es muss noch mehr gehen." Und da ist er zuversichtlich. Seit fast vier Jahren spielt der Ex-Freiburger nun in Leverkusen, qualifizierte sich mit seiner Mannschaft dreimal für die Champions League, wurde Vizemeister. Und sagt trotzdem: "So dominant wie in dieser Saison waren wir noch nie, seit ich hier spiele. Wir waren in den meisten Spielen das klar überlegene Team." Dies reichte für Platz drei, aber auch "nur" zu 28 Punkten: "Wir haben zu viel liegen gelassen, zu oft unentschieden gespielt. Diese Punkte fehlen uns." Trotzdem: Gezweifelt wird nicht, das System ist verinnerlicht und akzeptiert. "Wir sind stark, wenn wir nach vorne verteidigen. Wenn wir so spielen, werden wir auch die nötigen Punkte holen", sagt Toprak.

Deutlich über 30 Punkte sollte Bayer in der Rückrunde sammeln, um erneut die Königsklasse zu erreichen. "Das traue ich uns zu", sagt Toprak, wirkt dabei alles andere als großspurig, tatsächlich eher komplett überzeugt von der eigenen Qualität: "Wir dürfen eben nicht mehr so viel her schenken. Wir müssen kälter und ruhiger werden und uns dieser extremen Qualität, die wir ja haben, bewusst werden. Und dann die Dinger einfach rein machen."

Wäre gut, damit es in der kommenden Saison erneut klappt mit der Champions League. Aber wer weiß, gegen Atletico muss ja nicht Schluss sein. Auch wenn Toprak das Hinspiel unter Schmerzen auf der Tribüne verfolgen muss.

Frank Lußem