Opfer wird nachträglich im Internet angefeindet

StarCraft II - Disqualifikation nach sexistischem Tweet

Madeleine "MaddeLisk" Leander wird in den sozialen Netzwerken angefeindet. kicker eSport

Die schwedische Spielerin war zu dieser Zeit noch nicht in Kenntnis darüber, was passiert war. Auch die Turnierleitung selbst bemerkte den Tweet erst kurz vor Beginn der Partie. Nachdem "MaddeLisk" nach dem Match von einem Admin darüber informiert wurde, war sie zunächst geschockt, so etwas von einem professionellen Spieler zu hören. "Kas" wurde daraufhin von der Fragbite Master Season 3 ausgeschlossen und entschuldigte sich bei Madeleine Leander. "Ich denke, das hätte das Ende der Geschichte sein können", erklärt sie.

Anfeindungen in den sozialen Netzwerken

Doch die Geschichte ging weiter und nahm eine unschöne Wendung in den sozialen Netzwerken: "MaddeLisk" sah sich vermehrt Anfeindungen ausgesetzt und wurde so in gewisser Weise vom Opfer zum Täter: "Die eine Seite war der Meinung, dass der Spieler etwas falsch gemacht hat, aber die andere Seite sah es so, dass er lediglich witzig sein wollte und ich keinen Humor habe. Ich bekam hunderte Nachrichten von Leuten, die sich wünschen, dass ich vergewaltigt werde oder dass ich sterbe. Ich hätte nichts in der Gaming-Szene verloren", erklärt Leander. Dennoch bedankte sich "MaddeLisk" auch für die aufmunternden Worte, die sie nach dem Vorfall bekam.

Disqualifikation als positives Signal

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Dass "Kas" mit der Disqualifikation Konsequenzen für sein Verhalten tragen musste, hält Leander indes für richtig und fordert, dass Menschen mehr über das, was sie sagen, nachdenken sollten: "Viele junge Spieler sehen, wie andere dieses Wort [Vergewaltigung, Anm. d. Red.] benutzen. Sie kennen wahrscheinlich niemanden, der jemals tatsächlich vergewaltigt wurde und hinterfragen deshalb die Nutzung dieses Wortes nicht. Als die Turnierleitung den Spieler disqualifiziert hat, haben sie klare Signale gesendet, die gesendet werden mussten. Sie haben klargemacht, dass sie so ein Verhalten nicht tolerieren. Nicht jeder hat zugehört, aber ich glaube, manche haben es getan. Und das ist ein Sieg in diesem Drama".

Daniel Strotbaum