Magdeburger ließen zwei Matchbälle ungenutzt

FCM: Raus mit Applaus!

Gegenseitiger Trost: Die Magdeburger Spieler nach dem knappen Pokalaus.

Gegenseitiger Trost: Die Magdeburger Spieler nach dem knappen Pokalaus. imago

Noch ganz unter dem Eindruck des "dramatischen Geschehens" stand Leverkusens Boss Rudi Völler in der Interviewzone und versuchte seine Emotionen in Worte zu kleiden. "Das ist Pokal. Wir sind sehr glücklich weitergekommen", meinte der Ehrenspielführer der Nationalelf, bevor er eine Lobeshymne für den unterklassigen Gegner anstimmte. In diesem Moment huschte Steffen Puttkammer, der Abwehrchef der so unglücklich ausgeschiedenen Magdeburger, vorbei. Völler stockte im Redefluss, wandte sich von der Reportern ab, ging auf Puttkammer zu und klopfte diesem demonstrativ auf die Schulter: "Gratulation und Kompliment. Ihr habt großartig gekämpft und gespielt."

Es war ehrlich gemeint von dem früheren Weltklassefußballer, der die Leistung des ambitionierten Viertligisten ebenso würdigte wie Michael Schade, der Sprecher der Geschäftsführung von Bayer. Dieser zog draußen vor dem Tribünentakt der MDCC-Arena zur Beruhigung an seiner Pfeife und begann nach "einem Spiel, wie ich es live noch nie erlebt habe" seine Analyse des außergewöhnlichen Geschehens: "Magdeburg hat toll gespielt. Wir hätten uns nicht beklagen können, wären wir heute ausgeschieden."

So traf auf den Europokalsieger von 1974, dessen glorreiche Zeiten längst Geschichte sind, die alte Fußballer-Weisheit zu, die so häufig Gestalt annimmt im Cupwettbewerb: Raus mit Applaus! Die anerkennenden Worte aus dem Lager des Champions-League-Teilnehmers konnten somit den Frust und den Ärger bei den Spielern aus Sachsen-Anhalt ein wenig mildern. "Wir waren so nah dran", meinte Innenverteidiger Puttkammer, "da ist es schon eine Riesenenttäuschung, dass wir ausgeschieden sind."

Es gab zwei Momente, in denen die Halbprofis es verpassten, dem klassenhöheren Gegner den Garaus zu machen. Brandts Führungstor in der Verlängerung schien die Magdeburger auf die Siegerstraße gebracht zu haben. Noch größer waren die Chancen im Elfmeterschießen. Zwei Tore Vorsprung in der "Elfer-Lotterie", doch die Gastgeber verpassten diese zwei Matchbälle. So wurde Nationaltorwart Bernd Leno, zuvor erschreckend schwach, zum Held des Abends, als er die Strafstöße von Helbisch, Brandt und Fuchs parierte.

Wenn wir immer so spielen, wird es schwer sein, uns in der Regionalliga zu schlagen.

FCM-Trainer Jens Härtel

"Hut ab vor unserer Mannschaft", meinte dennoch Magdeburgs Keeper Jan Glinker, der ähnlich gut unterwegs gewesen war beim finalen Schießen vom Punkt wie sein prominentes Gegenüber. Er hatte die Versuche von Spahic und Kießling abgewehrt und durfte sich zwischenzeitlich schon wie der Matchwinner fühlen, bis das tragische Ende perfekt war. Am Ende standen die Magdeburger somit mit leeren Händen da, zeigten sich dennoch stolz über die couragierte Vorstellung, die sie abgeliefert hatten. In der "Pokal-Schlacht", wie Trainer Jens Härtel es formulierte, hatte die Mannschaft, in der Liga zuletzt mit unterschiedlichen Leistungen, ihr Sonntagsgesicht aufgesetzt. Der Coach durfte sich über eine Steigerung freuen und durchaus zu Recht festhalten, "dass wir es geschafft haben, Leverkusen auf unser Niveau herunterzuziehen. Wir haben ihnen sehr wehgetan und am Ende unglücklich verloren."

Härtel hofft nun, dass seine Spieler schnell regenerieren, um für die nächste Aufgabe am kommenden Sonntag gegen Jena fit zu sein. Sollte gegen den Konkurrenten aus Thüringen ein ähnlicher Fight wie gegen Bayer gelingen, so der Trainer weiter, dann würden sie die Partie erfolgreich gestalten. Überhaupt hat Härtel der Auftritt seiner Mannen gegen den Favoriten großen Mut gemacht: "Wenn wir immer so spielen, wird es schwer sein, uns in der Regionalliga zu schlagen."

Hans-Günter Klemm