Lüneburg: Der Aufsteiger mit positivem Trend

Ostermann: "Die Negativserie war eine Prüfung"

Elard Ostermann

Der Antreiber am Spielfeldrand: Elard Ostermann ist bereits seit 2012 Trainer beim Lüneburger SK. imago

kicker: Herr Ostermann, nach nur zwei Punkten in den ersten acht Spielen holte der LSK jetzt in fünf Partien gleich zwölf Zähler. Was sind die Gründe für diese enorme Leistungssteigerung?

Elard Ostermann: Die Negativserie zu Beginn der Saison war für uns eine harte Prüfung. Wir hatten zwei Jahre lang fast nur gewonnen und waren erfolgsverwöhnt. Wir haben in diesem Sommer eine neue Mannschaft aufgebaut und auch das Umfeld musste regionalligafähig gemacht werden. Das war hart für den Trainerstab, auch für die Vereinsführung. Es war nach dem Fehlstart in die neue Saison wichtig, sich weiter zu vertrauen. Wir im Trainerstab haben immer die Ruhe bewahrt, haben Einigkeit gegenüber den Spielern gezeigt. Ich hatte nie den Eindruck, dass wir uns entzweien. Das war der Schlüssel zum Erfolg. Und diese Ruhe hat sich dann auch auf unsere Mannschaft übertragen.

kicker: Sie brauchten lange, bis der Kader wirklich regionalligafähig war.

Ostermann: Die Mannschaft hatte von Beginn an eine gute Qualität, aber es gab viele Spieler, die sich an die Regionalliga gewöhnen mussten. Selbstvertrauen haben wir uns im NFV-Pokal mit den Siegen beim BSV Rehden und beim TSV Havelse geholt. Aber der Pokal war Fluch und Segen zugleich. Denn englische Wochen waren die Spieler nicht gewohnt, das ging an die Substanz. Auf der anderen Seite haben wir weiter dieses positive Erlebnis, in den DFB­-Pokal einziehen zu können. Das war und ist weitere Motivation.

kicker: Es ist auffällig, dass viele Ak­teure, die zuerst keine Rolle spielten, aufgeholt haben, wie Marco Schuhmann oder Björn Schlottke.

Ostermann: Wir hatten zu Saisonbeginn nur elf, zwölf Spieler, die regionalligafähig waren. Nun ist der Konkurrenzkampf viel grö­ßer. Viele haben einen Sprung gemacht. Etwa Björn Schlottke. Mit seinen 19 Jahren hat er in Rostock ein ganz anderes System gespielt, ist erstmals von zu Hause weg, studiert nun und steht auf eigenen Beinen. Das muss ein junger Mensch erst einmal bewältigen.

Wir hatten sechsmal in Folge verloren, Maxi hatte einfach Pech.

Elard Ostermann über den Torwartwechsel

kicker: Aber auch für den Oberliga-Stamm war die Regional­liga ein großer Sprung.

Ostermann: Da kann ich stellvertretend Olli Ioannou nen­nen, der am Anfang große Schwierigkeiten hatte, denn in der Regionalliga herrscht ein viel höheres Tempo als in der Oberliga. Nun hat er es mit Fleiß und Willen geschafft und ist in der Mittelfeldzentrale ein ganz wichtiger Spieler für uns.

kicker: Inwieweit spielte der Torwartwechsel vor dem Ha­velse-Spiel von Maximilian Wulf zu Tobias Braun eine Rolle?

Ostermann: Wir hatten sechsmal in Folge verloren, Maxi hatte einfach Pech. Tobi ist ein etwas anderer Torwart-Typ, hatte zudem im Training einen guten Eindruck gemacht. Mit ihm kam das Glück zurück. Das Gute ist, Maxi lässt sich im Training nicht hängen, pusht dadurch Tobi. Das ist gut so.

kicker: Das Verletzungspech, vor allem der lange Ausfall von Patrick Po­sipal, schien nicht aufgefangen werden zu können.

Ostermann: Patricks Ausfall hat uns sehr hart getroffen, weil er viel Erfahrung hat und eine hohe Präsenz auf dem Platz zeigt. Doch jetzt haben wir einfach eine an­dere Leistungsdichte. Der Glaube, dass jeder Spieler gebraucht wird, ist in der Mannschaft angekommen. Das war zu Saisonbeginn nicht so. Ein Schlüsselmoment war die Partie gegen den SV Meppen, als wir 1:3 verloren haben. Danach haben sich die Spieler zusammenge­setzt, da kam alles auf den Tisch, sogar, dass sich die Meppener über uns lustig gemacht haben. Da hatten unsere Spieler das Gefühl, sie werden verscheißert. Von daher sind wir den Meppenern sogar dankbar. Denn danach haben alle noch mehr gearbeitet. Das war beeindruckend. Wir hoffen jetzt, dass wir den SV Meppen im Pokal zugelost bekommen. Ansonsten freuen wir uns schon jetzt auf das Rückspiel.

Ali Moslehe (li.) und Oliver Ioannou haben allen Grund zur Freude: Der Lüneburger SK holte zwölf Punkte aus den vergangenen fünf Partien.

Ali Moslehe (li.) und Oliver Ioannou haben allen Grund zur Freude: Der Lüneburger SK holte zwölf Punkte aus den vergangenen fünf Partien. imago

kicker: Es trainieren immer mal wieder vereinslose Spieler mit, zuletzt mit Morike Sako ein Ex-Profi. Gibt es weitere Veränderungen im Kader?

Ostermann: Wir beobachten genau, inwieweit sich Gastspieler einbringen, ob sie regelmäßig da sind, was sie bereit sind zu tun. Wenn wir jemanden holen, dann muss er uns auch mittelfristig weiterhelfen und nicht nur ein Schnellschuss sein.

kicker: Sieben Spiele stehen in diesem Jahr noch an. Wie viele Punkte wollen sie holen?

Ostermann: Wir haben uns 20 Punkte als Marke gesetzt. Es klingt wenig, aber es ist schwer für uns, diese Marke zu erreichen, denn wir müssen für jeden Punkt hart kämpfen. Dann fahren wir im Winter ins Trainingslager nach Mal­lorca. Das hat im letzten Jahr viel gebracht, weil wir mal ganz ohne Zeitdruck arbeiten konnten. Ich glaube, durch die gemeinsame, intensive Vorbereitung und die Erfahrungen aus der Hinserie werden wir stärker sein als zuvor. Unser Ziel ist es, in der Liga zu bleiben. Dafür schmeißen sich alle rein. Diese tollen Gegner, die vielen Zuschauer, die erhöhte Aufmerksamkeit – das will kein Spieler von uns mehr herschenken.

Interview: Ulrich Pott