Nigeria: Der Präsident kommt - Moses wieder eine Option

Super Eagles machen schwere Zeiten durch

Stephen Keshi

Nigerias Trainer Stephen Keshi: "Wie groß müssen Siege sein, um Leben aufzuwiegen?" Getty Images

Es ist wahrlich nicht einfach, den Fußball im Blick zu behalten, wenn in der Heimat Menschen sterben. Damit aber muss die Auswahl Nigerias, die in Brasilien um den Einzug ins Viertelfinale antreten wird, derzeit klar kommen. Ein Bombenanschlag mit mindestens 21 Toten und 17 Verletzten hatte schon am Mittwoch die Hauptstadt Abuja heimgesucht. Zum Auftakt des Fastenmonats Ramadan am Samstag gab es weitere Anschläge: In Nigeria, das zu zirka der Hälfte aus jeweils Christen und Muslimen bewohnt wird, wird befürchtet, dass allein am Wochenende mehr als 100 Menschen ihr Leben ließen. Die Frage von Trainer Stephen Keshi kam aufgrund der Schreckensnachrichten natürlich nicht überraschend: "Wie groß müssen Siege sein, um diese Leben aufzuwiegen?"

Thema Geld? Erledigt!

Immerhin kann sich das Nationalteam intern wieder gänzlich auf die Gemeinschaft und die Aufgabe konzentrieren: Der angebliche Trainingsstreik am Donnerstag (Ortszeit) wegen der ausstehenden Prämien ist laut afrikanischen Medien beigelegt - das Geld soll noch vor der Partie im Lager der Spieler eintreffen. Auch Mannschaftssprecher Ben Alaiya bestätigte dies: "Es ist alles geklärt. Wir sollten nicht mehr in die Vergangenheit blicken. Es gibt jetzt kein Problem." Auch Coach Keshi, der ebenfalls wegen Spekulationen um seine eigene Zukunft für Aufsehen gesorgt hatte , schwor das Umfeld auf die bevorstehende Aufgabe Frankreich ein: "Es wäre schön, wenn sie uns in Ruhe arbeiten lassen würden. Die ständig verbreiteten Meldungen sind schädlich und stören nur unsere Vorbereitung. Es gibt hier kein Geld-Thema." Mit Nachdruck hängte der 52-Jährige an: "Alles, woran wir denken, ist, dass wir am Montag gewinnen müssen." Auch Chelsea-Akteur John Obi Mikel schloss die Akte noch einmal: "Das war kein ernstes Problem, es war nichts Großes."

Weltmeisterschaft - Tabelle - Gruppe F
Pl. Verein Punkte
1
Argentinien
9
2
Nigeria
4
3
Bosnien-Herzegowina
3
Trainersteckbrief Keshi

Keshi Stephen

Spielersteckbrief Yobo

Yobo Joseph

Spielersteckbrief Moses

Moses Victor

Spielersteckbrief Musa

Musa Ahmed

Spielersteckbrief Babatunde

Babatunde Michel

Dem Kader als Motivator erhalten bleibt indes Michel Babatunde, für den die WM als Aktiver wegen eines Armbruchs aus dem Argentinien-Spiel gelaufen ist: "Ich werde für die Mannschaft beten und bin mir sicher, dass Nigeria stolz auf sie sein kann." Das i-Tüpfelchen kommt vom Staatspräsidenten höchstpersönlich: Goodluck Jonathan hat kurzfristig und trotz der Terroranschläge in Afrika angekündigt, den Kader vor Ort zu unterstützen. "Das ist eine sehr große Motivation, dass der Präsident kommen und uns besuchen will", zitiert das Sportportal nigeriafootball.com den Mannschaftskapitän Joseph Yobo: "Das ist besser als Geld, wir werden unser Bestes geben. Das ist eine moralische Verstärkung." Der Abwehrmann versicherte außerdem, dass der Poker ums Geld keinen Einfluss auf die mindestens 90 Minuten gegen die "Grande Nation" haben wird: "Auf dem Platz kann man an nichts anderes denken."

Ein Flügelflitzer kehrt zurück

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Gute Nachricht gab es derweil von Victor Moses vom FC Liverpool (19 Saisonspiele in der Premier League, ein Tor), der wieder fit ist. Über den neben Torhüter Vincent Enyeama (OSC Lille) und Mikel dritten Star im Team der "Super Eagles" wurde jüngst noch über ein Zerwürfnis mit Trainer Keshi spekuliert, weswegen der Kicker in den beiden letzten Spielen nicht zum Einsatz gekommen war. Der Übungsleiter hatte nun allerdings erklärt, sein Flügelflitzer habe sich nur eine Muskelverletzung zugezogen, die nun auskuriert sein soll.

Die aktuell größte Hoffnung liegt aber auf Angreifer Musa: Der 21-Jährige hielt mit seinen beiden Treffern am 3. Spieltag das Duell mit Argentinien (2:3) fast im Alleingang lange offen (kicker-Note: 2), soll verständlicherweise auch jetzt wieder sein Können zeigen. Der Stürmer von ZSKA Moskau nahm im Vorfeld des anstehenden Achtelfinals das ganze Team in die Pflicht: "Wir müssen stark verteidigen, unsere Chancen nutzen und das Gelernte vom Argentinien-Spiel auf den Platz bringen." Der Glaube allein reicht für den Angreifer aber nicht zum Weiterkommen: "Ohne harte Arbeit geht nichts, also benötigen wir unser Bestes gegen Frankreich."

Es ging hoch her ... und einige fielen tief