Ist zu viel Realismus überhaupt gut fürs Spiel?

eSport-Profis in Sorge: "FIFA ist zu realistisch"

Realismus zum Leidwesen des eSports? Ein Zweikampf im neuen FIFA 15.

Realismus zum Leidwesen des eSports? Ein Zweikampf im neuen FIFA 15. EA SPORTS

Mit der Xbox One und PlayStation 4 wurde FIFA 14 immer realistischer. Mehr Bewegungsabläufe und eine bessere Grafik sollen das Spielgefühl weiter ausbauen. Mit FIFA 15 möchten die Entwickler diesen Trend noch weiter vorantreiben. Für die eSportler ist diese Entwicklung jedoch eher ein Nachteil. Im Interview mit FIFA-Profi und bPartGaming-Mitgründer Benjamin Drexler wurde diese Thematik erstmals aufgegriffen: "Für die Entwickler ist es wichtig, dass die Fußball-Atmosphäre sehr gut ins Spiel übertragen wird - das ist aber nicht zwingend dienlich für den eSport", so Drexler. Durch die hohe Varianz bei Flanken oder den Laufwegen der Spieler sei FIFA ein wenig intransparent geworden. Man könne nicht immer nachvollziehen, warum bestimmte Dinge nicht funktionieren.

Zu viel Realismus ist schlecht für die Profis

Ein Problem, auf das sich Profispieler in Turnieren einstellen müssen, und das erfordert viel Übung. FIFA-Profi Jan "SnEijDeR" Zimmermann spricht das Problem offen in seiner Vorbereitungsphase zur ESL Pro Series Season an. Die Umstellung von der PlayStation 3 auf die PlayStation 4 sei ein harter Kampf gewesen. "Was man in FIFA 15 verbessern sollte, sind zum Beispiel die Flanken", so der ESL Pro Series Champion auf die Frage, was EA SPORTS im Vergleich zu FIFA 14 verbessern sollte. "Auf der PS3 funktionierten die in FIFA 14 noch sehr gut, jetzt auf der PS4 führen die Flanken nur noch sehr selten zu Toren."

Sieht die Weiterentwicklung kritisch: Jan "SnEijDeR" Zimmermann.

Sieht die Weiterentwicklung kritisch: Jan "SnEijDeR" Zimmermann. kicker eSport

Zudem wäre die Reaktionszeit der virtuellen Kicker bei weiten Bällen zu lange. Ein zusätzliches Problem seien auch die Luftlöcher, die manche Spieler hin und wieder schlagen, wenn das Timing nicht stimmt. In der Hinsicht sei das Spiel zu realistisch. "Umso realistischer das Spiel ist, desto schlechter wird es in meinen Augen", so "SnEijDeR". Es sei schwer zu trainieren, wenn man mögliche Fehler der künstlichen Intelligenz mit einberechnen müsse. So wisse man nie, was man falsch gemacht hat, erklärt der Profi abschließend.

Durch Fehler entstehen zu viele Tore

Ein Kritikpunkt, den immer mehr eSportler in FIFA aufgreifen und der aus Sicht der Profis durchaus angebracht erscheint. Wenn ein Spieler im ersten Moment den Ball in der Abwehr locker abschirmt und im nächsten Zweikampf ein Luftloch schlägt, obwohl der Profi alles richtig gemacht hat, sind diese Situationen schwer zu trainieren und können ein Spiel entscheiden. Vielleicht ist das aber auch der Schritt zum "Next-Gen-Fußball", den EA seinen Fans näher bringen möchte. Wo der Spieler am Pad genauso mit den Fehlern seiner Teamkollegen leben muss, wie es die echten Kicker und der Trainer im realen Fußball manchmal auch müssen.

Nicole Lange