Handy im Auto

Nicht nur Telefonieren ist tabu

Verboten: Handy-Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung wird mit einem Flensburg-Punkt und 60 Euro Bußgeld geahndet.

Verboten: Handy-Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung wird mit einem Flensburg-Punkt und 60 Euro Bußgeld geahndet. Dekra

Finger weg vom Handy: Während der Autofahrt gilt das grundsätzlich. Heißt: Nicht nur Telefonate und das Lesen bzw. Schreiben von Nachrichten sind strikt untersagt, sondern auch das Eintippen von Zielen in eine Navi-App oder das Scrollen durch die Playlist des integrierten Musicplayers. Wer sich nicht daran hält, riskiert 60 Euro Bußgeld und einen Flensburg-Punkt. Dies übrigens auch dann noch, wenn das Auto mit laufendem Motor an der Ampel oder am Straßenrand steht.

"Egal zu welchem Zweck – das Handy darf nicht in die Hand genommen werden", warnt Markus Schäpe, Verkehrsjurist beim ADAC. Das Stichwort lautet dabei "Hand": Ist das Mobiltelefon nämlich in einer Halterung untergebracht, dann ist die Nutzung seiner Funktionen gestattet.

Musicplayer oder Handy: Wo ist der Unterschied?

Wo liegt aber der Unterschied, ob auf einem Musicplayer oder auf dem Handy der nächste Titel angewählt wird? Unvernünftig, da mit hohem Ablenkungspotenzial behaftet, ist schließlich beides. Aber: Der Gesetzgeber wolle Ausreden gar nicht erst Tür und Tor öffnen, erklärt Schäpe. "Sonst behauptet doch jeder, der mit dem Telefon in der Hand erwischt wird, dass er das Gerät nur als Navi oder zum Abspielen von Musik benutzt hat".

Höhere Quote: Männer haben gemäß einer Dekra-Untersuchung beim Autofahren häufiger das Handy am Ohr als Frauen.

Höhere Quote: Männer haben gemäß einer Dekra-Untersuchung beim Autofahren häufiger das Handy am Ohr als Frauen. Dekra

Mehrfach-Sündern kann sogar ein Fahrverbot drohen. So war es im vergangenen Jahr einem Autofahrer ergangen, der sich innerhalb eines Jahres drei Strafen wegen Handy-Nutzung am Steuer eingehandelt hatte und außerdem binnen zweieinhalb Jahren dreimal wegen zu hoher Geschwindigkeit zu Fahrverboten verurteilt worden war. Die Richter des Oberlandesgerichts Hamm (Az. 3 RBs 256/13) sahen darin eine „beharrliche Pflichtverletzung“, für deren Ahndung das übliche Bußgeld nicht genug sei. Konsequenz: 80 Euro Bußgeld und ein Monat ohne Führerschein.

Dunkelziffer zu vermuten

Trotz solcher Sanktionen wird das Handy-Verbot aber immer noch munter missachtet. Eine bundesweite Erhebung der Sachverständigenorganisation Dekra, in deren Rahmen mehr als 10.000 Pkw-Lenker erfasst wurden, ergab, dass drei Prozent aller Autofahrer mit dem Handy am Ohr unterwegs gewesen waren. Das klingt zunächst nicht nach viel, meint aber in absoluten Zahlen immerhin 300 Personen. Und auch dabei handelt es sich letztlich nur um eine Dunkelziffer. "Der Anteil von drei Prozent waren nicht diejenigen, die überhaupt während der Fahrt telefonieren, sondern diejenigen, die zum Zeitpunkt der Beobachtung ohne Freisprecheinrichtung telefonierten", sagt Dr. Gerd Neumann, Mitglied der Dekra-Geschäftsführung.

Riskant: Auf modernen Smartphones muss der Blick ständig auf den Touchscreen gerichtet sein, die Tastatur lässt sich nicht erfühlen.

Riskant: Auf modernen Smartphones muss der Blick ständig auf den Touchscreen gerichtet sein, die Tastatur lässt sich nicht erfühlen. Werk

Männer telefonieren häufiger mit dem Handy als Frauen (3,1 gegenüber 2,7 Prozent), zu den klassischen Berufsverkehrszeiten und an Werktagen liegt die Handy-Quote höher als zu anderen Zeiten, und in der Kleinwagenklasse (3,8 Prozent) hat man öfter das Handy am Ohr als in der Luxus- und Oberklasse (1,6 Prozent). Letztlich ist das kein Wunder, denn im Gegensatz zu Minis sind teure Limousinen sind in aller Regel mit einer Freisprecheinrichtung ausgestattet.

28 Meter im Blindflug

Wie gefährlich es ist, sich am Steuer ablenken zu lassen, dokumentiert ein einfaches Rechenexempel. "Wer bei Tempo 50 den Blick nur für zwei Sekunden von der Straße abwendet, fährt fast 28 Meter im Blindflug", sagt Neumann.

Besonders gefährlich ist dabei der Umgang mit modernen Smartphones und deren Touchscreen. Anders als bei den früher gebräuchlichen Tasten-Telefonen lässt sich hier die Tastatur nicht mehr erfühlen, der Blick muss ständig auf den Bildschirm gerichtet sein.

Telefonieren am Steuer ist freilich nicht die einzige Tätigkeit, die während der Autofahrt ein riskantes Ablenkungspotenzial besitzt. Im Rahmen ihrer Verkehrsbeobachtung haben die Dekra-Forscher noch andere beunruhigende Vorgänge detektiert: Einen Mann zum Beispiel, der nebenbei Briefe öffnete und diese auch gleich las. Oder eine Mutter, die ihrem Kleinkind auf dem Beifahrersitz seinen Brei verabreichte.

ule