Bundesliga

Der Profifußball spart am falschen Ende

Kommentar zum Votum gegen die Torlinientechnik

Der Profifußball spart am falschen Ende

Jörg Jakob, stellvertretender kicker-Chefredakteur

Jörg Jakob, stellvertretender kicker-Chefredakteur

Der deutsche Profifußball hat sich am Montag nicht zur Einführung einer Torlinientechnik durchgerungen und damit eine historische Entscheidung zumindest vertagt. Nicht einmal das Phantomtor von Hoffenheim hat den Leidensdruck so weit erhöhen können, dass Zwei-Drittel-Mehrheiten der jeweils 18 Klubvertreter dem Beispiel der Premier League folgen wollten.

Es ist dabei unerheblich, ob das in England eingesetzte Hawk-Eye oder eine deutsche Variante der Torerkennung durch technische Hilfsmittel zu bevorzugen wäre. Im hochprofessionellen Millionenspiel wird weiter über die wichtigste Frage überhaupt - Tor oder kein Tor? - wie bei den Amateuren entschieden. Es bleibt also menschlich, Schiedsrichtern und ihren Assistenten bleibt Unterstützung verwehrt, sie werden weiter Fehler machen, und Fernsehkameras werden weiter nur vermeintlich aufklärende Bilder liefern, weil optische Täuschungen nicht restlos ausgeschlossen sind.

Wer das so will, muss in Zukunft mit den - wenn auch seltenen - Fehlern dieser Art leben und sollte sich mit Kritik an den Unparteiischen besser zurückhalten, wenn er sich durch ein Wembley-Tor benachteiligt sieht.

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Mit der Argumentation, auch die neuen Techniken müssten eine Null-Fehler-Toleranz aufweisen, erst dann sollte man sich ihrer bedienen, spielen die einen Gegner der aktuellen Torlinientechnik auf Zeit. Und einige andere mögen sich als Fußball-Romantiker bestätigt sehen. Die große Ablehnung von 15 Klubs aus der 2. Liga lässt jedoch darauf schließen, dass die Einführung einer Torlinientechnik vielen schlicht zu teuer ist.

Die Torlinientechnik wäre ein Fortschritt ohne negative Folgen gewesen

Der Profifußball unserer Zeit, sonst sicher nicht für Zurückhaltung bekannt, spart damit am falschen Ende. Oberschiedsrichter, Torrichter, Videobeweise während des Spiels, Auszeiten - all das braucht dieses einfache und daher so schöne Spiel nicht. Die Torlinientechnik jedoch wäre ein Fortschritt ohne negative Folgen. Die nächste Diskussion darüber, ob der Ball nun drin war oder nicht, wird ganz sicher kommen, hoffentlich nicht schon im dramatischen Abstiegskampf der nächsten Wochen.

Jörg Jakob