Berlin: Zwölf Polizisten und ein Fan wurden verletzt

Mattuschka: "Das ist eine Katastrophe"

Hässliche Szenen in Stockholm: Schwere Ausschreitungen auf den Blöcken und auch auf dem Spielfeld führten zum Spielabbruch.

Hässliche Szenen in Stockholm: Schwere Ausschreitungen auf den Blöcken und auch auf dem Spielfeld führten zum Spielabbruch. picture alliance

Die am Montag aus Stockholm übermittelte Bilanz sorgte beim 1. FC Union für neue Ratlosigkeit. Bei den gewalttätigen Tumulten wurden zwölf Polizisten verletzt. Nach Angaben der Stockholmer Polizei bekam ein Polizist eine Flasche ins Gesicht, neun Beamte erlitten Hörschäden durch Knallkörper. Auch ein deutscher Fan sei verletzt worden.

Über dem Block der DIF-Fans war vor dem Anpfiff ein Transparent mit der Aufschrift von Unions Erzrivalen BFC Dynamo gezeigt worden. Diese Provokation nahmen rund 100 der 1000 mitgereisten Gäste-Fans zum Anlass, den noch leeren Platz zu stürmen. Die schwedischen Anhänger schienen darauf gewartet zu haben. Sie rannten nun ebenfalls aufs Feld und zündeten dabei Bengalos und Knallkörper. "Auf eine dumme Provokation folgte eine dumme Reaktion, sodass die Partie in einem Desaster endete", sagte Union-Präsident Dirk Zingler.

Die Polizei brachte die Lage zunächst unter Kontrolle, mit mehr als 40 Minuten Verspätung wurde angepfiffen. Als im DIF-Block in der zweiten Hälfte erneut insgesamt drei Mal das BFC-Transparent auftauchte, verschärfte sich die Situation wieder. Beide Seiten brannten Pyrotechnik ab, das Feuerwerk verursachte in der Arena mit geschlossenem Dach eine große Rauchsäule. Die DIF-Fans stürmten den Platz sogar noch einmal, als die Partie längst abgebrochen war.

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Am späten Abend hatten sich die Tumulte im Zentrum von Stockholm fortgesetzt. Hunderte Menschen lieferten sich vor einer Kneipe eine Schlägerei. Zu Festnahmen kam es nach Angaben der Polizei aber nicht.

Mattuschka: "Es tut mir leid für die vielen friedlichen Fans"

"Was dort passiert ist, ist eine Katastrophe. Das hat mit Fußball nichts zu tun und ich hoffe, dass es den beiden Vereinen gelingt, die Täter zu ermitteln", sagte Union-Kapitän Torsten Mattuschka nach dem größten Imageschaden der vergangenen Jahre. "Es tut mir sehr leid für die vielen friedlichen Fans, die sich so gefreut haben und viel Geld ausgegeben haben, um uns nach Stockholm zu begleiten."

Den Union-Fans droht die Spaltung. "Wir sind Unioner - und ihr nicht", riefen die friedlichen Berliner Anhänger in Stockholm den Platzstürmern und Zündlern zu. Selbst führende Köpfe der Ultras sind ratlos, wie es dazu kommen konnte. Viele Anhänger befürchten, dass es nie wieder ein derartiges Event im Ausland geben wird.

Dieses Transparent soll der Auslöser gewesen sein.

Dieses Transparent soll der Auslöser gewesen sein. picture alliance

Drei Ultras waren am Sonntag ins Stadion gekommen, um sich für das Fehlverhalten etlicher anderer Fans in Stockholm zu entschuldigen. Sie sprachen beispielsweise mit Ersatzkeeper Jan Glinker, den beinahe ein Feuerwerkskörper aus dem Union-Block getroffen hätte.

Unions Vereinsführung hatte sich in den vergangenen Jahren immer für seine Fans stark gemacht, auch in puncto Pyrotechnik gegenüber DFL und DFB Flagge gezeigt. Nun wird die Verhandlungsposition gegenüber den Verbänden noch schwerer. Union dürfte schnell reagieren, um gerade angesichts des ersten Heimspiels gegen Dresden am 8. Februar ein Zeichen zu setzen. "Wir verurteilen dieses Verhalten in aller Deutlichkeit. Sollten Straftäter ermittelt werden können, werden wir sie unseren Möglichkeiten entsprechend zur Verantwortung ziehen", sagte Vereinschef Dirk Zingler.

Videoaufnahmen sollen Täter identifizieren helfen

Nach einem Bericht der schwedischen Tageszeitung "Aftonbladet" verfügt die Tele2 Arena, in der das Spiel stattfand, über 475 Überwachungskameras. Mit Hilfe der Aufnahmen versucht die Polizei nun, die Akteure zu identifizieren. Das Landeskriminalamt bemüht sich darum, Videomaterial von den schwedischen Kollegen zu bekommen und dieses zu sichten, sagte am Montag ein Sprecher der Berliner Polizei. Zwei szenekundige deutsche Beamte seien in Stockholm mit im Einsatz gewesen.