2. Bundesliga

Bierofka: "Es ist noch einiges drin"

1860 München: Der Routinier greift nochmal an

Bierofka: "Es ist noch einiges drin"

Greift wieder an: "Löwen"-Routinier Daniel Bierofka, hier links gegen Hoffenheims Johnson, ist wieder fit.

Greift wieder an: "Löwen"-Routinier Daniel Bierofka, hier links gegen Hoffenheims Johnson, ist wieder fit. imago

kicker: Am Montag reisen Sie in Ihr gefühlt 28. Profitrainingslager. Mit welchem Gefühl fliegen Sie nach Belek?

Daniel Bierofka (34): Eigentlich mit einem guten. Ich hab die ersten zehn Tage alles mitgemacht. Die Belastung war hoch, aber ich hab alles gut weggesteckt. Jetzt kommt der fußballerische Teil, der ist nach der langen Pause sehr wichtig für mich.

kicker: Zugleich könnte Belek Ihr letztes Trainingslager sein. Anfang Februar werden Sie 35, und bis jetzt haben Sie Ihren Vertrag nicht verlängert.

Bierofka: Darüber mache ich mir momentan keine Gedanken. Wenn der Verein auf mich zukommt, dann können wir noch mal drüber sprechen. Wenn nicht, okay, dann muss ich mir überlegen, wie's weitergeht.

kicker: Fit scheinen Sie zu sein. Nach einer knallharten, 80-minütigen Sprinteinheit sagte Friedhelm Funkel am Freitag: "Wenn er das überstanden hat, dann bleibt er jetzt gesund."

Bierofka: (lacht) Klar, bei den letzten Läufen hab ich ganz schön geblasen, da musste ich etwas abreißen lassen. Aber das ist ja normal. Die anderen sind ein bisschen jünger und waren nicht fünf Monate verletzt. Es kommt mir jetzt zugute, dass ich zuletzt nicht nur auf der Couch gelegen, sondern viel mit meinem Vater trainiert habe.

Die Sehne ist jetzt praktisch nicht mehr da.

Daniel Bierofka

kicker: Ihr Vater Willi war Trainer, hat aber keine medizinische Ausbildung. Warum haben Sie mit ihm gearbeitet?

Bierofka: Die Grundlagenarbeit habe ich natürlich mit einem Therapeuten gemacht, denn das war ja eine ganz schwere Operation. Die Sehne ist jetzt praktisch nicht mehr da, wir mussten erst mal den Fuß stabil kriegen. Acht Wochen hat das gedauert. Danach brauchte ich jemanden, der aus dem Fußball kommt, weil ich oft gemerkt habe: Nach der Reha fehlen einem die ganzen fußballerischen Grundlagen, wie Beweglichkeit zum Beispiel.

kicker: Erst waren Sie ewig verletzt, dann spielten Sie 27 Minuten in Aalen - und verletzten sich wieder. Wer oder was hat Sie für eine erneute OP motiviert und dafür, sich noch mal ranzukämpfen?

Bierofka: Ich mich selber. Am Anfang war's natürlich brutal, da musste ich durch einige Löcher. Aber dann hab ich gemerkt, dass ich das Ganze so nicht beenden will. Klar, die Operation war ein gewisses Risiko, aber bisher hat sich's mehr als ausgezahlt.

kicker: Möglicherweise müssen Sie sich jetzt noch mal auf eine neue Position einstellen. Nicht mehr links wie am Anfang oder auf der Sechs wie zuletzt, sondern rechts, offensiv oder defensiv. Eine Idee, die Sie reizt oder schreckt?

Bierofka: Keines von beiden, weil ich's ja noch nicht weiß. Der Trainer wollte im Trainingslager mit mir über meine Situation reden. Die letzten Jahre waren sehr lehrreich, weil ich da auf vielen Positionen gespielt habe. Das kommt mir jetzt vielleicht zugute. Also warum nicht rechts? Bis auf Torwart und Innenverteidiger hab ich alle Positionen durch. Entscheidend ist nicht, wo man spielt, sondern die Einstellung.

kicker: Möglicherweise teilen Sie sich die Seite dann mit Markus Steinhöfer. Wie Sie hat er seine Karriere bei den Amateuren des FC Bayern angefangen. Wie schätzen Sie ihn ein?

Bierofka: Privat kennen wir uns nicht, aber ich kenne ihn von Basel, aus der Champions League. Er hat unheimlich viel Erfahrung. Ich denke, so einen Spieler kann man auf jeden Fall brauchen.

kicker: Zuvor hatte 1860 Yuya Osako verpflichtet, einen japanischen Nationalstürmer. Was ist Ihr Eindruck von ihm?

Bierofka: Durchweg positiv. Es ist wirklich kein Gramm Fett an ihm, außerdem ist er sehr schnell, sehr beweglich - und vor dem Tor eiskalt. Ich hoffe, dass er sich schnell einlebt und den Kulturschock in Anführungszeichen überwindet. Dann ist er in jedem Fall eine Topverstärkung.

kicker: Funkel scheint ja durchaus noch Hoffnung zu haben, in den Aufstiegskampf eingreifen zu können. Sie auch?

Bierofka: Wir haben nur drei Punkte Rückstand auf Platz drei, also wenn man da keine Hoffnung hat, dann weiß ich auch nicht. Die Mannschaft kennt den Trainer jetzt besser, der Trainer die Mannschaft, dazu hat er die gewünschten Verstärkungen bekommen - ich denke schon, dass noch einiges drin ist. Gerade in dieser Liga, wo praktisch jeder jeden schlagen kann.

kicker: Der Aufstieg könnte noch mal ein schönes Ausrufezeichen für Sie werden. Würden Sie dann sagen: Noch mal ein Jahr Bundesliga, warum nicht?

Bierofka: (lacht) Erst mal gesund bleiben, das ist das A und O! Alles andere ist für den Moment zu weit hergeholt.

Interview: Richard Rösener