Düsseldorf: Neuer Sportvorstand offiziell vorgestellt

Schulte: "Da habe ich so richtig Bock drauf"

Helmut Schulte

Schlagfertig und eloquent: Helmut Schulte wurde am Montag als neuer Sportvorstand bei Fortuna Düsseldorf vorgestellt. imago

"Normalerweise findet man einen explodierten Schreibtisch vor, stattdessen gibt es hier eine geordnete Übergabe. Das ist doch prima!", sagte Schulte. Schulte war bis Jahresende noch beim österreichischen Erstligisten Rapid Wien tätig, und wurde von Werner persönlich als Nachfolger vorgeschlagen: "Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat", sagte Schulte mit einem Lachen.

In Düsseldorf erhielt er einen Zweieinhalbjahres-Vertrag bis zum 30. Juni 2016. Bis Saisonende wird er von Werner in seinem neuen Arbeitsgebiet eingeführt. Die beiden werden sich auch den Arbeitsplatz auf der Geschäftsstelle im Stadion teilen: "Wir werden aus dem Büro ein Tollhaus machen und uns wahrscheinlich gehörig auf die Nerven gehen", so Schulte.

Wir werden aus dem Büro ein Tollhaus machen und uns wahrscheinlich gehörig auf die Nerven gehen.

Helmut Schulte

Von den sonst üblichen Anbiederungen und Floskeln nahm Schulte wohltuend Abstand. Zur Stadt Düsseldorf hegte der im Sauerland aufgewachsene Schulte bisher ein eher distanziertes Verhältnis: "Mein Vater hat hier mal Weihnachtsbäume verkauft", so der 56-Jährige. Auch die Fortuna lag ihm bisher nicht so sehr am Herzen: "Ich erzähle hier nicht, dass ich in Fortuna-Bettwäsche geschlafen habe, damit kann ich nicht dienen", gab Schulte offen zu.

Auf der anderen Seite freut er sich schon sehr auf seine Aufgabe und geht seine Tätigkeit mit viel Elan und großen Zielen an: "Diese Herausforderung Fortuna hat mich enorm gereizt, auch wenn ich mich in Wien sehr wohl gefühlt habe. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, diesen Verein in eine sichere Zukunft zu führen. Ich möchte hier meinen Fußabdruck hinterlassen", sagte Schulte.

Freuen können sich wohl auch die Kneipiers in der Innenstadt Düsseldorfs, dem nach eigener Auskunft "längsten Theke der Welt". Denn in Wien war Schulte ein reger Nutzer der weltberühmten Kaffeehauskultur: "Mein Stammhaus war das Café Schwarzenberg", berichtete Schulte: "Der Ober hat fast geweint, als ich meinen Abschied angekündigt habe."

Schulte wird Nachfolger des am Saisonende ausscheidenden Sportvorstandes Werner. Die Entscheidung für Lorenz-Günther Köstner, der erst am morgigen Dienstag offiziell vorgestellt wird, als neuen Cheftrainer hat das Duo Schulte/Werner gemeinsam getroffen. Werner ist seit Frühjahr 2007 Sportvorstand bei Fortuna Düsseldorf. Bereits im Sommer 2013 gab der 71-Jährige seinen Rücktritt zum Saisonende bekannt. Zusammen mit Schulte wird er bis Ende März 2014 mit Ausnahme der über die Saison hinausgehenden Kaderplanung weiterhin hauptverantwortlich für sein Ressort sein, ehe er dann die Amtsgeschäfte komplett an Schulte übergeben wird.

Schulte spielte während seiner aktiven Karriere unter anderem für Fortuna Köln und dem FC St. Pauli. Bei den Kiez-Kickern sattelte er dann zum Trainer um, weitere Stationen waren Dynamo Dresden und Schalke 04. Anschließend wechselte er als Sportlicher Leiter in das Nachwuchsleistungszentrum Schalkes. Nach zehn Jahren bei den Knappen kehrte er als Geschäftsführer Sport nach St. Pauli zurück.

Reisinger darf wohl gehen - Verstärkung für Innenverteidigung gesucht

Erste Aufgabe des neuen Duos Köstner/Schulte wird es sein, den mit 30 Mann doch recht aufgeblähten Kader zu durchforsten und zu verkleinern. Als konkreter Abgang wird Stefan Reisinger gehandelt , den Angreifer zieht es zum Drittligisten 1. FC Saarbrücken. Allgemein wird in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt erwartet, dass das neue sportliche Führungsduo dem Wunsch Reisingers entsprechen wird. Gut möglich, dass der Stürmer bereits beim Trainingsauftakt am Dienstag fehlen wird.

Auf der anderen Seite muss für die Schlüsselpositionen aber auch Qualität zugeführt werden. Dies gilt zum Beispiel für die Innenverteidigung, die sich mit 29 Gegentoren als sehr durchlässig erwies. Reichlich merkwürdig, dass ausgerechnet zwei Spieler schwächeln, die sich zu Bundesligazeiten deutlich stärker präsentierten: Martin Latka spielte längst nicht so souverän wie in seinem ersten Halbjahr, und Stelios Malezas, zunächst äußerst solide, flog unter Mike Büskens sogar aus der Stammelf.

"Schlimm, dass die Mannschaft nie ihr Potenzial abgerufen hat", kritisiert Werner; das trifft in besonderem Maße auf die beiden Innenverteidiger zu. Als Düsseldorf noch erstklassig war, harmonierte das Duo; beide zeigten sich zweikampf- und kopfballstark. In der 2. Liga trifft die Fortuna auf eher defensive Gegner, steht insgesamt höher - und plötzlich fällt überdeutlich auf, dass Latka und Malezas oft nicht über die Geschwindigkeit verfügen, die gegnerischen Stürmer zu stoppen. Einen stärkeren Eindruck aber hinterließen auch die Vertreter Bruno Soares und Dustin Bomheuer nicht, der zudem in dieser Woche an der Schulter operiert wird und wochenlang ausfällt.