2. Bundesliga

Wo ist der Teamgeist der Fortuna geblieben?

Düsseldorf: Einstiger Trumpf scheint verloren

Wo ist der Teamgeist der Fortuna geblieben?

Häufig verschiedene Blickrichtungen: Hier die Fortunen Axel Bellinghausen (li.) und Stelios Malezas.

Häufig verschiedene Blickrichtungen: Hier die Fortunen Axel Bellinghausen (li.) und Stelios Malezas. imago

Axel Bellinghausen ist ein Vorbild an Willen und Leidenschaft. Aber auch eine Heißdüse. Wenn der Mittelfeldspieler ein Luftloch schlägt, muss das nicht zwangsläufig an seinen technisch limitierten Fähigkeiten liegen, es kann auch Teil eines heftigen Wutausbruchs sein. Dann sind Freund und Feind gut beraten, Abstand von dem zweibeinigen Vulkan zu nehmen.

Jüngst beim 1:0-Erfolg gegen Sandhausen war es wieder einmal so weit. Die Düsseldorfer Zuschauer quittierten die vergeblichen Angriffsbemühungen der vorangegangenen 30 Minuten mit ersten Pfiffen. Zu allem Überfluss sprang Bellinghausen ein leicht zu kontrollierender Ball über den linken Spann und kullerte ins Seitenaus. Statt sich über den eigenen Fehler zu ärgern, brüllte der Routinier den sichtlich verdutzten Passgeber Cristian Ramirez an. Dass der völlig unangebrachte Rüffel des Führungsspielers den Ecuadorianer nicht gänzlich aus dem Konzept brachte, spricht für das Selbstvertrauen des 19-Jährigen. Nach dem Wechsel zirkelte Ramirez seinem Kollegen Aristide Bancé den Ball maßgerecht zum 1:0-Siegtreffer auf den Kopf. Nach Zuspiel von Bellinghausen.

Mangelnde Harmonie?

Wer will, kann den Ausraster von Bellinghausen als Randnotiz abhaken. Dieser kann aber auch auf mangelnde Harmonie in der Mannschaft hinweisen. Zumindest auf dem Platz ist zu wenig Wir zu erkennen. Es fehlt das kollektive Anfeuern, die positive Bestärkung, der berühmte Ruck, der durch die Mannschaft geht. Aber auch das Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit. Von blindem Verständnis ist das Spiel der Büskens-Elf weit entfernt. Da scheint der eine nicht die Laufwege des anderen zu kennen.

Hinzu kommt die Suspendierung von Stefan Reisinger. Mit der Abkommandierung des redseligen Stürmers in die zweite Mannschaft will Trainer Mike Büskens einen faulen Apfel loswerden.

Teamgeist in der Mannschaft, aber nicht auf dem Platz

Weitere Früchte dieser Art kann die Fortuna unter keinen Umständen verkraften. "Der Sieg über Sandhausen ist genau das gewesen, was wir jetzt gebraucht haben", sagte Torhüter Fabian Giefer nach dem Spiel. Es sei wichtig gewesen, das zu zeigen, was die Mannschaft in den vergangenen Jahren stark gemacht habe: der große Teamgeist. Der mag tatsächlich im Team herrschen, auf das Spielfeld ließ er sich noch nicht übertragen.

Der Erfolg gegen Sandhausen erleichtert den Fortunen in der kurzen Länderspielpause das beschwerdefreie Durchatmen. Eine Wende mit Aha-Effekt sieht aber anders aus.

Wolfgang Schmitz