3. Liga

Der Philosoph Zoundi

Duisburg: Offensivspieler ist kein typischer Profi

Der Philosoph Zoundi

Patrick Zoundi

Liest im Flugzeug Philosophiebücher: Duisburgs Patrick Zoundi. imago

"Ich liebe Bücher", erklärt Zoundi, "solche Dinge wie Spielekonsolen sind nichts für mich. Wenn ich etwa meine Familie in Afrika besuche, dann lese ich im Flugzeug Philosophiebücher."

Zoundi, der 2000 beim KSC Lokeren in Belgien (76 Erstligaspiele) seine erste Station in Europa hatte, weiß, dass er als Profi ein Privileg genießt: "Wenn ich in meiner Heimat auf die Straße gehe, erkennen mich die Leute. Sie fragen aber nicht nach Autogrammen, sondern nach Geld." Schließlich sei Burkina Faso eines der ärmsten Länder weltweit. "Die meisten Leute haben kaum etwas zu essen, tun aber alles, um sich eine Eintrittskarte für Länderspiele kaufen zu können. Wir Fußballer sind in der Lage, diese Leute glücklich zu machen. Die Politik schafft so etwas nicht."

Spielersteckbrief Zoundi

Zoundi Patrick

3. Liga - 16. Spieltag
3. Liga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
1. FC Heidenheim
36
2
RB Leipzig
30
3
SpVgg Unterhaching
27
MSV Duisburg - Vereinsdaten

Gründungsdatum

02.06.1902

Vereinsfarben

Blau-Weiß

Wir Fußballer sind in der Lage, die Leute glücklich zu machen. Die Politik schafft so etwas nicht.

Patrick Zoundi über seine Landsmänner

Zoundi spricht an, was ihn bewegt. Aber grundsätzlich ist der Kumpel von Düsseldorfs Stürmer Aristide Bancé ein positiver Mensch. "Ich bin lustig, mag Comedy und erlaube mir gerne ein Späßchen mit den Teamkollegen", sagt der Mittelfeldspieler. Dazu passt, dass der Routinier viel redet. "Ich spreche neben meiner Landessprache Französisch auch Deutsch, Englisch, Flämisch und ein paar Brocken Griechisch. Wenn ich mich nicht unterhalten kann, ist das für mich das Schlimmste", sagt Zoundi.

Dabei müsste er am Duisburger Trainingsgelände eigentlich herumlaufen, als wenn er in ein Pfund Zitronen gebissen hätte. Zoundi, der 90 Zweitligapartien für Fortuna Düsseldorf und Union Berlin auf dem Buckel hat, ist bisher der klassische Joker. Achtmal wurde er eingewechselt und spielte nur beim 2:0 in Burghausen über die volle Distanz. Der Ex-Berliner bringt bei den "Zebras" mit Abstand den größten Erfahrungsschatz mit. 16-mal trug er das Trikot der Nationalelf, spielte in der WM-Qualifikation und im Afrika-Cup. "Ich bin aber kein Spieler, der ständig beim Trainer an die Tür klopft und fragt, warum er nicht aufgestellt wird."

Fleischwunde warf ihn zurück

Zuletzt wurde der vierfache Familienvater von einer Fleischwunde am Schienbein ausgebremst. "Ich habe drei Wochen verloren. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem es eigentlich aufwärts ging", blickt er zurück. Beim 1:0 in Osnabrück feierte er sein Comeback - als Einwechselspieler. "Ich möchte dem MSV mit meiner Erfahrung helfen. Dafür muss ich aber etwas anbieten. Du musst spielen, weil du auf der zugedachten Position der Beste bist und nicht, weil der Coach dich gut leiden kann", verdeutlicht Zoundi.

Genau aus dem Grund trat er 2012 aus der Nationalelf zurück: "Es gibt jüngere Spieler, die es einfach mehr verdient haben." Beim MSV will Zoundi künftig in den Vordergrund treten. Problem: Auf seiner Position offensiv rechts hat sich Michael Gardawski festgespielt. "Er macht das richtig gut. Ich gebe ihm Tipps und bin ein Teamplayer. Jeder ist auf seine Art wichtig", sagt Zoundi - ganz philosophisch.