Nationalelf

Bierhoff: "Das Halbfinale wäre ein Erfolg"

Nationalmannschaftsmanager bemängelt Kaltschnäuzigkeit

Bierhoff: "Das Halbfinale wäre ein Erfolg"

Oliver Bierhoff

"Für den Wert der Sponsoren ist entscheidend, dass wir Emotionen wecken", sagt Oliver Bierhoff. Getty Images

Wenn nicht jetzt, wann dann? So denken viele Fußball-Fans hierzulande, wenn es um die WM in Brasilien geht. Eine Nationalelf mit schier unerschöpflicher personeller Breite, Schlüsselspielern auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft, dazu die Triple-Erfahrung der Bayern-Nationalspieler: Die Vorzeichen für den vierten WM-Titel stehen gut - Pflicht jedoch ist er für die Verantwortlichen nicht.

"Das Viertelfinale ist für eine deutsche Mannschaft immer Minimalziel", erklärt Oliver Bierhoff im kicker-Interview. "Für mich wäre es ein Erfolg, wenn wir wie bei den vergangenen vier Turnieren unter den letzten Vier wären." Ob das die Anhänger der DFB-Elf zufrieden stellen würde, darf allerdings bezweifelt werden.

Natürlich wünscht sich auch Bierhoff, die Ära Joachim Löw endlich mit einem Titel zu krönen. Als Manager sagt er aber auch: "Für den Wert der Sponsoren ist entscheidend, dass wir Emotionen wecken. In deren Werteskala ist eine sympathische, imageträchtige und attraktiv spielende deutsche Mannschaft vielleicht wertiger als eine, die 2014 den Titel holt und dann langweiligen Fußball spielt."

Wenn man heute einen Angriff abschließt, gibt es Applaus, egal, ob der Spieler das Tor trifft oder nicht. Da gab es auch andere Zeiten.

Oliver Bierhoff

Davon, das weiß Bierhoff auch, ist Löws Mannschaft allerdings meilenweit entfernt. Viele Tore, vorne wie hinten, prägten die jüngsten Auftritte - Langeweile Fehlanzeige. Was Bierhoff jedoch stört: Es fehlt an der nötigen Effizienz vor dem Tor, das sei ein deutsches Problem. "Das sieht man auch in vielen Bundesligaspielen."

Doch woher kommt die mangelnde Kaltschnäuzigkeit? "Ich führe das darauf zurück, dass wir 2000 nach der Rumpelfußball-Ära den Spielern gesagt haben, jetzt geht es nur noch um Spaß, Freude und Technik", führt er aus. "Auch unsere Nationalspieler tendieren in der Offensive dazu, den Ball noch mal querzulegen. Ein Ulf Kirsten hat ihn einfach reingehauen."

Ein "Luxusproblem", das Bierhoff dennoch beschäftigt: "Ich glaube, dass heutzutage im Unterbewusstsein der Spieler der Entertainment-Charakter eine Rolle spielt. Wenn man heute einen Angriff abschließt, gibt es Applaus, egal, ob der Spieler das Tor trifft oder nicht. Da gab es auch andere Zeiten. Ich bin in Hamburg ausgepfiffen worden, weil ich zweimal die Latte getroffen habe."

Bierhoff über den Stellenwert der Nationalmannschaft, die Nachfolge von Hansi Flick, den EM-Modus und seinen Vertrag: Das komplette Interview lesen Sie in der aktuellen kicker-Ausgabe vom Montag!

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