St. Pauli: Märchenhafte Heimpremiere des Youngsters

"Hau das Ding rein!": Maier gehorcht prompt

Sebastian Maier und die aufgelöste Dynamo-Mauer verfolgen den Flug des Balles ins Tor.

Gespannte Erwartung: Sebastian Maier und die aufgelöste Dynamo-Mauer verfolgen den Flug des Balles ins Tor. imago

"Der Trainer hat mich in den Arm genommen und gesagt: 'Hau das Ding rein!'", verriet der Youngster nach dem Spiel. Der 19-Jährige beherzigte Frontzecks Auftrag. Schnurstracks rannte er Richtung Sechzehner, wo sich Florian Kringe rund 18 Meter vor dem Kasten schon den Ball zum Freistoß zurechtlegte. Maier überzeugte den Routinier, ihm die Ausführung zu überlassen – und zwirbelte den Ball mit seinem ersten Ballkontakt über die Mauer ins Netz. Nur Sekunden, nachdem er den Platz betreten hatte. Dynamo-Keeper Benjamin Kirsten streckte sich vergeblich, Maier drehte direkt jubelnd ab. "Das Spiel vor so einer Kulisse zu entscheiden, ist natürlich schon geil", erklärte der junge Standardspezialist nach der Partie.

Kaum zu glauben: Sebastian Maier steckte den Kopf zunächst tief in den Rasen.

Kaum zu glauben: Sebastian Maier steckte den Kopf nach dem Tor zunächst tief in den Rasen. Getty Images

Nach 24 Zweitliga-Spielen für 1860 München war Maier erst im Sommer nach Hamburg gewechselt und hatte einen Vertrag bis 2016 unterschrieben. Sportdirektor Rachid Azzouzi hatte den Neuen als "schnellen, fußballerisch gut ausgebildeten offensiven Mittelfeldspieler" gelobt und gleich Erwartungen geschürt: "Er wird unserem Offensivspiel gut tun und den Konkurrenzkampf auf dieser Position anheizen." Das tat Maier auch schon in der Vorbereitung, in der er sich als ernsthafter Kandidat für die St.-Pauli-Elf zeigte. Doch ganz gelang dem Rechtsfuß der Sprung nicht: Nur beim Pokalaus in Münster durfte er von Beginn an ran, in der 2. Liga war er nur am 2. Spieltag in Karlsruhe (0:0) eingewechselt worden. Doch nun der eindrucksvolle Blitzauftrittt bei seinem ersten Spiel am Millerntor.

"Er ist ein hochtalentierter, begabter Junge, der viel Qualität mitbringt", lobte Frontzeck seinen Matchwinner, sah aber eine Steigerung seines gesamten Teams: "Das war mit Abstand unser bestes Saisonspiel. Es war ein verdienter Sieg."

Heute bin ich der Depp.

Cristian Fiel

Bis dieser Erfolg feststand, hatten die Hamburger aber jede Menge Arbeit zu verrichten. Denn die Dresdner, die nach der Trennung von Peter Pacult erstmals unter Interimstrainer Steffen Menze antraten, spielten vor 28.587 Zuschauern munter mit und hatten gute Chancen.

Entsetzen: Cristian Fiel nach seinem Elfmeter-Fehlschuss.

Entsetzen: Cristian Fiel nach seinem Elfmeter-Fehlschuss. imago

Als St. Pauli im zweiten Durchgang den Druck erhöhte, schlugen die Sachsen in der 71. Minute durch Mohamed Aoudia zu, der die heiße Schlussphase einläutete. Kringe hatte nach einem Freistoß die schnelle Antwort zum 1:1 parat, ehe die Szene kam, wegen der Cristian Fiel später meinte: "Heute bin ich der Depp." Nachdem Bernd Nehrig Idir Ouali zu Fall gebracht hatte, trat der 33-Jährige zum fälligen Strafstoß an, platzierte diesen aber zu schlecht, sodass Philipp Tschauner parieren und den Weg für Maiers märchenhaften Kurzeinsatz ebnen konnte.

"Wenn ich den Elfmeter reinschieße, gehen wir als Sieger vom Platz", mutmaßte ein zerknirschter Fiel. Und auch Sportchef und Interimstrainer Menze hatte an dem 1:2 zu knabbern: "Für uns war es eine bittere Niederlage. Die Mannschaft hat eine ordentliche Leistung gebracht."