Berlin: Aufsteiger schießt Frankfurt ab

Hertha historisch: "6:1 ist eine krasse Ansage"

Die Hertha-Profis feiern mit ihren Fans

"Wir haben gebrannt": Hertha BSC setzte bei der Bundesliga-Rückkehr sechs Ausrufezeichen. Getty Images

Seit 1974/75 (Offenbach gegen Bayern 6:0) gab es keinen klareren Auftaktsieg, nie hat ein Aufsteiger am ersten Spieltag höher gewonnen, letztmals gewann Hertha im Dezember 2004 deutlicher (6:0 gegen Gladbach). Das sagen die Zahlen. Und das sagte Änis Ben-Hatira: "6:1 ist schon eine krasse Ansage an die Konkurrenz."

So oder so, dieser Samstag wird noch lange im Gedächtnis bleiben; in dem der Berliner, aber auch in dem der Bundesliga. "Wir haben lange nicht so ein tolles Fußballspiel erlebt im Olympiastadion", sagte Hertha-Manager Michael Preetz und fügte fast wehmütig an: "Und es wird wahrscheinlich so sein, dass wir nicht mehr viele Spiele höher gewinnen als heute."

Bundesliga - 1. Spieltag
1. Spieltag
Bundesliga Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Hertha BSC
3
2
Borussia Dortmund
3
3
Bayer 04 Leverkusen
3
Bayern München
3
5
Hannover 96
3
6
1. FSV Mainz 05
3
7
Werder Bremen
3
8
Hamburger SV
1
FC Schalke 04
1
Tabelle Bundesliga

Wir sollten nicht auf die Tische springen und darauf tanzen.

Jos Luhukay

Mit begeisterndem Spiel nach vorne überrollte Hertha Eintracht Frankfurt förmlich. Ein perfekter Start also? "Wenn man schon in der ersten Halbzeit dreimal Aluminium trifft und dann sechs Tore erzielt, hat man vieles richtig gemacht", sagte Coach Jos Luhukay, "aber nicht alles." Man könne immer noch etwas verbessern. "Wichtig ist, dass wir jetzt realistisch bleiben. Es wird auch wieder anders aussehen."

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Klar, dass ein Trainer nach einem derart furiosen Auftakt erst einmal die Euphoriebremse spielen muss. "Wir werden ganz schnell wieder in den Alltag zurückkehren", betonte er. Eine gehörige Portion Erleichterung mischte sich aber auch in Luhukays Resümee. Erleichterung, dass seine Elf mit allen seinen vier Neuzugängen in der Startelf (Langkamp, van den Bergh, Hosogai und Baumjohann) so überzeugt hatte; Erleichterung aber auch, dass sein nicht unumstrittener Kapitänswechsel (Lustenberger für Niemeyer) erst einmal kein Thema mehr ist. "Wir haben jetzt die ersten drei Punkte, jetzt können wir noch ein bisschen das Spiel genießen."

Serientäter Allagui: "Ich glaube nicht an Zufälle"

Ein Erfolgsgarant war, eigentlich wenig überraschend, Sami Allagui. Sechs erste Spieltage hat der Angreifer seit seinem Profidebüt in Deutschland 2008 in den ersten beiden Profiligen erlebt - und an jedem einzelnen mindestens ein Tor geschossen. "Ich glaube nicht an Zufälle", hatte Allagui schon im Vorfeld gesagt. Dann traf er zweimal.

"Das ist ein schönes Gefühl", erklärte einer der Matchwinner hinterher bei "Sky". "Wir waren immer einen Ticken schneller da, wir haben gebrannt. Ein Jahr haben wir darauf gewartet, dass wir mit Hertha wieder Bundesliga spielen können. Die ganze Stadt war da. Das war einfach ein genialer Nachmittag für uns." Die meisten der 54.376 Zuschauer werden es ähnlich empfunden haben.

Wenn wir da 1:6 auf den Sack kriegen, interessiert das Spiel gegen Frankfurt niemanden mehr.

Kapitän Fabian Lustenberger vor dem zweiten Spiel in Nürnberg

Und jetzt ist Hertha, letztmals Erster am 22. März 2009, aller Voraussicht nach der erste Tabellenführer der 51. Bundesliga-Saison. "Nach zehn Spieltagen", beschwichtigt Allagui vor dem Auswärtsspiel in Nürnberg am nächsten Sonntag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de), "kann man frühestens auf die Tabelle gucken." Ein paar verstohlene Blicke werden sich die Berliner aber bestimmt gönnen in den nächsten Tagen, während Eintracht-Trainer Armin Veh eher seufzend ankündigte: "Ich werde mir das Spiel noch mal ansehen müssen."