Bundesliga

Jackson: Ein Mann für mehr Tempo

Braunschweig: Kanadier lernt Deutsch mit einer App

Jackson: Ein Mann für mehr Tempo

"Mehr wert auf Details": Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht erklärt Neuzugang Simeon Jackson, um was es in der Bundesliga geht.

"Mehr wert auf Details": Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht erklärt Neuzugang Simeon Jackson, um was es in der Bundesliga geht. imago

Aus Braunschweigs Trainingslager in Fügen berichtet David Bernreuther

Beim AFC Bournemouth waren sie sich ihrer Sache wohl schon relativ sicher. Als der englische Zweitligist vergangene Woche mitbekam, dass Simeon Jackson das kanadische Nationalteam verlässt und vom Gold Cup Richtung Europa aufbricht, reservierten sie für ihn sogleich ein Hotelzimmer. Jackson hatte bereits aussichtsreiche Gespräche mit Trainer Eddie Howe geführt, beide Seiten schienen interessiert.

Was sie in Bournemouth wohl nicht wussten: Jackson hatte zwei Wochen zuvor erstmals mit Torsten Lieberknecht telefoniert. Und der Trainer von Eintracht Braunschweig machte dem Offensivspieler einen Wechsel nach Deutschland schmackhaft. Für Jackson, der beim Premier-League-Klub Norwich City keinen Vertrag mehr erhalten hatte, war die Bundesliga reizvoller als die zweite Spielklasse in England. Also unterschrieb er in Braunschweig für zwei Jahre. Bournemouth schaute in die Röhre.

"Simeons Tor war eine gute Sequenz, um zu zeigen, was es heißt, schnell umzuschalten."

Torsten Lieberknecht

Bei der Eintracht erwischte Jackson gleich einen guten Start. Beim Nordcup in Hamburg erzielte er beim 2:1 gegen Wolfsburg das zwischenzeitliche 2:0. Es war ein Treffer, über den Lieberknecht sagt: "Simeons Tor war eine gute Sequenz, um zu zeigen, was es heißt, schnell umzuschalten." Genau deshalb hat die Eintracht den 26-jährigen kanadischen Nationalspieler (36 Einsätze, 6 Tore) verpflichtet: Er soll dem Konterspiel Geschwindigkeit verleihen und Angriffe dank seiner Beidfüßigkeit erfolgreich abschließen.

Jackson wurde in Jamaika geboren, mit drei wanderte er zu seinem Onkel nach Kanada aus, weil seine Familie für ihn in Mississauga nahe Toronto eine bessere Perspektive sah. Mit 15 zog er weiter nach England, das Geburtsland seiner Mutter. Dort spielte Jackson zunächst für unterklassige Teams, ehe er mit Norwich 2011 den Aufstieg in die Premier League schaffte. Im entscheidenden Spiel gegen Portsmouth erzielte er per Kopf den 1:0-Siegtreffer.

Das erste Jahr in der höchsten englischen Liga lief noch recht gut für den Angreifer, bei 22 Einsätzen erzielte er drei Tore. Das zweite lief viel schlechter. Nach dem Trainerwechsel von Paul Lambert zu Chris Houghton im Sommer 2012 durfte Jackson 2012/13 nur noch 13-mal spielen und schoss dabei lediglich ein Tor. "Durch den Trainerwechsel gab es andere Ideen", sagt Jackson. "Es war eine gute Erfahrung, ich habe meine Zeit in Norwich genossen, aber jetzt war es Zeit, ein neues Kapitel zu beginnen."

Das neue Kapitel führte ihn mit Eintracht Braunschweig ins Trainingslager nach Fügen. Dort musste Jackson am Dienstag bei hochsommerlichen Temperaturen zwei intensive Einheiten bewältigen. "Es ist hart", sagt er, "die Einheiten dauern länger, bei den Übungen wird mehr Wert auf Details gelegt." Der Kanadier fühlt sich in seinem neuen Team dennoch bereits gut aufgenommen: "Wenn du neu bist, ist es immer schwierig, aber die Jungs sind sehr hilfsbereit, sie erklären mir alles. Der Teamgeist ist sehr gut."

Mit seinem Zimmerkollegen Omar Elabdellaoui verständigt sich Jackson auf Englisch. Doch er lernt auch schon Deutsch - mit Hilfe einer App auf seinem Tablet-PC. Ein paar einfache Sätze und erste Kommandos auf dem Spielfeld sitzen schon. "Ich will schnell lernen", sagt Jackson, "wir müssen in der Bundesliga bleiben, dabei will ich dem Team helfen."