US-Amerikaner sagt für WM ab - Holzdeppe wird deutlich

Leichtathletik droht ein Skandal: 100-Meter-Stars positiv

Tyson Gay (li.) und Asafa Powell (re.) trafen noch am 4. Juli in Lausanne aufeinander.

Tyson Gay (li.) und Asafa Powell (re.) trafen noch am 4. Juli in Lausanne aufeinander. Getty Images

Wie die französische Sportzeitung L'Equipe in ihrer Onlineausgabe berichtete, hat Gay in einer Telefonkonferenz in Amsterdam zugegeben, am Freitag von der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA) über den positiven Befund informiert worden zu sein. Die positive A-Probe wurde bei einem Wettkampf am 16. Mai entnommen.

Noch ist nicht bekannt, um welche Substanz es sich bei dem gefundenen Dopingmittel handelt. In einer ersten Reaktion wies Gay die Schuld von sich und beteuerte gegenüber US-amerikanischen Medien, nicht wissentlich gedopt zu haben. Gay will nun so schnell als möglich die Öffnung der B-Probe beantragen, um seine Unschuld doch noch zu beweisen.

Damit fällt das mit Spannung erwartete Duell gegen den jamaikanischen Superstar Usain Bolt bei der WM ins Wasser. Bei den US-Meisterschaften sicherte sich Gay in 9,75 Sekunden den Titel und avancierte mit dieser Zeit zum schnellsten Mann in diesem Jahr. Mit 9,79 und 9,86 Sekunden steht Gay zudem auf den Rängen zwei und drei in diesem Jahr. Auch über die 200 Meter sicherte er sich bei den US-Championship den Titel.

Gays Stern ging im Jahr 2007 auf, als er bei der WM in Osaka (Japan) über die 100 und die 200 Meter sowie mit der 4X100-Meter-Staffel jeweils die Goldmedaille holte. Im Jahr 2009 sicherte er sich bei der WM in Berlin hinter Bolt Rang zwei. Es war das Rennen, in dem Bolt seinen Fabel-Weltrekord von 9,58 Sekunden aufstellte.

Doping-Welle auf Jamaika

Die jamaikanischen Sprintstars Asafa Powell, Nesta Carter sowie Sherone Simpson sind in der A-Probe positiv auf Doping getestet worden. Der frühere 100-m-Weltrekordler Powell erklärte in einem Statement, dass bei den Landesmeisterschaften im Juni das Stimulans Oxilofrin nachgewiesen worden sei. Britischen Medienberichten zufolge wurden auch bei dem zweimaligen Staffel-Olympiasieger Carter und der früheren 100-m-Vizeweltmeisterin Simpson verbotene Substanzen nachgewiesen. Sollte auch die B-Probe positiv ausfallen, droht der Leichtathletik ein riesiger Skandal. Mit Gay, Carter und Powell wären die drei schnellsten 100-m-Läufer des Jahres des Dopings überführt.

Kein Kommentar vom Weltverband - Holzdeppe wird deutlich

Der Leichtathletik-Weltverband will die spektakulären Dopingfälle zunächst nicht kommentieren. Der stellvertretende IAAF-Generalsekretär Nick Davis bekräftigte in einer Pressemitteilung aber den ungebrochenen Einsatz des Dachverbandes im Kampf gegen Doping, "weil wir eine ethische Verpflichtung gegenüber der Mehrzahl der Athleten haben, die an einen sauberen Sport glauben".

Nur wenige Stunden, nachdem die Doping-Fälle bekanntgeworden waren, betonte Davis: "Die Glaubwürdigkeit unseres Anti-Doping-Programms und der Leichtathletik wird jedes Mal, wenn wir einen neuen Fall aufdecken, gestärkt, nicht geschwächt."

Gleichwohl kommen die erschütternden Nachrichten angesichts des nahen WM-Termins aber zur Unzeit. Aus der deutschen Leichtathletik-Szene wurden indes klare Forderungen laut. Stabhochspringer Raphael Holzdeppe forderte drastische Strafen: "Tyson Gay gesteht Doping...eine Lebenslange Sperre sollte meiner Meinung nach hier verhängt werden!!", twitterte der Olympia-Dritte von London. "Verrückter und zugleich trauriger Sonntag", schrieb Holzdeppe.

Auch Langstreckenspezialistin Sabrina Mockenhaupt reagierte mit großer Enttäuschung auf die Nachrichten. "Kann nicht der gewinnen, der das meiste Talent hat, am besten trainiert, am besten geschlafen hat, usw....", schrieb sie bei Twitter.