Malaga-Coach Schuster beurteilt Pep Guardiola

"Pep wird sich offensiv etwas einfallen lassen"

Bernd Schuster

"Unter Guardiola werden die Bayern in jedem Spiel die dominante Elf sein": Bernd Schuster ist von den Qualitäten des neuen FCB-Coachs überzeugt. imago

kicker: Herr Schuster, wie würden Sie Guardiolas Philosophie beschreiben?

Bernd Schuster (53): Das Schwergewicht liegt auf dem Spielerischen. Er braucht und sucht dafür hervorragende Fußballer, die sich blind verstehen. Guardiola geht es darum, Automatismen zu schaffen und diese immer wieder zu verfeinern, zu vervollkommnen.

kicker: Liegen seinem Stil wesentliche Elemente zugrunde, die Johan Cruyff bei Barca schuf?

Schuster: Ja, eindeutig. Guardiola ist vom Stil Cruyffs geprägt, der den Fußball "Marke Barca" sozusagen erfunden hat. Pep hat Details verändert, eine Weiterentwicklung gemacht. Er hat Cruyff in die Moderne überführt.

kicker: Was bewundern Sie an Guardiola?

Schuster: Mich fasziniert, wie er ein Team formt, wie er es schafft, einer Elf seinen Stempel aufzudrücken. Und er hat das Vermögen, eine schon homogene Gruppe weiterzuentwickeln.

kicker: Die Kernfrage: Kann Guardiola Bayern?

Schuster: Das wird er beweisen müssen. Bislang hat er nur bei Barca gearbeitet. Als Trainer hatte er dort den Vorteil, alles zu kennen.

kicker: Tritt er aus Heynckes' langem Schatten?

Schuster: Ich traue ihm zu, dass er die Bayern nach seinen Vorstellungen inspiriert und prägt. Trotz seiner jungen Jahre ist er schon ein erfahrener Coach, der viel erlebt und gelernt, mit Stars gearbeitet hat. Er hat das Talent und die Fähigkeit, auch dort zurechtzukommen.

kicker: Überraschte Sie Guardiolas Entscheidung für die Bayern?

Schuster: Nein, er ist ein sehr cleverer Mann. Typisch für ihn, diese Wahl. Ihn zeichnet das Gespür aus, das Richtige zu tun. Er spürt, wie die Bayern-Führung den Fußball lebt.

Sie sollten sich auf diesen herausragenden Trainer freuen.

Bernd Schuster über die Spieler des FC Bayern.

kicker: Kann er in München auch den Barca-Fußball spielen lassen?

Schuster: Zunächst einmal: In München hat er gute Fußballer. Warum sollte sein Spielstil dort nicht klappen? Ob es das ganz große Spektakel des Tiki-Taka geben wird, ob es möglich ist, wird sich zeigen. Es ist fraglich, ob sich dies mit den deutschen Tugenden kombinieren lässt. Doch gewiss ist: Unter Guardiola werden die Bayern in jedem Spiel die dominante Elf sein.

kicker: Wo könnte er was verändern?

Schuster: Vor allem offensiv wird sich Pep etwas einfallen lassen, was Angriffszüge und Laufwege betrifft. Die Münchner haben intelligente Spieler: Müller, Kroos, Ribery, Schweinsteiger. Die werden das bewältigen. Sie sollten sich auf diesen herausragenden Trainer freuen.

kicker: Sehen Sie mögliche Probleme bei der Zusammenarbeit mit der Bayern-Führung?

Schuster: Karl-Heinz Rummenigges Worte, als er die Trainerwahl bekanntgab, zeugten von tiefem Respekt vor der großen Persönlichkeit. Pep hatte Erfolg, Pep muss niemanden überzeugen. Und die Bayern-Bosse müssen ihm nicht erzählen, wie Fußball funktioniert. Sie können sich auf Augenhöhe austauschen.

Lesen Sie Teil drei der Serie über Pep Guardiola mit dem Titel "Der Überflieger" in der Montagsausgabe des kicker-Sportmagazin.

Der Überflieger