U 21

Holtby: "Die Welt ist nicht untergegangen"

Zweite Hälfte als Mutmacher

Holtby: "Die Welt ist nicht untergegangen"

Lewis Holtby

Noch ist nichts verloren: Lewis Holtby freut sich auf ein "geiles Highlight" gegen Spanien. imago

Aus Israel berichtet Michael Pfeifer

"Es hat zu spät klick gemacht", so formulierte es Sebastian Rudy, der als einziger von Beginn an im Spiel war, auch wenn er gleich nach fünf Minuten von zwei Niederländern gefällt wurde. "Ich bin mit dem Bauch auf ein Bein gefallen und habe fast keine Luft mehr gekriegt", beschreibt der Hoffenheimer die Schrecksekunde.

"Die Nervosität spielte am Anfang sicher eine Rolle", erklärte Tony Jantschke die lethargische erste Halbzeit. "Wir waren viel zu weit weg vom Gegner und haben nicht zielstrebig nach vorne gespielt", analysierte Kapitän Lewis Holtby. Trainer Adrion sprach von "einer gewissen Lähmung, weil einige Spieler vom Ereignis einer Europameisterschaft schon beeindruckt waren."

Zudem hatte auch Torhüter Bernd Leno nicht seinen besten Tag. Bei Mahers krummem Ding beim 0:1 "machte er keine glückliche Figur", so Adrion, beim 0:2 erwischte er den Ball nicht entscheidend und ließ ihn ins Tor trudeln, und beim 2:3 kam Fer im Fünfmeterraum zum Kopfball… "Er hat uns aber auch in einigen Situationen mit starken Aktionen gerettet", so Adrion, für den ein Wechsel im Tor "kein Thema" ist. Leno: "Das ist doppelt bitter, denn wenn man einfach nur die zweite Halbzeit sieht, wo wir glatt dominiert haben und drauf und dran waren, das 3:2 machen. Das wir dann so spät das 2:3 bekommen, ist schon sehr enttäuschend."

Spielbericht

Wie verwandelt kehrte das DFB-Team aus der Kabine zurück. "Jetzt zeigen wir unser wahres Gesicht", hatte Adrion seine Mannen angestachelt. Und die setzten es prompt um. Mit Rudys schnellem Strafstoßtor war die Mannschaft plötzlich wieder im Spiel. "Das war sehr positiv, wie willig die Mannschaft war, das Spiel zu drehen. Wie wir uns zurückgeschlagen haben, wie wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben, da bekomme ich Gänsehaut. Ich bin stolz darauf, Teil dieser Mannschaft zu sein", so Holtby, der einen Strafstoß rausholte, den Ausgleich schoss und nachher zum "man of the match" gekürt wurde. "Wir müssen das Positive mitnehmen, wir haben gegen eine holländische A-Mannschaft gespielt, die als Mitfavorit nächstes Jahr in die WM in Brasilien geht. Ich möchte die gerne mal gegen unsere A-Mannschaft spielen sehen…" In seiner Euphorie um die zwischenzeitliche Aufholjagd hatte Holtby freilich unterschlagen, dass Holland bei der WM auch Größen wie Robben, van der Vaart, Sneijder und Co. aufzubieten hat.

Fakt ist, dass das DFB-Team zumindest nach der Pause auf Augenhöhe agierte und sogar den Siegtreffer vor Augen hatte. Mit einem fulminanten Distanzschuss hämmerte der sehr belebende Kevin Volland den Ball an die Latte. "Wir hatten Holland auch an einem gewissen Punkt, wo wir nach dem 2:2 vielleicht auch noch gewinnen können", sagte der Hoffenheimer, "und dann bekommen wir noch ein Standard-Gegentor, das ist einfach bitter. Das darf uns nicht passieren."

Überraschend hatte Adrion den Gladbacher Peniel Mlapa in der Startelf Volland vorgezogen, dann aber frühzeitig reagiert und den Gladbacher schon nach 38 Minuten auch wegen muskulärer Probleme ausgewechselt. "Ich hätte den Wechsel auch ohne seine Probleme gemacht, ihm ist bis dahin eigentlich nichts gelungen", verriet Adrion. Gegen Spanien am Sonntag muss er wohl auf Mlapa verzichten.

"Auf der zweiten Hälfte können wir aufbauen", sagt Holtby, "es sind noch zwei Spiele zu spielen, wir können noch sechs Punkte holen. Die Welt ist nicht untergegangen, es gibt Schlimmeres im Leben. Wir haben jetzt gegen Spanien ein geiles Highlight vor uns."

Die DFB-Elf steht nun schon mit dem Rücken zur Wand. "Das Spiel gegen Spanien ist fast schon ein Endspiel für uns", weiß Leno. Aber Jantschke geht optimistisch an die Aufgabe heran: "Es sind alles enge Spiele hier, deshalb ist noch immer alles drin."

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