Abstiegskandidat besiegt Manchester City in letzter Minute

Wigan schafft in Wembley die Pokal-Sensation

Wigan Athletic bejubelt die Sensation

Jubel über den größten Triumph der Klubhistorie: Wigans Spieler nach dem Abpfiff. picture alliance

Das ersatzgeschwächte Wigan hielt im Duell mit Vorjahresmeister ManCity von Beginn an überraschend gut mit. Nachdem der Anfangsdruck des Favoriten überstanden war, der durch Carlos Tevez zu guten Chancen kam, erspielten sich die Latics selbst gute Gelegenheiten. Ständiger Gefahrenherd dabei: Callum McManaman, der Citys Linksverteidiger Gael Clichy ein ums andere Mal schwindelig spielte und vor dem Wechsel zwei gute Möglichkeiten vergab.

Nach der Pause hatte ein alles in allem lustlos wirkendes City im 132. FA-Cup-Finale zwar ein Übergewicht, wurde jedoch kaum gefährlich. Sechs Minuten vor dem Ende sah City-Verteidiger Pablo Zabaleta die Gelb-Rote Karte. Wigan agierte in den Schlussminuten in Überzahl, wollte den Sieg - und holte tatsächlich noch zum entscheidenden Schlag aus. Eine Ecke von Shaun Maloney fand im eingewechselten Ben Watson einen Abnehmer, am ersten Pfosten köpfte er zum umjubelten 1:0 ein.

FA Cup England - Finale
Manchester City - Vereinsdaten

Gründungsdatum

01.01.1880

Vereinsfarben

Hellblau-Weiß

Wigan Athletic - Vereinsdaten

Gründungsdatum

01.01.1932

Vereinsfarben

Blau-Weiß

Manchester City - Die letzten Spiele
Palace (A)
0
:
2
Wolverhampton (H)
0
:
2
Wigan Athletic - Die letzten Spiele
Nottingham (H)
1
:
0
Sheffield Wed. (A)
1
:
0

Nach vierminütiger Nachspielzeit war die Sensation perfekt: Wigan Athletic ist zum ersten Mal FA-Cup-Sieger. Seit dem FC Wimbledon 1988 sind die Latics der erste Klub, der bei seiner ersten Finalteilnahme auch gleich den ältesten Klub-Pokal der Welt holt. Für die Europa League war Wigan, das auf dem Weg zum Pokaltriumph nur ein (!) Tor kassierte, schon vor der Partie qualifiziert.

Ben Watson

Kopfball ins Glück: Ben Watson trifft zu Beginn der Nachspielzeit. picture alliance

Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings groß, dass Wigan dort in der kommenden Saison als Zweitligist antreten wird. Zwei Spieltage vor Schluss haben die Latics drei Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Die Konkurrenz kann am Sonntag vorlegen, ehe Wigan am Dienstag zu Arsenal muss. Der Siegestaumel könnte also bald Abstiegstränen weichen. Es wäre das erste Mal überhaupt, dass ein FA-Cup-Sieger am Saisonende absteigt. Tritt Wigan an den letzten beiden Spieltagen derart leidenschaftlich auf wie in Wembley, könnte es mit dem Klassenerhalt aber sogar noch klappen.

Für Klubboss Whelan schließt sich in Wembley der Kreis

Der Vater des Erfolgs, Coach Roberto Martinez, könnte Wigan bald so oder so den Rücken kehren. Der Spanier ist heißester Anwärter auf die Nachfolge des zu Manchester United abwandernden David Moyes beim FC Everton. Das war am Samstag aber kein Thema: "Jeder hat uns vor dem Spiel abgeschrieben, aber wir hatten einen Traum", freute sich Martinez nach Spielschluss: "Das Gefühl ist unbeschreiblich. Meine Spieler standen einigen Widrigkeiten gegenüber und haben mit einem Lächeln im Gesicht gespielt. Ich bin so stolz auf sie."

Roberto Martinez und Dave Whelan

Wegbereiter: Coach Roberto Martinez (l.) und Klubboss Dave Whelan. picture alliance

Für Klubpräsident Dave Whelan, der Wigan 1995 in der vierten Liga übernahm, schloss sich in Wembley der Kreis. Vor 53 Jahren hatte ein brutales Foul im Pokalfinale zwischen Whelans Blackburns Rovers und den Wolverhampton Wanderers die hoffnungsvolle Karriere des damals 23-Jährigen beendet. "Wenn ich in Wembley auf den Rasen schaue, weiß ich noch genau, wo ich mir das Bein gebrochen habe", hatte Whelan im Vorfeld des Finals gesagt. Vielleicht mischen sich nun ja auch einige Jubelbilder in die Erinnerungen.

Für Manchester City bleibt die Saison damit titellos. Ob Roberto Mancini über den Sommer hinaus auf der City-Bank sitzen wird? Am Vorabend des Pokalfinals hatten spanische Medien berichtet, dass Manuel Pellegrini, Trainer des FC Malaga, bereits als Mancini-Nachfolger feststehen soll.