Regionalliga

Zwischen Angst und Aufbruch

Lok Leipzig: Kampf ums Überleben

Zwischen Angst und Aufbruch

Fans von Lok Leipzig

Unterstützten ihren Verein bei einer Trikot-Aktion: Fans von Lok Leipzig. imago

Anfang der Woche belagerten aufgebrachte Lok-Anhänger die Geschäftsstelle, doch das tagende Präsidium verweigerte ein Gespräch. Danach forderte die Fan-Basis in einem offenen Brief den sofortigen Rücktritt des Vorstands. Das Vertrauen ist weg und die Angst wächst, dass der Verein die Saison nicht überlebt und Insol­venz anmelden muss. Ein fünfköpfiges "Schattenkabinett" ist zur Übernahme bereit, muss aber bis zu den Neuwahlen bei einer au­ßerordentlichen Mitgliederver­sammlung am 12. April warten.

Die Gruppe aus Wirtschafts­fachleuten um Ex-Schatzmeister Jens Kesseler befürchtet, dass das Finanzloch größer ist als die genannten 325.000 Euro. Man will für einen Stimmungswan­del sorgen. Angeblich stün­den bei einem Führungswechsel neue Sponsoren bereit, würden Gläubiger auf Forderungen ver­zichten. Doch größere Geldgeber konnte auch die Opposition noch nicht präsentieren.

Regionalliga Nordost - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
RB Leipzig
49
2
FSV Zwickau
31
3
Carl Zeiss Jena
31
1. FC Lok Leipzig - Vereinsdaten

Gründungsdatum

10.12.2003

Vereinsfarben

Blau-Gelb

Großartige Fan-Unterstützung

Die überwältigende Hilfsbe­reitschaft der Fans wird nicht reichen, Lok zu retten. Bisher brachten Anhänger rund 120.000 Euro auf, größtenteils durch eine Trikot-Aktion. 777 Namen sol­len in den nächsten beiden Jah­ren die Jerseys aller Lok-Teams zieren, 687 der Plätze wurden schon für je 150 Euro verkauft. Versuche, Kleinsponsoren zu Spenden von je 500 Euro zu be­wegen, brachten dagegen noch nicht den erhofften Erfolg. Und ob es gelingt, den Stadionnamen künftig für 150.000 Euro pro Jahr zu vermarkten, erscheint höchst zweifelhaft. Zuvor müsste das Erbpachtrecht erworben werden sowie der VfB-Insolvenzverwal­ter (Verfahren läuft seit 2004) und die Stadt zustimmen.

Zum Thema

Lok lebt von der Hand in den Mund. Werden nach dem dreimonatigen Gehaltsverzicht (50 Prozent) Mitte April die vol­len Bezüge fällig, könnte es eng werden. Wer immer den Verein dann führt, muss ihn neu aufstel­len. Der aktuelle 1,8-Millionen-Etat erwies sich als Luftschloss. Obwohl bekannt war, dass der scheidende Hauptsponsor Gold­gas vertragsgemäß 200.000 Euro weniger als zuvor überweist, wurde die Lücke nicht geschlos­sen. Andere Geldgeber erfüllten auch wegen der permanenten Grabenkämpfe im Klub ihre Ver­pflichtungen nicht oder sprangen ab. Die Zuschauerzahlen entwi­ckelten sich nicht wie erwartet, die "neutralen" Fußball-Freunde zieht es immer mehr zu RB Leip­zig.

Nun muss alles auf den Prüf­stand. Die Mitglieder sollen über die Prioritäten mitentscheiden. Lok wird sich wohl vom reinen Zuschuss-Geschäft Frauenfuß­ball trennen und den großen Nachwuchsbereich mit 300 Spie­lern eindampfen. Konsens be­steht, dass die Zukunft in der Re­gionalliga liegen soll und muss, notfalls mit deutlich reduziertem Budget und einer reinen Ama­teur-Mannschaft. Vorausgesetzt, die drohende Insolvenz wird ver­hindert und der Klassenerhalt ge­schafft.

Steffen Enigk