Champions League

Schlaflos in Dortmund

Schmelzer erfüllt sich einen Kindheitstraum

Schlaflos in Dortmund

Marcel Schmelzer

"Es ist ein wahnsinnig schöner Tag": Dortmunds Marcel Schmelzer. imago

Schmelzer ist eher ein ruhiger und bescheidener Geselle - ein "guter Junge" eben wie sein Trainer Jürgen Klopp sagt. Am Mittwochabend hatte er seine Sternstunde. Die jüngste Geschichte des Linksverteidigers begann mit harscher Kritik von Bundestrainer Joachim Löw, es folgte eine Knochenstauchung, die ihn im verlorenen Derby zum Zuschauer machte, und nun das glanzvolle Comeback gegen Real Madrid. In der 64. Minute entschied er die Partie mit seinem Schuss zum 2:1.

Und als der Zauber auf dem Rasen vorbei war, die meisten seiner Mitstreiter längst auf dem Heimweg waren, gab der ansonsten eher wortkarge Schmelzer noch immer bereitwillig Interviews und hatte vor lauter Glück noch glänzende Augen: "Es ist ein wahnsinnig schöner Tag. Ein Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen. Wenn man zu Hause Real Madrid schlägt und dann auch noch das Siegtor macht. Ich kann bestimmt heute Nacht nicht schlafen", berichtete der Nationalverteidiger.

Champions League - Vorrunde, 3. Spieltag
Champions League - Tabelle - Gruppe D
Pl. Verein Punkte
1
Borussia Dortmund
7
2
Real Madrid
6
3
Ajax Amsterdam
3
Spielersteckbrief S. Bender
S. Bender

Bender Sven

Spielersteckbrief M. Götze
M. Götze

Götze Mario

Spielersteckbrief Schmelzer
Schmelzer

Schmelzer Marcel

Spielersteckbrief Gündogan
Gündogan

Gündogan Ilkay

"Mit diesem Sieg haben wir den Kritikern gezeigt, dass wir auf europäischer Ebene nicht nur mithalten, sondern auch Mannschaften wie Real Madrid schlagen können. Das ist für uns heute schon eine kleine Genugtuung", ergänzte Schmelzer. Soll heißen: Die Schwarz-Gelben haben gegen das Starensemble des "weißen Balletts" endgültig ihre internationale Reifeprüfung abgelegt.

Was er gespielt hat, war von einem anderen Stern. Deutschland kann froh sein, dass es solch einen Linksverteidiger hat.

Jürgen Klopp

Trainer Jürgen Klopp nutzte die Gunst der Stunde und lobte seinen Spieler: "Was er gespielt hat, war von einem anderen Stern. Deutschland kann froh sein, dass es solch einen Linksverteidiger hat", sagte Klopp. Adressat der Ansage war Joachim Löw, der unter den Zuschauern weilte und seine Aussagen über Schmelzer längst bereut hat.

Aber es war nicht nur Schmelzer, der die Reifprüfung bestand, das gesamte Team, angeführt von einem bärenstarken Sebastian Kehl, überzeugte. "Alle haben gearbeitet wie Stiere. Sollte irgendwann jemand anfangen, am Charakter dieser Mannschaft zu zweifeln, würde er sofort meinen Respekt verlieren", ergänzte Klopp.

Die spanische Presse zeigte jedenfalls Respekt. "Diese Dortmunder repräsentieren ein großes Deutschland. Die Borussia kombiniert wie die Spanier und legt ein Tempo vor wie ihre Vorfahren", urteilte "El Mundo". "Deutschland bleibt für Real ein teuflisches Terrain", titelte die Sportzeitung "AS" und "Marca" schrieb von "deutscher Mystik", der sich der Meister und derzeitige Tabellenvierte der Primera Division erneut beugen musste. "Real scheiterte an der gelben Wand", kommentierte Sport.

Doch Klopp warnte trotz der sieben Punkte und Tabellenplatz eins nach drei Gruppenspielen: "Diese Gruppe war, ist und bleibt verdammt schwer."

Ohne Bender nach Freiburg?

Jetzt hoffen natürlich alle, den Schwung auch in die Bundesliga zu transportieren, denn dort herrscht mit zwölf Punkten nach acht Spieltagen Nachholbedarf. "Psychisch und physisch wird es jedoch nach einem solchen Spiel eine schwere Aufgabe am kommenden Samstag beim SC Freiburg", äußerte Klub-Chef Watzke nach einem Sieg für die "Vereinshistorie."

Dabei wird Klopp wohl auf Sven Bender verzichten müssen. "Bei Bender sieht es momentan so aus, dass es bis Samstag nicht reicht", sagte Klopp am Donnerstag. Bender hat genau wie Mario Götze Wadenprobleme. "Bei Mario könnte es reichen."

Dafür hat Ilkay Gündogan seine Probleme überstanden. Er hat am Vormittag ganz normal trainiert, so dass Klopp optimistisch ist, ihn nach einer Stauchung der Lendenwirbelsäule wieder in der Startformation bringen zu können.