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Rost: "Ich hatte mehr Biss als die meisten"

RasenBallsport Leipzig: Ex-Profi zieht Bilanz

Rost: "Ich hatte mehr Biss als die meisten"

Timo Rost (links)

Karriereende: Leipzigs Timo Rost (links) zieht nach 15 Jahren Profifußball Bilanz. imago

kicker: Warum beenden Sie Ihre aktive Laufbahn ein Jahr vor Vertragsende, Herr Rost?

Timo Rost: Weil ich seit drei Jahren Probleme mit der Achillessehne habe. Alles hat seine Zeit, und jetzt ist es an der Zeit, Jüngeren Platz zu machen.

kicker: Tut es weh, ausgemustert zu werden?

Rost: Prinzipiell ja, wenn ich 26 und topfit wäre. RB setzt auf junge Spieler, was vielleicht auch richtig ist und der Philosophie des Vereins entspricht. Ich habe für mich daraus die Konsequenz gezogen. Meine Karriereplanung geht dahin, künftig als Trainer im Profibereich zu bleiben.

kicker: Was bleibt nach 15 Jahren Profifußball hängen?

Rost: Unglaublich viele Erinnerungen. Natürlich die Aufstiege mit Nürnberg und Cottbus, vor allem auch all die Jahre, in denen wir mit Energie den Abstieg vermieden haben. Wir hatten nie die Mittel, um konkurrenzfähig zu sein. Und doch haben wir es immer wieder geschafft, die Großen zu ärgern. Dabei hätte ich nie gedacht, dass ich so lange in Cottbus bleibe.

kicker: Warum?

Rost: Ich wollte Energie eigentlich nur als Sprungbrett nutzen, ich als Wessi hatte ja auch die ganzen Vorurteile vom mausgrauen Osten. Aber es war überwältigend, wie herzlich meine Familie und ich vom ersten Tag an aufgenommen wurden. Und daran hat sich all die Jahre nichts geändert. Die Fans haben meine Spielweise honoriert und mir auch schlechte Spiele verziehen, weil sie gesehen haben, dass ich mich immer reingehängt habe. Ich hätte mir durchaus vorstellen können, die Karriere in Cottbus zu beenden.

kicker: Blicken Sie mit Wehmut auf den Abschied zurück?

Rost: Mit dem jetzt gewonnenen Abstand nicht mehr, denn jedes Ende ist auch ein neuer Anfang. Zumal ich bei RB Leipzig viele neue Erfahrungen sammeln konnte. Da konnte ich erleben, was in einem Verein mit wirtschaftlich gänzlich anderen Rahmenbedingungen möglich ist.

kicker: Sportlich ist Leipzig dennoch eine einzige Enttäuschung.

Rost: Stimmt, da sind sicherlich Fehler von allen Beteiligten gemacht worden. Aber ich denke, mit Rangnick haben wir den absolut richtigen Mann, um das Projekt aus der 4. Liga bis in die Bundesliga zu führen.

"Vier Jahre unter Geyer waren teilweise schlimmer als Alcatraz."

Timo Rost

kicker: Wer war Ihr bester Coach?

Rost: Ich habe von vielen Trainern vieles mitgenommen, aber Ede Geyer war ein Unikat. Vier Jahre unter ihm, das war körperlich sehr anstrengend und teilweise schlimmer als Alcatraz. Aber er hat uns allen wie kein Zweiter gezeigt, dass man aus sehr wenig sehr viel machen und sogar die Bayern schlagen kann.

kicker: Aus vergleichsweise wenig Talent viel gemacht - trifft das auch auf Ihre Karriere zu?

Rost: Das sollen andere beurteilen. Ich hatte vielleicht nicht so viel Talent wie andere, aber mehr Biss als die meisten. Ich bin immer wieder aufgestanden.

kicker: Ihr bitterster Moment?

Rost: Der Abstieg mit Cottbus 2009, weil der absolut vermeidbar war. Das hat mir als Kapitän den Boden unter den Füßen weggezogen, weil viele Spieler nur noch Eigeninteressen verfolgt und nicht mehr für den Verein gekämpft haben.

kicker: Sie sind Bundesliga-Rekordspieler von Energie Cottbus. Ein Rekord für die Ewigkeit?

Rost: Ich hoffe nicht und ich halte es auch für realistisch, dass Energie den Sprung wieder schaffen kann. Ulrich Lepsch und Christian Beeck haben die Qualität, um den Verein nach oben zu führen.

kicker: Wie geht es für Sie weiter?

Rost: Ich werde in drei Monaten beim IST-Studieninstitut mein Fußball-Managementstudium abschließen und anfangen, meine Trainerscheine zu machen. Demnächst gibt es ein Gespräch mit RB. Für mich wäre es sehr reizvoll, in Leipzig im Nachwuchsbereich zu lernen und im Verein tätig zu bleiben.

Interview: Oliver Hartmann