2. Bundesliga

Zebras unter Hochdruck

Duisburg: Chaos nach dem Fehlstart

Zebras unter Hochdruck

Wohin geht die Reise? MSV-Trainer Oliver Reck (re.) und die Spieler Dzemal Berberovic und Goran Sukalo stehen früh unter Druck.

Wohin geht die Reise? MSV-Trainer Oliver Reck (re.) und die Spieler Dzemal Berberovic und Goran Sukalo stehen früh unter Druck. imago

In diversen Internetforen werden Führungsspieler als "Söldner" beschimpft. Trainer Oliver Reck bekam einen mysteriösen Anruf eines Unbekannten, der ihm mitteilte, seinen Angehörigen sei "etwas passiert".

"Unser Trainer hat den Vorfall in der Kabine vor versammelter Mannschaft angesprochen. Ich habe für Kritik Verständnis und auch dafür, dass Anhänger nach einer Niederlage sauer sind. Aber das alles muss im Rahmen bleiben", sagt Neuzugang Sören Brandy.

Die MSV-Klubführung hat mittlerweile Anzeige gegen unbekannt erstattet. Nicht nur der Drohanruf sorgte für Entsetzen, auch die Tatsache, dass an den Fahrzeugen des Trainerduos Oliver Reck und Uwe Schubert Sachbeschädigungen vorgenommen wurden, geht weit über das Normalmaß hinaus. "So etwas ist nicht okay. Bei uns war nach dem ersten Spiel schon Theater. Was hier passiert, ist genau das Gegenteil von dem, was wir brauchen", sagt MSV-Leitwolf Goran Sukalo.

Bei uns macht der Trainer die Aufstellung, sonst niemand.

Goran Sukalo

Der 30-Jährige selbst sieht sich nach dem schlechtesten Saisonstart, den die "Zebras" in den vergangenen elf Jahren hinlegten, auch mit anderen Vorwürfen konfrontiert. Laut Gerüchten soll er angeblich zusammen mit Kapitän Branimir Bajic entscheidend an der Aufstellung mitwirken. "Bei uns macht der Trainer die Aufstellung, sonst niemand. Bei gewissen Dingen, wie der Einteilung bei Standardsituationen, tauschen wir uns aus. Ansonsten bin ich Spieler und weiß, dass ich hier mit Leistung vorangehen muss", bezieht Sukalo deutlich Stellung. Der ehemalige Nationalspieler: "Wenn ich den Kopf runternehme, ist das ein falsches Signal. Die jungen Leute im Team gucken auf mich. Ich stelle mich."

Die Kritik an Coach Reck, die auch durch inzwischen revidierte Aussagen von Präsident Andreas Rüttgers ("Der Trainer hat keinen Freifahrtschein") Nahrung erhielt, kann Sukalo nicht nachvollziehen: "Wir spielen das gleiche System, gehen mit der gleichen Taktik in die Begegungen und werden vom Trainerstab auf alles hingewiesen. Es liegt an uns. Wir haben keinen Kader für die Spitzengruppe. Sobald wir nur 70, 80 Prozent abrufen, reicht es nicht." Beim Pokalspiel gegen Drittligist Halle geht es um viel. "Finanzen, Stimmung, Selbstvertrauen: Das steckt alles in dieser einen Partie. Wir können viel verändern und für Ruhe sorgen", so Sukalo. Über den umgekehrten Fall möchte er lieber nicht nachdenken.

Thomas Tartemann

Bundesliga - Sonderheft 2012/13