Spanien nach der Zitterpartie gegen Kroatien

Del Bosque: "Auch Deutschland war nahe dran, auszuscheiden"

Vicente del Bosque

"Nicht extrem optimistisch": Spaniens Nationalcoach Vicente del Bosque. Getty Images

"Wir müssen abwarten, ob wir in der Lage sind, ins Finale zu kommen. Im Fußball gibt es niemanden der unschlagbar ist", sagte del Bosque am Dienstag: "Aber wir wissen, dass wir die Chance haben, den Titel zu holen."

Die aufkommende Kritik nervt den Weltmeistercoach, der forderte, die Dinge mit mehr Augenmaß zu betrachten. Schließlich hätten auch andere Favoriten so ihre Probleme gehabt. Nach einer nächtlichen Video-Analyse sei er der Meinung, dass die Leistung gegen Kroatien insgesamt gut gewesen sei, meinte del Bosque, es habe nur die Durchschlagskraft gefehlt. Man dürfe nicht an der Mannschaft und am Spielstil zweifeln: "Die Leute verlieren schnell den Glauben, aber das Wichtigste ist, dass die Mannschaft an sich glaubt."

Iniesta: "Jetzt kommen nur noch Spiele um Leben oder Tod"

Und das tut sie offenbar. "Die Mannschaft ist gut drauf, ich bin mit allen bisherigen EM-Spielen zufrieden", sagte Andres Iniesta. Wer am Samstagabend (20.45 Uhr) in Donezk der Viertelfinalgegner werde, - Frankreich, England und die Ukraine kommen in Frage - sei zunächst einmal zweitrangig, sagte der Mittelfeldspieler vom FC Barcelona: "Wichtig ist, dass wir die Gruppenphase überstanden haben. Jetzt kommen nur noch Spiele um Leben oder Tod."

Dass die Spanier noch als Gruppensieger in die Runde der letzten Acht einzogen, hatten sie Jesus Navas zu verdanken. Der nur 1,70 m große Dribbler sorgte nach seiner Einwechslung für einigen Wirbel und erzielte kurz vor Schluss den schmeichelhaften 1:0-Siegtreffer. "Ich bin sehr glücklich über das Tor. Das war sehr wichtig", sagte der Mittelfeldspieler vom FC Sevilla, für den Turniere und Auswärtsfahrten früher eine Qual waren.

Navas litt an einer seltsamen Heimweh-Krankheit, floh manchmal sogar panisch aus dem Hotel. Beim FC Sevilla musste der Bus früher bei Auswärtsfahrten immer die Route fahren, die Navas bekannt war. Dank psychologischer Hilfe hat der 26-Jährige, der sich einzig und allein in seiner Heimatstadt Los Palacios im Süden Sevillas richtig wohl fühlt, das Problem inzwischen weitgehend im Griff.

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Auf einen seiner Teamkollegen aus Sevilla kommen indes schlaflose Nächte zu: Ivan Rakitic hatte in der 58. Minute nach Traum-Zuspiel von Luka Modric freistehend die Führung für die Kroaten verpasst, als er per Kopf an Spaniens Torhüter Iker Casillas scheiterte und damit zur tragischen Figur wurde. Eine Szene, die der frühere Schalker erfrischend offenherzig kommentierte: "Ich hätte am liebsten Casillas in den Arsch getreten, mich selbst geohrfeigt, das Trikot ausgezogen und mit meinem Vater Kopfball trainiert."