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Hodgson lässt Ferdinand erneut links liegen

England: Berater spricht von einer "Schande"

Hodgson lässt Ferdinand erneut links liegen

Rio Ferdinand

Böser Blick: Rio Ferdinand (hier bei einem Wohltätigkeitsspiel in Bangkok am 23. Mai). Getty Images

Cahill hatte sich beim 1:0-Erfolg gegen Belgien in Wembley am Samstag einen doppelten Kieferbruch zugezogen . Im Abwehrzentrum war der 26-Jährige neben seinem Vereinskollegen John Terry vom FC Chelsea gesetzt. Auch nach Cahills Ausfall sah Hodgson jedoch keine Notwendigkeit, den erfahrenen Ferdinand, der 81 Länderspiele für die "Three Lions" absolviert hat, ins Boot zu holen. Stattdessen berief er den unerfahrenen Martin Kelly. Einen 22-jährigen Rechtsverteidiger, der beim 1:0 in Norwegen unlängst erst als Einwechselspieler für England debütierte und bei seinem Klub FC Liverpool in der vergangenen Saison nur zwölfmal von Beginn an auflief. Eine Entscheidung, deren Sinn im Mutterland des Fußballs bezweifelt wird.

Ferdinand, der nach seiner ersten Ausbootung noch relativ ruhig geblieben war, platzte nun der Kragen: "Was für Gründe?????!!!" twitterte der 33-Jährige in Anlehnung an Hodgsons vorherige Aussage. Ferdinands Berater Jamie Moralee brachte die Enttäuschung über die Behandlung seines Schützlings zum Ausdruck: "Lampard, Terry, Barry, Gerrard wurden für das Turnier nominiert, obwohl sie zu den Älteren gehören. Warum ist das bei Rio anders? Einen Spieler, der Kapitän seines Landes war und 81 Länderspiele absolviert hat, so zu behandeln, ist nichts anderes als eine Schande", erklärte Moralee, der das Fehlen "jeglichen Respekts" seitens Hodgson und des englischen Verbandes FA anprangerte: "Ich kenne niemanden, der diese Entscheidung versteht."

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Spätestens nach der neuerlichen Nicht-Berücksichtigung Ferdinands dürfte endgültig klar sein, dass die Gründe für dessen Fehlen im englischen EM-Kader nicht in erster Linie sportlicher Natur sind. John Terry, Ferdinands potenzieller Partner in der Innenverteidigung der "Three Lions", steht am 9. Juli vor Gericht, weil er beschuldigt wird, Ferdinands Bruder Anton in der Premier-League-Partie zwischen Chelsea und den Queens Park Rangers vergangenen Oktober rassistisch beleidigt zu haben. Ein Konfliktpotenzial, das Hodgson ganz offensichtlich zu groß war.

Einen Spieler, der 81 Länderspiele absolviert hat, so zu behandeln, ist nichts anderes als eine Schande.

Jamie Moralee, Berater von Rio Ferdinand

Rio Ferdinand hatte in den vergangenen drei Jahren immer wieder mit Rücken- und Wadenverletzungen zu kämpfen, die letzten zwölf Partien absolvierte der Verteidiger, der in der Premier League diese Saison 30 Mal auflief, für Manchester United jedoch allesamt. Auch nach der Nicht-Berücksichtigung durch Hodgson hatte sich Ferdinand auf dem Trainingsgelände der Red Devils in Carrington fit gehalten.

Lescott hat die besten Chancen auf den Platz neben Terry

Nach Cahills Ausfall dürfte Manchester Citys Joleon Lescott die besten Chancen haben, in einer Woche beim Auftaktspiel gegen Frankreich in Donezk an der Seite von Terry zu verteidigen. Als weiterer Ersatz stehen Phil Jones (ManUnited) und Phil Jagielka (Everton) bereit. Micah Richards von Meister ManCity, der sowohl rechts als auch in der Mitte verteidigen kann, wäre ebenfalls für eine Nachnominierung in Frage gekommen. Allerdings hatte er sich geweigert, auf die Standby-Liste aufgenommen zu werden, weil er nicht von Hodgson persönlich über seine Nicht-Berücksichtigung informiert worden war.

Mit Frank Lampard (Chelsea) und Gareth Barry (Manchester City) hatten die "Three Lions", die ihr EM-Quartier im polnischen Krakau beziehen, bereits den Ausfall zweier potenzieller Stammspieler zu beklagen.

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