3. Liga

Warum der SVS kein zweites Hoffenheim ist

Sandhausen: Hopp plante 2005 Fusion mit Walldorf

Warum der SVS kein zweites Hoffenheim ist

Gerd Dais (l.) und Otmar Schork

So lacht der Aufsteiger: SVS-Trainer Gerd Dais (l.) und Geschäftsführer Otmar Schork. picture-alliance

Noch ist kein findiger Förster auf die Idee gekommen, sich sei­nen eigenen Ehrenplatz zu zim­mern. Per Hochsitz könnte er schon in wenigen Monaten die Spiele von Traditionsklubs wie dem 1. FC Kai­serslautern oder 1860 München live verfolgen. Wo? Im Hardtwald, am Ortsrand von Sandhausen, einer 14 500-Seelen-Gemeinde, wenige Kilometer südlich von Heidelberg.

Der 21. April 2012 ist ein historisches Datum. Zumindest in Sandhausen. Durch einen 2:1-Sieg bei Preußen Münster ist der SV Sandhausen erstmals in seiner bald 96-jährigen Vereinsgeschichte in die 2. Liga aufgestiegen. Ruckzuck war es vorbei mit der ländlichen Idylle. Hunderte Anhänger bereiteten der Mannschaft in der Nacht auf Sonntag trotz strömenden Regens einen begeisterten Empfang am Hardtwaldstadion. Seitdem schmückt ein von den Fans aufgehängtes Transparent den Stadioneingang und verrät, wer der Vater des Erfolgs ist: "Gerd Dais Stadion" steht in großen Lettern darauf - eine Hommage an den Trainer, den eine langjährige Vergangenheit mit dem Verein verbindet.

Von 1985 bis 1987 schnürte Dais für den SV Sandhausen die Schuhe, bevor er zu Waldhof Mannheim in die Bundesliga wechselte. Als Trainer blieb er länger. Im Jahr 2005 stieg der 48-Jährige als Übungsleiter ein und führte die Sandhäuser von der Oberliga über die Regionalliga bis in die 3. Liga. Im Februar 2010 musste er trotzdem gehen. Jürgen Machmeier, der seit über einem Jahrzehnt als Präsident viel Herzblut und als Sponsor viel Geld in den Verein gesteckt hat, entließ Dais - trotz nur weniger Punkte Rückstand auf Platz drei. Es war der Anfang einer rasanten Talfahrt, die darin endete, dass ein Jahr und zwei erfolglose Trainer später Gerd Dais als Retter in der Not zurückgeholt wurde, um den drohenden Abstieg zu verhindern. Seitdem geht es erneut steil bergauf. "Die Entwicklung ist toll", sagt Dais, "und der Aufstieg mein größter Erfolg als Trainer." Geschäftsführer Otmar Schork schwärmt: "Gerd hat die Mannschaft über 15 Monate gepusht und einen Team-Spirit geschaffen." Der Lohn: bundesweite Aufmerksamkeit. So wie schon einmal, im August 1995, als der SV Sandhausen den VfB Stuttgart - geschmückt mit Stars wie Thomas Berthold, Krassimir Balakov und Fredi Bobic - in der ersten DFB-Pokalrunde ausgeschaltet hat. In einem unvergessenen Elfmeterthriller! 15:14 hieß es am Ende - das ist bis heute Torrekord im DFB-Pokal.

Dass Sandhausen auch in der 2. Liga eine Torbestmarke aufstellt, ist eher unwahrscheinlich. Die Verantwortlichen planen mit einem Mini-Etat von vier Millionen Euro für den Lizenzspielerbereich. Sechs Neue sollen kommen, das ändert indes nichts an Dais’ Einschätzung: "Wir werden als Absteiger Nummer eins gehandelt." Das leuchtende Vorbild ist die SpVgg Greuther Fürth, verrät Otmar Schork. "Fürth hat wirtschaftlich nie überdreht", sagt der Geschäftsführer. Das ist auch sein Credo. Schulden machen ist tabu. Und so müssen die Sandhäuser erfindungsreich sein, um die Aus- und Umbaumaßnahmen am vereinseigenen (!) Hardtwaldstadion zu finanzieren. Die Kapazität erhöht sich zur neuen Saison von 10.300 auf 12.200 Plätze, zudem entstehen neun Logen, von denen sechs bereits verkauft sind. Um die Kosten von zwei Millionen Euro decken zu können, wurden die Logen gleich für die kommenden fünf Jahre verkauft, zum Stückpreis von 35.000 Euro pro Saison.

Nur 20 Kilometer weiter südöstlich sind solche Beträge Peanuts. 1899 Hoffenheim hat Sandhausen längst den Rang abgelaufen. 2005 dachte Mäzen Dietmar Hopp an eine Fusion mit den Klubs aus Sandhausen und Walldorf. Doch aus den Plänen wurde nichts. Machmeiers Befürchtung: Sandhausen wäre dann nur ein Farmteam geworden.

So setzte der Präsident seinen eigenen Weg fort. Der Erfolg der Wald-Meister gibt ihm recht. Und Schork sagt: "In unserer Region kann ein Zweitligist bestehen. Wir sind zu einem kleinen Leuchtturm geworden."

Julian Franzke