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Chaos in Genua: Randale, Tränen, Trainerwechsel

Italien: Ultras provozieren Unterbrechung - Retter De Canio?

Chaos in Genua: Randale, Tränen, Trainerwechsel

Luigi De Canio

Retter in der Not? Luigi De Canio übernimmt beim CFC Genua. Getty Images

Malesani wurde beim CFC zum zweiten Mal in dieser Saison beurlaubt, am 2. April hatte er Pasquale Marino abgelöst , der ihn im Dezember beerbt hatte. Sein Nachfolger ist Luigi De Canio, wie Genoa-Präsident Enrico Preziosi gegenüber dem Radiosender "Anch'io lo Sport" bestätigte: "De Canio ist neuer Genoa-Trainer, er wird heute Morgen erstmals das Training leiten." Dafür verließ der CFC-Tross nach den bedrohlichen Vorfällen vom Sonntag die Stadt. Der 54-Jährige, in der Saison 2003/04 schon einmal CFC-Coach (damals noch in der Serie B), soll die Ligurier in den ausstehenden fünf Spielen nun vor dem drohenden Abstieg retten. Nur ein Punkt beträgt der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Dort liegt momentan ausgerechnet US Lecce, bis Mai 2011 der letzte Arbeitgeber De Canios.

Die Mission Klassenerhalt beginnt für den neuen Coach allerdings nicht gerade mit einer einfachen Aufgabe: Am Mittwoch tritt Genoa im Nachholspiel beim AC Mailand an. Am Ende der vergangenen Saison hatte bereits Lokalrivale Sampdoria reichlich überraschend den bitteren Gang in die Serie B antreten müssen. Nach direktem Wiederaufstieg sieht es momentan nicht aus .

Serie A - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Juventus Juventus Turin
74
2
Milan AC Mailand
71
3
Lazio Lazio Rom
55
CFC Genua 1893 - Vereinsdaten
CFC Genua 1893

Gründungsdatum

07.09.1893

Vereinsfarben

Rot-Blau

"Diese Gewalt ist inakzeptabel": Ultras übernehmen im Marassi die Kontrolle

Ausschreitungen in Genua

Chaos in Genua: Chaoten provozierten beim Heimspiel gegen Siena eine lange Unterbrechung. picture alliance

Nach dem Chaos am Sonntag wird es sich De Canio mit der Vertragsunterschrift zweimal überlegt haben. Im Stadio Marassi hatten sich bedrohliche wie bizarre Szenen abgespielt. Beim Stand von 0:4 provozierten die Genueser Ultras eine Spielunterbrechung: Die Randalierer warfen Feuerwerkskörper und Rauchbomben auf den Platz, einige Ultras kletterten auf das Dach des Spielertunnels, um zu verhindern, dass die Profis in die Kabine flüchten konnten.

Kapitän Rossi sprach mit den Krawallmachern, die forderten, die Spieler sollen ihre Trikots ausziehen, weil sie "nicht würdig" seien, diese zu tragen. Tatsächlich zogen zehn Akteure, teilweise unter Tränen, ihre Hemden aus, und Rossi präsentierte der Kurve den Trikotstapel.

Einzig Giuseppe Sculli weigerte sich, sein Shirt abzugeben. Er ging zu den wütenden Anhängern und erklärte diesen, dass er alles für Genoa gebe und das Trikot deshalb nicht ausziehen werde. Eine Aktion, die die Randalierer offenbar zum Einlenken bewegte. Am Ende tröstete der Ultra-Anführer den zu Tränen aufgelösten Profi. Das Spiel wurde nach über 45-minütiger Unterbrechung von Schiedsrichter Tagliavento tatsächlich noch fortgesetzt. Allerdings vor halbleeren Rängen. Tausende von Zuschauern hatten das Stadion bereits verlassen.

Die Randale schlugen natürlich hohe Wellen. "Diese Gewalt ist inakzeptabel", sagte Verbandspräsident Giancarlo Abete: "Dies sind keine Fußballfans. Ich hoffe, diese Leute werden gefunden und verbannt. Sie sollten nie wieder in ein Stadion dürfen." CFC-Präsident Enrico Preziosi äußerte die Hoffnung, dass sein Klub zu einer Stadionsperre verurteilt werde. "So werden wir außerhalb Genuas ruhiger spielen können. Es ist beunruhigend, dass 60 bis 100 Leute die Kontrolle über das gesamte Stadion übernehmen und diesem ihren Willen aufdrängen können."

Es ist nicht das erste Mal, dass es im Stadio Luigi Ferraris zu schweren Ausschreitungen kam. Serbische Hooligans hatten an gleicher Stelle im Oktober 2010 einen Abbruch des EM-Qualifikationspiels Italien gegen Serbien herbeigeführt.