Int. Fußball

Blancs Renaissance ist noch nicht abgeschlossen

Frankreich: Störfeuer behindern Suche nach der Formation

Blancs Renaissance ist noch nicht abgeschlossen

Laurent Blanc

Unter ihm blieb Frankreich 2011 ungeschlagen: Laurent Blanc. Getty Images

Auch das Gastspiel in Bremen wird Blanc zum Experimentieren nutzen. Teilweise - wie im Sturm - auch gezwungenermaßen, denn mit Karim Benzema (Real Madrid) und Loic Remy (Olympique Marseille) fällt sein erster Sturm aus . So dürfte Olivier Giroud von Frankreichs Überraschungs-Tabellenführer Montpellier eine Chance erhalten und als Stoßstürmer auflaufen. Giroud ist die Entdeckung der Ligue 1, deren Torschützenliste er mit 16 Toren anführt. "Es wird interessant, wie er sich mit seiner Wucht gegen Deutschland in Szene setzen kann", sagt Blanc. Als Alternativen stehen der nach seinem Wechsel zu Tottenham Hotspur wiedererstarkte Louis Saha und PSG-Angreifer Kevin Gameiro bereit.

Vor seinem Länderspieldebüt steht Morgan Amalfitano von Olympique Marseille, der auf der rechten Seite das Pendant zu Franck Ribery bilden dürfte. Dazwischen könnte Marvin Martin (FC Sochaux, neun Länderspiele) die zentrale Figur sein, auch weil 30-Millionen-Mann Samir Nasri (Manchester City) im Nationalteam nur selten seine Normalform abruft.

Europameisterschaft - Vorrunde, 1. Spieltag
Spielersteckbrief Ribery

Ribery Franck

Spielersteckbrief M'Vila

M'Vila Yann

Spielersteckbrief Giroud

Giroud Olivier

Spielersteckbrief Martin

Martin Marvin

Spielersteckbrief M. Amalfitano

Amalfitano Morgan

Spielersteckbrief Ribery

Ribery Franck

Spielersteckbrief M'Vila

M'Vila Yann

Spielersteckbrief Giroud

Giroud Olivier

Spielersteckbrief Martin

Martin Marvin

Spielersteckbrief M. Amalfitano

Amalfitano Morgan

Im defensiven Mittelfeld heißt der große Hoffnungsträger Yann M'Vila (Stade Rennes). "Für einen Spieler seines Alters hat er eine seltene Qualität. Er denkt immer einen Schritt voraus", lobt Ex-Weltmeister Didier Deschamps den 21-Jährigen, der nicht nur der Jüngste, sondern wohl auch der Talentierteste im Kader ist. Bei seinem ersten Länderspiel als Nationaltrainer im August 2010 gegen Norwegen berief Blanc M'Vila erstmals, inzwischen ist er aus dem Mittelfeld nicht mehr wegzudenken.

Yann M'Vila

Hochgelobt: Yann M'Vila ist aus der "Equipe tricolore" schon nicht mehr wegzudenken. imago

Auf jeden Fall treu bleiben wird Blanc in Bremen seinem 4-2-3-1-System, das auch vom Gegner angewandt wird. Überhaupt blicken die Franzosen derzeit ein bisschen neidisch auf die Entwicklung, die das DFB-Team genommen hat. "Früher haben die Deutschen speziell wegen der Ausbildung nach Frankreich geschaut", sagte Blanc unlängst: "Sie haben nach 2000 daraus ihre Lehren gezogen, und heute beneiden wir die Deutschen um ihre jungen, hervorragend ausgebildeten und perfekt im Kollektiv funktionierenden Spieler." So kommt es, dass der Weltmeister von 1998 am Mittwoch klarer Außenseiter ist.

Nach dem Desaster bei der WM 2010 haben sich die Franzosen, die in Bremen erstmals in ihren neuen weißen Auswärtstrikots antreten werden, unter Blanc wieder stabilisiert. Doch so richtig weiß man irgendwie nicht, wo dieses Team wirklich steht, das den Gang in die Play-offs in der EM-Qualifikation erst im letzten Heimspiel gegen Bosnien-Herzegowina verhinderte. Abgeschlossen ist der Umbruch sicher noch nicht. Die Schatten der goldenen Generation, der Weltmeister von 1998, Europameister von 2000 und WM-Finalisten von 2006, sind lang.

Jeder erwartet, dass wir verlieren, somit ist es eine Extramotivation für uns. Um sich zu verbessern, muss man sich mit den Besten messen.

Laurent Blanc vor dem Duell mit Deutschland

Dennoch: Trotz der nur mäßig beeindruckenden Qualifikation sind die Ambitionen der Grande Nation wieder gewachsen. "Südafrika muss endlich vergessen sein", fordert Verbandschef Noel Le Graet: "Es ist an der Zeit, Titel zu gewinnen." Den letzten fuhr Frankreich bei der EM 2000 ein. Auch Ribery, der die französische Anhängerschaft wegen der Vorfälle in Südafrika weiterhin spaltet, glaubt: "Ich habe das Gefühl, dass wir ein Riesending schaffen können." Bei der EURO warten mit England, Schweden und Co-Gastgeber Ukrainer allerdings schwere Gruppengegner.

Vertragsfrage schwelt weiter - und nun funkt auch noch Platini dazwischen

zum Thema

Und ohne Nebengeräusche geht es in Frankreich weiterhin nicht. Die offene Situation um Blancs Vertrag, der nach der EM ausläuft, droht die Vorbereitung zu beeinträchtigen, auch wenn Blanc und Le Graet sich nach dem Ärger über die Wahl des EM-Quartiers und seine Werbeverträge ein öffentliches Stillhalteabkommen verordnet haben. Zu allem Überfluss brach am Wochenende nun auch noch eine öffentliche Kontroverse zwischen Blanc und Frankreichs Idol Michel Platini aus, der das französische Team in einem Interview mit Ausnahme von "zwei, drei Spielern" nur als "so lala" bezeichnete. Blanc fand das "ein bisschen radikal". Auf der Suche nach der Feinabstimmung kann er derartige Baustellen jedenfalls nicht gebrauchen.

Hugo Lloris als neuer Kapitän

Der französische Nationaltorwart Hugo Lloris wird seine Mannschaft bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine als Kapitän anführen. Dies gab Nationaltrainer Laurent Blanc am Dienstag bei der Pressekonferenz der Franzosen im Vorfeld des Länderspiels gegen die DFB-Auswahl bekannt. "Hugo scheint mir derzeit die beste Lösung für dieses Amt zu sein. Er hat die Kontrolle und die Klarheit, die man für diese Rolle mitbringen muss", sagte Blanc.

Die Vertreter des Keepers von Olympique Lyon, der das Kapitänsamt nach der Pleite bei der WM 2010 übernommen hatte, sind Milan-Verteidiger Philippe Mexes und Eric Abidal vom Champions-League-Sieger FC Barcelona.