Augsburg: Rotation sorgt für Kritik

Luhukay gereizt: "Stammspieler gibt es nicht"

Jos Luhukay

"Was ist das denn für eine Frage?" Augsburgs Trainer Jos Luhukay reagierte auf Rückfragen zur Rotation wenig erfreut. imago

Wo sind sie nur alle hin? Lorenzo Davids dürfte sich diese Frage beim Blick auf die Mannschaftsaufstellung gestellt haben. Der Niederländer war der einzige Akteur, der sowohl beim 1:1 gegen Bremen in der Liga als auch in Leipzig auf dem Feld stand. Zehn neue Akteure setzte Luhukay ein. Ein Fall von Wettbewerbsverzerrung? Der Begriff stieß dem Augsburger Übungsleiter mächtig übel auf. "Was ist das denn für eine Frage", raunzte der Niederländer: "Ich habe doch eine Mannschaft aufs Feld geschickt, die eine Runde weitergekommen ist. Das hat jeder gesehen", erklärte er erbost.

Einerseits natürlich richtig, aber eine gute Portion Glück war auch dabei. Augsburg hätte sich bei einem Pokal-Aus und der damit verbundenen Blamage nicht beschweren dürfen, der Viertligist aus Sachsen war alles andere als chancenlos. Luhukay fühlte sich dennoch bestätigt: "Stammspieler gibt es nicht. Wir haben nicht nur elf Spieler. Bei uns kann jeder aus dem Kader auflaufen." Eine gewisse Erleichterung war dennoch spürbar, Luhukay war sich des Risikos natürlich bewusst. "Ich bin froh, dass dieses Kollektiv gewonnen hat. Wenn wir verloren hätten, wäre die Reaktion heftig ausgefallen."

Es ist ja nicht so, dass wir hier mit irgendwelchen Bratwürsten spielen.

Manager Andreas Rettig

Rückendeckung erhielt er zuvor von weiter oben, die Maßnahme war vorher mit Rettig abgestimmt. "Ich weiß, dass ich einen Manager habe, der hinter mir steht und ich deshalb solche Entscheidungen treffen kann." Rettig verteidigte die Rundum-Rotation ebenso. "Es ist ja nicht so, dass wir hier mit irgendwelchen Bratwürsten spielen", so der FCA-Manager.

Ein wenig angefressen war also die Stimmung, aber letztlich waren natürlich alle dankbar. Die Stammspieler (Möhrle, Baier und Mölders saßen nicht mal auf der Bank) für die Verschnaufpause, die Ersatzspieler für die Bewährungschance und die Führungsriege für den Sieg und die damit verbundenen Mehreinnahmen im Pokal.

zum Spielbericht

Größter Gewinner war übrigens Daniel Brinkmann, der den Siegtreffer nach feinem Pass von Tobias Werner erzielte. "Es war ein schweres Stück Arbeit", so der Siegtorschütze. "Leipzig hat es gut gemacht. Sie waren heute sehr stark. Ein Dreiklassenunterschied war nicht zu erkennen." Selbst er hatte nicht mit so vielen Umstellungen gerechnet: "Ich war ja selbst etwas überrascht über die vielen Wechsel in der Mannschaft. Doch bei uns muss jeder den anderen ersetzen können. Und mal ehrlich, Leipzig ist eine richtig gute Truppe mit erfahrenen Erst- und Zweitligaspielern, da fährt man nicht einfach hin und kassiert die Punkte."