Frankfurt: Interview mit Sportdirektor Bruno Hübner - Einig mit Nikolov

"Wir verkaufen uns unter Wert"

Bruno Hübner

"Durch richtig guten Fußball die anderen Baustellen ausblenden": Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner. Getty Images

kicker: Herr Hübner, als Sie Ende Mai Sportdirektor wurden, war die Eintracht gerade abgestiegen. Jetzt schwimmt sie auf einer Erfolgswelle. Wie viele Schulterklopfer müssen Sie täglich abwehren?

Bruno Hübner: Ich bin zu lange im Geschäft, als dass ich es nicht richtig einschätzen könnte. Aber die Erleichterung, dass es so gut läuft, ist sehr groß. Es war so nicht zu erwarten, wenn man den etwas holprigen Start miterlebt hat, der allerdings nach dem Umbruch logisch war.

Spielersteckbrief Nikolov

Nikolov Oka

Spielersteckbrief Schwegler

Schwegler Pirmin

Eintracht Frankfurt - Vereinsdaten

Gründungsdatum

08.03.1899

Vereinsfarben

Rot-Schwarz-Weiß

kicker: Die Eintracht strahlt mehr und mehr Dominanz aus.

Hübner: Es freut mich besonders, dass es Trainer Armin Veh und der Mannschaft so schnell gelungen ist, richtig guten Fußball zu spielen. Dadurch können wir die ganzen anderen Baustellen erst einmal ausblenden. Man spürt überall im Umfeld die Aufbruchstimmung.

kicker: Spielen Sie auf die Kritik der Vereinsführung an, in der Fußball AG spielten zu wenige Talente aus der Region?

Hübner: Wenn wir innerhalb der eigenen Reihen so eine unnötige Baustelle aufmachen, ärgert das einen. Die Anregungen des Präsidenten sind nachvollziehbar, aber es war der falsche Zeitpunkt. Falls es Differenzen zwischen e. V. und AG gibt, müssen diese intern gelöst werden, wir müssen dasselbe Ziel verfolgen.

kicker: Am Sonntag kommt mit dem MSV der Verein, bei dem sie bis Mai als Sportdirektor tätig waren. Was ist in Frankfurt anders als in Duisburg?

Hübner: Die Arbeit an sich ist in vielen Bereichen identisch, aber der Level bei der Eintracht ist viel höher. Die Kostenstruktur ist anders, die Erwartungshaltung und der Druck sind höher.

kicker: In Frankfurt haben Sie weitgehend auf fertige Spieler gesetzt, warum wird niemand entdeckt?

Hübner: Es waren nicht so viele Talente, die unseren Ansprüchen entsprachen, zu diesem Zeitpunkt auf dem Markt. Mit Bell und Anderson haben wir zwei dazubekommen.

kicker: Fehlt der Mut, jemanden aus der obersten Amateurliga zu holen?

Hübner: Wenn man so jemanden holt, muss man ihn länger beobachten. Das war auch wegen der Kürze der Zeit nicht möglich. Außerdem wollen wir das Scouting in diese Richtung verändern.

kicker: Inwiefern?

Hübner: Wir werden künftig in der 3. und 4. Liga stärker sichten. Potenzielle Kandidaten müssen über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Solche Prozesse werden nun angestoßen.

kicker: An welchen Strukturen feilen Sie noch?

Hübner: Wir müssen unsere Außendarstellung verbessern, wir verkaufen uns hier unter Wert. Wir müssen noch näher an die Mannschaft rücken und die Teambetreuung optimieren. Das bedeutet nicht, dass dort schlecht gearbeitet wird, aber Armin Veh und ich sehen Verbesserungsmöglichkeiten.

Wir sind einig über einen neuen Einjahresvertrag.

Bruno Hübner über die Vertragsgespräche mit Torwart Oka Nikolov

kicker: Wie weit ist die Verlängerung mit Oka Nikolov, der schon 37 ist?

Hübner: Wir sind einig über einen neuen Einjahresvertrag.

kicker: Wie laufen die Verhandlungen mit Pirmin Schwegler?

Hübner: Wir haben ihm frühzeitig ein Angebot für die 1. Liga gemacht und ihm damit dokumentiert, wie wichtig er für uns ist. Wir bauen keinen Zeitdruck auf.

Interview: Michael Ebert