2. Bundesliga

Pannewitz setzt seine Karriere aufs Spiel

Täglicher Kampf mit dem Gewicht und nächtliche Eskapaden

Pannewitz setzt seine Karriere aufs Spiel

Kevin Pannewitz

Eskapaden und Übergewicht: Kevin Pannewitz steht in Rostock am Scheideweg. imago

Dieser tagtägliche Kampf mit dem eigenen Gewicht sagt viel darüber aus, wie der erst 19 Jahre alte Pannewitz mit seinem Beruf und seiner Karriere umgeht. Ständig lässt er es darauf ankommen, Grenzen zu überschreiten. Ständig schürt er damit den Verdacht, dass da ein fraglos begabter Fußballer viel zu wenig aus seinen Möglichkeiten macht. Schon zum Trainingsstart erschien er allen Versprechungen zum Trotz übergewichtig, doch Nudeln sind nicht die einzigen Verlockungen, denen er regelmäßig erliegt. Wiederholt fiel Pannewitz in der Vergangenheit durch Alkoholeskapaden auf. Dass er deshalb seinen Führerschein verlor, wurde just zu einem Zeitpunkt publik, als sich Werder Bremen für ihn interessierte. Trainer Thomas Schaaf sagte ihm eine Woche später im persönlichen Gespräch ab.

Bei Hansa wurde er vor neun Monaten zeitweise suspendiert, als er angetrunken und verspätet zum Training erschien. Die Begnadigung verband Trainer Peter Vollmann mit einer letzten Warnung. Ende Juli wurde Pannewitz abermals während einer Zechtour ertappt, entging jedoch dem Rauswurf vor allem deshalb, weil vier Teamkollegen gleichfalls an dem nächtlichen Ausflug beteiligt waren. Und weil Hansa dem mit einem Vertrag bis 2013 ausgestatteten Mittelfeldspieler mitten in der Transferzeit nicht die Gelegenheit geben wollte, noch schnell und billig zur Konkurrenz wechseln zu können.

Trainersteckbrief Vollmann

Vollmann Peter

Spielersteckbrief Pannewitz

Pannewitz Kevin

Hansa Rostock - Vereinsdaten

Gründungsdatum

28.12.1965

Vereinsfarben

Weiß-Blau

zum Thema

Doch hat Pannewitz, der mit 16 von TeBe Berlin zu Hansa wechselte, wirklich noch eine Zukunft in Rostock? Der gebürtige Berliner darf sich derzeit öffentlich nicht äußern – auf Geheiß der Hansa-Bosse, die ihrerseits mit ihrer Geduld am Ende scheinen. "Er kann Fußball spielen, aber neben dem Platz muss er noch sehr viel üben. Da hat er oft genug die Leute enttäuscht", sagt Vollmann. "Er hat ne Menge Vertrauen verspielt", pflichtet Stefan Beinlich bei. Und der Rostocker Manager kommt zu dem Urteil: "Er steht am Scheideweg. Entweder er biegt jetzt nach rechts Richtung Fußballprofi oder nach links." Nämlich auf jenen Weg, den ein Paul Gascoigne oder ein Andreas Sassen einschlugen. Zwei, die weitaus mehr aus ihrem Fußballerleben hätten machen können, wenn sie wie Profis gelebt hätten.

Er steht am Scheideweg.

Hansa-Manager Stefan Beinlich

Der Mannschaft gehen die Eskapaden von Pannewitz zunehmend auf den Geist. "Wir haben ihn oft genug an die Hand genommen und versucht, ihm zu helfen. Es hat keinen Zweck", urteilt Sebastian Pelzer. Der Kapitän nennt es "eine Schande, wie man so sein Talent wegwerfen kann". Denn fußballerisch besitzt Pannewitz Eigenschaften, die ihn zu Höherem befähigen: Er ist technisch begabt, verfügt über ein sicheres Passspiel und einen strammen Schuss, weiß seinen Körper einzusetzen und ist kopfballstark. Als er vor 20 Monaten sein Zweitliga-Debüt gab, lud ihn kurz darauf Horst Hrubesch zum Lehrgang der deutschen U19 ein. Zum Einsatz aber kam er nie. Auch hat er sich in den vergangenen Monaten sportlich nicht nennenswert weiterentwickelt und nach wie vor bedenkliche Schnelligkeitsdefizite.

Für Vollmann aber ist Pannewitz angesichts der Personalnot trotz aller Eskapaden (noch) unverzichtbar. Auch gegen Aachen, als der im defensiven Mittelfeld beheimatete Pannewitz eine solide Partie als Innenverteidiger ablieferte. Und damit Beinlichs Einschätzung bestätigt: "Kevin ist ein lieber, netter Mensch, der auf dem Platz die Dinge geregelt bekommt, jetzt auch die Dinge außerhalb des Platzes regeln muss." Sonst droht der jungen Karriere ein viel zu schnelles Ende.

Oliver Hartmann