Spanien: Nach Tätlichkeit im Supercup gegen Barça

Piqué: "Mourinho ruiniert den spanischen Fußball"

Tumulte zwischen Barça und Real

Der Anfang vom Rudel - und Mourinho mittendrin: Barça und Real lieferten sich mal wieder mehr als ein ein Fußballspiel. picture alliance

Mit 3:2 (2:1) gewann der FC Barcelona das Rückspiel und damit den Supercup, kurz vor Schluss markierte, na klar, Lionel Messi das entscheidende Tor. Doch der große Knall sollte - Traumtore hin, Tempo her - noch folgen: Nach einer üblen Grätsche von Marcelo an der Seitenlinie gegen Barça-Neuzugang Cesc Fabregas hielt es keinen Verantwortlichen mehr auf den Sitzen. Rudelbildung, Tumulte und drei Rote Karten (für Übeltäter Marcelo, Özil und David Villa) waren die Folge.

Ich weiß nicht, wer Vilanova ist.

José Mourinho nach seiner Augen-Attacke gegen Barça-Assistenzcoach Tito Vilanova
Trainersteckbrief Mourinho

Mourinho José

Spielersteckbrief Piqué

Piqué Gerard

Spielersteckbrief Özil

Özil Mesut

Was jedoch bisher ungeahndet blieb: Real-Coach Mourinho schlich sich mitten im Handgemenge förmlich von hinten an Barça-Assistenzcoach Tito Vilanova heran und drückte ihm beim Versuch, ihn am Ohr zu ziehen, seinen Finger ins Auge. Als wäre nichts gewesen, drehte sich der Portugiese um, ließ sich von Vilanova schubsen, grinste und sagte hinterher: "Ich war sehr höflich, habe mich wie ein Mann verhalten und bin nicht zu Boden gegangen." Und: "Ich weiß nicht, wer Vilanova ist."

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Schon bei der Clasico-Batterie der Vorsaison hatte Mourinho die Stimmung mit Ausrastern auf und neben dem Rasen angeheizt und war daraufhin von der UEFA gesperrt worden . Mancher im Barça-Dress sieht das Fass längst überlaufen: "Mourinho ruiniert den spanischen Fußball", polterte Verteidiger Gerard Piqué nach dem Supercup-Rückspiel und dem Massenauflauf hinterher: "Die Leute suchen nach Schuldigen, aber die sind alle in Madrid. Jemand muss sich das Video besorgen, es analysieren und sagen, wer schuldig ist."

Während Mourinho den Katalanen einmal mehr Fallsucht unterstellte, beschwerten sich die über übertriebene Aggressivität bei den Real-Kickern. "Das passiert nicht zum ersten Mal", fuhr Piqué fort, "es sind immer die gleichen Leute. Jemand muss das klären."

Wenn das nicht bald gestoppt wird, wird es böse enden.

Barcelona-Trainer Pep Guardiola

Özil gehört zu diesen Personen grundsätzlich nicht, mit Härte, verbalen Aussetzern und Ausrastern fiel der deutsche Nationalspieler in seiner Karriere noch nicht auf. Nach Schlusspfiff im Camp Nou jedoch schäumte er, obwohl bereits ausgewechselt, mit hochrotem Kopf an der Seitenlinie, offenbar galten seine Worte Villa - in den Video-Aufzeichnungen lässt sich ein Schlag gegen Özils Kopf erahnen.

Mourinho legte derweil nach: "Marcelo sieht Rot, weil wir alle wissen, was nach Tacklings in bestimmten Bereichen auf dem Platz passiert." Das Match sei zwar von der ersten bis zur letzten Minute spektakulär gewesen, "aber mit Beginn der zweiten Hälfte haben die Balljungen die Bälle versteckt". Was folgte, war pure Provokation: "Das passiert eben bei kleinen Mannschaften, wenn sie in Schwierigkeiten stecken."

Sein Pendant Pep Guardiola wollte nicht viele Worte verlieren, schon gar nicht über die Augen-Attacke. "Die Bilder sprechen für sich. Wenn das nicht bald gestoppt wird, wird es böse enden." Er hoffe, schloss derweil Piqué, dass am Donnerstag über ein großartiges Fußballspiel und nicht über das Handgemenge geredet werde. Als wäre es sein erster Clasico gewesen.