Schalke: Ausbootung "nicht nachvollziehbar"

Kluge und Schober: Die Reservisten rebellieren

Peer Kluge

Nicht mehr erste Wahl bei Schalkes Coach ralf Rangnick: Peer Kluge. imago

Der Fall Kluge: Schon im ersten ernsthaften Test gegen Russlands Erstligisten Anschi Machatschkala (3:1) zählte Kluge zur "B-Elf". Die vermeintliche Stammkraft gab sich da noch gelassen: "Wenn ich meine Leistung bringe, werde ich spielen." Inzwischen erkennt der Mittelfeldmann: Zum Saisonstart wird daraus nichts. Die Youngster Holtby und Joel Matip (19) haben ihm auf der Doppel-Sechs den Rang abgelaufen. Für Kluge "nicht nachvollziehbar". Denn: "Ich habe eine starke letzte Saison gespielt, war jetzt im Training und in den Tests in guter Verfassung. Ich sehe keinen Erklärungsansatz, wieso ich nicht spiele."

Auch Ralf Rangnick habe ihm keinen geliefert: "Es gab kein Gespräch mit dem Trainer." Womöglich werde er es suchen, "wenn sich auf Dauer nichts ändert". Als "irritierend" bezeichnet Kluge, dass sein Status "schon relativ früh in der Vorbereitung festgestanden" habe. "Ich habe um meine Chance gekämpft, aber es hat nichts genützt." Was den Verdacht nahelegt, dass Rangnick den Spielertypen Kluge nicht gerade favorisiert.

Trainersteckbrief Rangnick

Rangnick Ralf

Spielersteckbrief Schober

Schober Mathias

Spielersteckbrief Kluge

Kluge Peer

Sogenannte "Waffen" sind es im Jargon des Coaches, die er an seinen Profis besonders schätzt. Etwa Schnelligkeit, Kopfballstärke, Torgefahr oder spielerische Genialität. Mit solch hervorstechenden Eigenschaften kann der ballsichere, zweikampfstarke und taktisch disziplinierte Kluge nicht dienen. Seine Degradierung bedeutet, ob gewollt oder nicht, auch einen Eingriff in die unter Felix Magath (58) gewachsene Hierarchie: Da bildete Kluge mit Christoph Metzelder (30) und Raul (34) eine hoch angesehene Troika. Aktuell besitzt aus diesem Kreis nur noch der spanische Weltstar einen Stammplatz. Seinen Anspruch lässt sich Kluge indes nicht nehmen: "Ich gebe weiter Gas, dann wird es ausgehen wie immer: Am Ende spiele ich."

Der Fall Schober: Mit dem Oldie wurde schon bei seiner Vertragsverlängerung geklärt, dass er im Zweifelsfall auch die Rolle als dritter Keeper annimmt. Dass er nun im Kampf um die Nummer 2 hinter Lars Unnerstall (21) rangiert, ist objektiv also keine Riesen-Überraschung. Aber: "Ich bin subjektiv", sagt Schober. "Ich kam fit aus dem Urlaub, habe eine gute Vorbereitung absolviert. Ralf Fährmann ist verdient die Nummer 1, aber ich sehe nicht beide Konkurrenten vor mir. Auch wenn Lars ebenfalls einen Sprung gemacht hat."

Vor allem hätte sich Schober offenbar eine andere Kommunikation gewünscht: "Eine halbe Stunde vor der Abfahrt zu erfahren, dass ich ausgerechnet gegen Dortmund nicht im Kader bin, das war schon sehr enttäuschend."

Gegenüber dem kicker reagierte Rangnick am Mittwoch nonchalant: "Wir haben nach den bisher gezeigten Leistungen aufgestellt. Wir sind aber immer noch in der Vorbereitung. Jeder hat auch in den nächsten zehn Tagen die Chance, sich für die Startformation in Stuttgart zu empfehlen." Der Konkurrenzkampf dürfte nun sogar erst so richtig heiß werden.

Thiemo Müller