Bundesliga

Atmosphärische Störungen

München: Pleite bei Werben um Vidal

Atmosphärische Störungen

Jupp Heynckes und Arturo Vidal

Muss Umdenken: Bayern-Trainer Jupp Heynckes und Musterschüler Arturo Vidal gehen getrennte Wege. imago

Bis zuletzt hatte Bayern-Trainer Heynckes intensiv um seinen Lieblingsschüler gekämpft und sich sehr zuversichtlich gezeigt, ihn nach München lotsen zu können. Ein Telefonat mit Vidal in der Nacht zum Sonntag brachte dann aber die Ernüchterung: "Da hat er mir von seinem Angebot von Juventus Turin erzählt. Und auch von seiner großen Sorge, aufgrund des schriftlichen Beschlusses von Bayer 04 nicht nach München wechseln zu dürfen und noch ein Jahr in Leverkusen spielen zu müssen", sagte Heynckes auf SID-Nachfrage: "Insofern ist die Entscheidung für mich keine Überraschung."

Nicht ganz so gelassen nahm Präsident Uli Hoeneß am Donnerstag die Nachricht aus Chile auf. "Das Wohl und Wehe des FC Bayern hängt nicht von Arturo Vidal ab", sagte Hoeneß, trat dann aber doch nach und stellte den Charakter Vidals in Frage. "Man braucht schon ein großes Rückgrat, um ein Jahr bei Bayer Leverkusen zu spielen mit der Aussage: Ich gehe zum FC Bayern. Und dieses Rückgrat habe ich dem Spieler nicht zugetraut." Via "Bild"-Zeitung wurde Hoeneß noch deutlicher. "Da wurde ein Wort gebrochen, aber ich habe auf das Wort auch nicht viel gegeben."

Bayer 04 Leverkusen - Vereinsdaten
Bayer 04 Leverkusen

Gründungsdatum

01.07.1904

Vereinsfarben

Rot-Weiß-Schwarz

Bayern München - Vereinsdaten
Bayern München

Gründungsdatum

27.02.1900

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Eines ist klar: Der Spieler will zu uns. Wenn er nicht in diesem Jahr kommt, dann kommt er im nächsten.

Jupp Heynckes im kicker-Interview vom 18. Juli 2011

Mit Genugtuung wird man die Reaktionen in Leverkusen vernommen haben. Für die Bayern dürfte es neu gewesen sein, mit welcher Vehemenz einem Wechsel an die Isar ein Riegel vorgeschoben wurde. Dass auch Heynckes, zur Erinnerung bis vor wenigen Wochen noch beim Werksklub beschäftigt, bis vor wenigen Tagen um ein Engagement von Vidal kämpfte, wurde in Leverkusen mit Befremden vernommen. "Es ist erstaunlich, dass Jupp Heynckes offen um einen Spieler von uns wirbt, den wir nicht abgeben wollen", sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. "Da mögen sich andere Leute ein Bild von machen."

FCB-Sportdirektor Christian Nerlinger versuchte die Niederlage sportlich zu nehmen. "Unser Mittelfeld ist top besetzt und genügt höchsten Ansprüchen." An weitere Transfers ist demnach nicht gedacht. Im defensiven Mittelfeld gibt es laut Heynckes in Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, David Alaba, Luiz Gustavo und Anatoliy Tymoshchuk ohnehin genügend Alternativen. Für atmosphärische Störungen zwischen den beiden Vereinen hat das Gezerre aber allemal gesorgt.