EU-Kommission: Unvereinbar mit EU-Recht

Glücksspielstaatsvertrag: Rote Karte aus Brüssel

In Deutschland verboten, in Spanien Alltag: Real Madrid nimmt gerne die Sponsoren-Gelder von bwin, um Stars wie Cristiano Ronaldo zu finanzieren.

In Deutschland verboten, in Spanien Alltag: Real Madrid nimmt gerne die Sponsoren-Gelder von bwin, um Stars wie Cristiano Ronaldo zu finanzieren. picture alliance

Seit Jahren spielt die deutsche Politik auf Zeit, um das Monopol im Glücksspiel und bei Sportwetten zu behalten. Erst im April hatte die Ministerpräsidentenkonferenz einen Entwurf präsentiert und dafür umgehend scharfe Kritik geerntet. Vor allem die Initiative Profisport (IPD) als Interessen-Vertretung der vier großen deutschen Profi-Ligen (DFL, Basketball-Bundesliga, DEL und Handball-Bundesliga) meldete Zweifel an. "Der Vorschlag zur Behandlung von Sportwetten nutzt weder dem Breiten- noch dem Profisport", kritisierte Frank Bohmann, stellvertretender IPD-Sprecher. Vor allem die hohen Abgaben von 16,66 % des Wetteinsatzes an den Staat stieß auf Unverständnis.

Die EU-Kommission kommt nun zu dem Schluss, dass die Restriktionen des Länderentwurfs den privaten Anbietern keine faire Chance zur Wirtschaftlichkeit geben würden. Wollen die Bundesländer Klagen vermeiden, müssen sie den Entwurf überarbeiten. Dabei drängt die Zeit, denn eigentlich sollte eine kontrollierte Öffnung des Sportwettenmarkts zu Jahresbeginn umgesetzt werden.

Jörg Wacker, Direktor des Sportwettenanbieters bwin, sieht den Staatsvertrag bereits als "gescheitert" an. "Die Länder müssen nun einen Schlussstrich unter die jahrelangen rechtlichen Auseinandersetzungen ziehen und eine zukunftstaugliche, kohärente und marktkonforme Glücksspielregulierung entwickeln. Nur so kann der bestehende Schwarzmarkt in Deutschland beseitigt werden", glaubt Wacker.

Nach Expertenschätzungen entgingen dem deutschen Profi-Sport in der Vergangenheit mehrere Hundert Millionen Euro Sponsorengelder, weil private Wettanbieter nicht mehr auf Trikots und Banden werben durften. So prangt der Name des Anbieters bwin auf dem Trikot des spanischen Fußball-Rekordmeisters Real Madrid, während das Unternehmen in Deutschland keine Möglichkeit der Werbung hatte.