NBA-Finals: Spiel 6 beginnt um 2 Uhr MESZ

Ein Sieg bis zum Titel! Miamis Möchtegern-Komiker lassen Nowitzki vor Spiel 6 kalt

Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks)

Vorbereiten auf Spiel 6: Dirk Nowitzki und den Dallas Mavericks fehlt noch ein Sieg zum Titel. Getty Images

In den USA ist Nowitzki nach seinen furiosen Play-off-Leistungen in aller Munde. Kein Geringer als "Magic" Johnson nennt ihn einen "der größten Basketballer aller Zeiten", Charles Barkley hat "seit 30 Jahren niemanden in der NBA gesehen, der ein so einzigartiges Spiel hat". Nach zwölf Jahren und 1116 Pflichtspielen in der NBA muss Nowitzki niemandem mehr etwas beweisen. Auch ohne den Meisterschaftsring ist der 32-Jährige schon jetzt eine Legende und würde es auch bleiben, wenn die Mavericks Spiel 6 und 7 in Miami verlieren sollten. Dennoch: Den Makel des titellosen Topstars will der Würzburger tilgen - am besten schon am Sonntag, wenn die "Mavs" mit einem Sieg die erste Meisterschaft der Franchise-Geschichte unter Dach und Fach bringen können.

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Dann wäre auch endlich die Rechnung für 2006 beglichen, als Nowitzki & Co. mit ansehen mussten, wie die Heat in Dallas den Titelgewinn feierten. Auswärts traten die "Mavs" in den Play-offs bislang gut auf. Spiel 2 der Finalserie gewannen sie bereits. Zuvor gab es zwei Siege bei den Lakers und zwei in Oklahoma City. "Wir haben eine Gruppe von Veteranen, die auswärtserprobt sind. Hoffentlich kriegen wir ein großes Spiel zustande", meint Nowitzki, bei dem trotz der 3:2-Führung aber kein Übermut aufkommt: "Ich habe mir in den vergangenen zwei Play-off-Monaten nicht erlaubt zu relaxen, fröhlich zu sein oder mich zu früh zu freuen“, betonte Nowitzki beim Training in Miami am Samstag: "Bis jetzt haben wir erst drei Runden und drei Spiele gewonnen. Es fehlt also noch ein Sieg. Und wenn wir den wirklich holen, dann kann ich auch mal loslassen."

Wade und James als Möchtegern-Komiker

Die Konkurrenz versucht derweil, den Würzburger - wenn sie ihn schon auf dem Feld nicht stoppen kann - mit Psychospielen aus der Konzentration zu bringen. Miamis Stars Dwyane Wade und LeBron James machten sich vor laufenden TV-Kameras über Nowitzkis Grippe lustig. "Ein bisschen kindisch, respektlos", sei das gewesen meinte Nowitzki, der Spiel 4 mit 38,4 Grad Fieber absolviert hatte . "Ich spiele seit 13 Jahren in dieser Liga und ich hab noch nie eine Verletzung oder Krankheit vorgetäuscht." Dennoch habe ihn die Angelegenheit nicht weiter berührt: "Wir sind ein Spiel entfernt von meinem Traum. Alles, was außerhalb des Spielfeldes passiert, ist nebensächlich für mich und auch für die Mannschaft." Wade versuchte indes, seinen gekünstelten Husten als witzige Aktion abzutun: "Weil die Kameras da waren, haben LeBron und ich uns einen Spaß erlaubt, denn wir wussten, dass die Medien die Geschichte aufblasen werden - und genau das ist passiert."

LeBron James und Dwyane Wade

Superstars mit dem Rücken zur Wand: Dwyane Wade (r.) und LeBron James versuchten sich in Psychospielchen. Getty Images

Dabei hätte vor allem James allen Grund, sich auf sein Spiel zu konzentrieren, anstatt sich über den Star des Gegners lustig zu machen. Für sein Abtauchen in den entscheidenden Momenten der Finalserie (in den ersten fünf Spielen erzielte James im letzten Viertel insgesamt nur elf Punkte, Nowitzki kommt auf zehn im Schnitt!) muss der "King" trotz Triple-Double in Spiel 5 derzeit Hohn und Spott über sich ergehen lassen.

Das kennt Nowitzki nur zu gut. Jahrelang wurde ihm nachgesagt, er sei zu soft und versage, wenn es darauf ankäme. No-win-ski, No-ring-ski - Spitznamen, die dem Würzburger im Laufe seiner Karriere verpasst wurden. "Das ist Teil des Spiels, wenn du das Gesicht einer Franchise bist", meinte er am Samstag: "Wenn du gewinnst, ist es großartig für dich und jeder schaut auf dich. Und wenn du verlierst, wirst du niedergemacht. Ich bin mehr oder weniger die letzten 13 Jahre niedergemacht worden. Hoffentlich kann ich dem mal ein Jahr entkommen." Dafür hat Nowitzki zwei Versuche. Erstmals in den diesjährigen Play-offs stehen die Heat am Sonntag mit dem Rücken zur Wand. James: "In den Play-offs geht es vor allem um Druck und wie du damit umgehen kannst."

Die Basketball-Welt drückt Dallas die Daumen - vor allem in Cleveland

Wenn Dallas Miami tatsächlich den Titel wegschnappt, würde das in den USA sicherlich einigen Jubel auslösen. Der Beliebtheitsgrad der Heat bewegt sich außerhalb von South Florida irgendwo Richtung Gefrierpunkt, bzw. weit darunter. Mit Aktionen wie dem Veralbern Nowitzkis oder den provokanten Jubelarien von Wade und James während Spiel 2 direkt vor der Mavericks-Bank liefern die Heat der großen Schar ihrer Gegner aber auch immer wieder neue Angriffspunkte.

Besonders groß wäre die Freude über einen Mavericks-Triumph in Cleveland, wo der einstige Held James nach der unrühmlichen Bekanntgabe seines Wechsels zur absoluten Hassfigur mutiert ist. Eine Designfirma aus Cleveland hat für die Finals ein T-Shirt entworfen: "Cavs for Mavs" steht auf dem 24 Dollar teuren Hemd, auf dem beide Klublogos kombiniert werden. Die Nachfrage ist groß, derzeit kommt man mit der Produktion nicht nach. Nun liegt es an Nowitzki & Co., der gebeutelten Sportstadt Cleveland wieder einmal Grund zum Jubeln zu geben.

PERSONALIEN

Dallas Mavericks: Back-Up-Center Brendan Haywood, der wegen einer Hüftblessur in den vergangenen drei Spielen nur drei Minuten zum Einsatz kam, glaubt, dass er am Sonntag spielen kann. "Ich werde einen Versuch wagen und mein Bestes geben", sagte Haywood, der sich in Spiel 2 verletzt hatte. In seiner Abwesenheit erhielten Ian Mahinmi und Brian Cardinal mehr Einsatzzeit. Ein fitter Haywood könnte aber wesentlich besser zur Entlastung von Center Tyson Chandler beitragen.

Miami Heat: Die Hüftprellung, die sich Dwyane Wade im ersten Viertel von Spiel 5 bei einem Foul von Brian Cardinal zugezogen hatte, wird den Heat-Star in Spiel 6 nach eigener Aussage nicht beeinträchtigen. Der Guard nahm am Samstag zwar nicht am kompletten Training der Heat teil, erklärte sich für Sonntagabend jedoch fit. Wade hatte Teile von Spiel 5 verpasst, weil er in der Kabine behandelt wurde, war mit 23 Punkten am Ende aber dennoch Topscorer der Heat.

Dirk Nowitzki - Meilensteine einer Superkarriere