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FIFA ermittelt gegen Blatter - der ist entrüstet

DFB-Präsident Zwanziger stützt den FIFA-Boss

FIFA ermittelt gegen Blatter - der ist entrüstet

Sepp Blatter

"Die Fakten werden für sich sprechen": Sepp Blatter gibt sich entspannt. Getty Images

Blatter wies jegliche Beteiligung und politische Motivation an den Anschuldigungen gegen seinen Rivalen Bin Hammam mit Nachdruck von sich. "Es ist mir keine Freude zu sehen, dass Männer, die seit Jahrzehnten an meiner Seite stehen, ohne nachgewiesenes Fehlverhalten öffentlich hingerichtet werden. Sich jetzt anzumaßen, die derzeitige Tortur meines Kontrahenten würde mich mit einer Art perversen Genugtuung erfüllen oder dass das Ganze von mir in irgendeiner Art und Weise geplant ist, ist lächerlich und komplett verwerflich", schrieb der 75-Jährige in seiner Kolumne des Internet-Blogs "Inside World Football".

Nun aber steht Blatter selbst im Fokus von Untersuchungen. Hintergrund sind mögliche Bestechungszahlungen im Zusammenhang mit der doppelten Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022, von denen Blatter gewusst haben soll. Gegen Bin Hammam ermittelt das 13-köpfige Ethik-Komitee ebenfalls. Hier geht es auch um den Vorwurf der Bestechung, der Katarer soll auf illegale Art und Weise FIFA-Mitglieder um die Stimme bei der Präsidentschaftswahl "gebeten haben".

Blatters Herausforderer, Chef der asiatischen Konföderation und in Sachen Präsidentschaftswahl seit Anfang April in eigener Sache rund um den Globus unterwegs, wird vorgeworfen, dass es im Zuge der Präsidentschaftswahl bei einem Treffen der karibischen Fußball-Union am 10. und 11. Mai zu Bestechungsabsprachen gekommen sei. Dies berichtete ein US-amerikanisches Exko-Mitglied dem FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke, der daraufhin die Ethikkommission einschaltete.

Mohamed Bin Hammam

Die Beschuldigungen werden "in alle Winde zerstreut" werden: Blatter-Kontrahent Mohamed Bin Hammam. Getty Images

Angeblich sollen 40.000 Dollar (28.000 Euro) in bar geflossen sein, bei den Zahlungen soll auch die Vergabe der WM 2022 an Bin Hammams Heimatland Katar eine Rolle gespielt haben. Bin Hammam wiederum richtet den symbolischen Zeigefinger auf Blatter. Dieser habe sehr wohl von möglichen Zahlungen gewusst und dies so hingenommen.

Bin Hammam weist weiter alle Bestechungsvorwürfe von sich. "Wenn es irgendeine Gerechtigkeit in dieser Welt gibt, werden diese Beschuldigungen in alle Winde zerstreut. Dieser Schritt ist nicht mehr als Taktik von Leuten, die kein Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben, um erfolgreich die Präsidentschaftswahl zu bestehen." Am Samstag kann er diese Aussagen vor der Ethik-Kommission unterstreichen. Ein FIFA-Vize-Präsident, zwei karibische Vertreter und nun auch Blatter kommen dann auch zu Wort.

Zwanziger: "Können Blatters Stärken und Schwächen einschätzen"

In einem Gastbeitrag in der "Rhein-Zeitung" bekräftigte DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger noch einmal seine Unterstützung für Blatter: "Sepp Blatter kennen wir besonders gut. Wir können seine Stärken und Schwächen einschätzen. Weil stets nur die ganz großen Entscheidungen im Mittelpunkt stehen, wird häufig völlig übersehen, wie sehr sich die Fifa unter seiner Führung weiterentwickelt hat."

Ungewöhnlich kritische Worte formulierte der DFB-Chef dagegen für Herausforder Bin Hammam: "Mohamed Bin Hammam kommt aus Katar. Dem Nationalverband also, der durch die stark kritisierte Entscheidung der Fifa, die WM 2022 dort auszurichten, am meisten begünstigt wurde. Kann man gerade von ihm daher wirklich Aufklärung, neue Entscheidungsstrukturen und Transparenz erwarten? Ich bin, bei allem Respekt, dem wir auch diesem Kandidaten schulden, eher skeptisch."

Blatter habe, als sich die Korruptionsvorwürfe gegen zwei Exekutivmitglieder erhärteten, gehandelt und die betroffenen Personen suspendiert. In den aktuellen Fällen sei man noch im "Prozess des Verdachts". Zwanziger weiter: "Und ich warne ein wenig davor, jeden Verdacht sofort mit Wahrheit gleichzusetzen."