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Neue Vorwürfe - FIFA kommt nicht zur Ruhe

WM 2018/2022: Schmiergelder, Adelstitel, TV-Rechte?

Neue Vorwürfe - FIFA kommt nicht zur Ruhe

Lord David Triesman, rechts neben Prinz William und UEFA-Boss Platini, erhebt schwere Vorwürfe.

Lord David Triesman, rechts neben Prinz William und UEFA-Boss Platini, erhebt schwere Vorwürfe. imago

In einer Anhörung vor dem britischen Parlament beschuldigte Lord David Triesman vier hochrangige FIFA-Mitglieder der Korruption. Zudem soll es Beweise für Bestechungszahlungen geben. Der Fußball-Weltverband und mit ihm sein Präsident Josef Blatter stehen einmal mehr in den Schlagzeilen, möglicherweise sind sogar die WM-Vergaben 2018 und 2022 nicht mehr zu halten.

Schon im Vorfeld der WM-Vergabe im Doppelpack am 2. Dezember 2010 in Zürich hatte es Bestechungsvorwürfe gegen die FIFA-Exko-Mitglieder Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temarii (Tahiti) gegeben. Adamu wurde für drei, Temarii für ein Jahr gesperrt. Den beiden Offiziellen wurde vorgeworfen, ihre Stimmen für die WM-Vergabe feilgeboten haben. Nun also gibt es neue Vorwürfe.

Die Kritik der britischen Medien am Mittwoch an der FIFA war heftig, nachdem Lord David Triesman in einer Anhörung vor dem britischen Parlament vier hochrangige FIFA-Mitglieder der Manipulation beschuldigt hatte.

Zum Thema

Triesman war früher Präsident des englischen Verbandes FA, musste diesen aber sieben Monate vor der WM-Wahl wegen unbewiesener Anschuldigungen gegen die Mitbewerber Russland und Spanien/Portugal verlassen. Der Ex-Chef der gescheiterten englischen WM-Bewerbung für 2018 nannte in diesem Zusammenhang die Namen der FIFA-Exekutiv-Mitglieder Jack Warner (Präsident der Konföderation CONCACAF, Nord- und Mittelamerika und Karibik), Nicolas Leoz (Präsident der südamerikanischen Konföderation CONMEBOL), Ricardo Teixeira (Brasilien) und Worawi Makudi (Thailand). Dies berichtet die amerikanische Nachrichtenagentur AP.

Die unterlegenen WM-Bewerber England und Australien wollen über eine Klage nachdenken, die die WM-Vergabe erschüttern könnte, wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten.

Der englische Sportminister Hugh Robertson denkt nach Angaben der BBC sogar darüber nach, dass sich England von der FIFA abspalten könnte, wenn den Anschuldigungen nicht sorgfältig nachgegangen werde.

Ausbildungszentrum, Adelstitel, TV-Rechte?

Triesmann nannte bei seiner Anhörung im Parlament konkrete Beispiele. So habe einer der Beschuldigten den Bau eines Ausbildungszentrums in seiner Heimat gefordert. Dann hätte England im Rennen um die WM 2018 seine Stimme erhalten. Ein anderer soll angeblich einen Adelstitel verlangt haben und wollte in den Ritterstand erhoben werden. Auch lukrative Medienrechte sollen gefordert worden sein.

Teixeira und Warner bestreiten die Vorwürfe

Der Präsident des brasilianischen Fußballverbandes CBF Teixeira ging nach den gegen ihn erhobenen Vorwürfen am Mittwoch in die Offensive. Der Brasilianer kündigt eine Klage gegen Triesman an. Der 63-Jährige Teixeira bezeichnete die Vorwürfe als "absurd" und als kläglichen Versuch, das Scheitern Triesmans bei der Vergabe der Endrunden 2018 und 2022 zu vertuschen. Auch Warner wehrte sich gegen die Anschuldigungen. "Ich habe niemals von Triesman oder anderen Personen, von Engländern oder sonst wem, Geld für meine Stimme gefordert", sagte Warner der "BBC".

Collins: Beweise für Bestechungszahlungen

Das britische Parlamentsmitglied Damian Collins behauptet derweil, dass es Beweise für Bestechungszahlungen in Höhe von 1,5 Millionen Dollar (gut eine Million Euro) an den FIFA-Vize Issa Hayatou aus Kamerun und den Ivorer Jacques Anouma gebe. Collins beruft sich dabei auf einen bislang unveröffentlichten Bericht der "The Sunday Times".

Ich bin Präsident und habe ein eigenes Gewissen. Daher kann ich nur für mich und nicht für andere Exekutiv-Mitglieder sprechen.

FIFA-Präsident Josef Blatter


FIFA-Boss Blatter, der am 1. Juni beim Kongress in Zürich im Duell mit Herausforderer Bin Hammam wiedergewählt werden will, hatte erst am Montag im Gespräch mit dem Interpol-Generalsekretär Ronald Noble verkündet, dass der Weltverband 20 Millionen Euro für den Anti-Korruptionskampf spenden will.

Engel oder Teufel?

Blatter distanzierte sich derweil von den beschuldigten Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, dem er selbst angehört. "Ich bin Präsident und habe ein eigenes Gewissen. Daher kann ich nur für mich und nicht für andere Exekutiv-Mitglieder sprechen", sagte Blatter, der nach eigenen Angaben keinen Schimmer hat, ob in seinem Exekutivkomitee "Engel oder Teufel" sitzen. Blatter will alle ihm zur Verfügung stehenden Informationen an die FIFA-Ethikkommission weiterleiten.

FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke zeigte sich am Mittwoch sehr besorgt und schickte dem englischen FA-Boss David Bernstein sowie der "The Sunday Times" einen Brief. In dem Schreiben forderte Valcke die FA und die Reporter auf, der FIFA alle etwaigen Beweise für Bestechungen im Zuge der WM-Vergaben 2018 und 2022 zukommen zu lassen.

Russland hatte in Zürich bei der Vergabe der WM 2018 den Zuschlag erhalten. England musste dagegen eine desaströse Niederlage einstecken und war bereits im ersten Wahlgang mit nur zwei der insgesamt 22 Stimmen ausgeschieden. Die WM-Endrunde 2022 hatte die FIFA-Exekutive an Katar vergeben.