Nationalelf

Löw hakt Ballack ab

Kapitän bleibt in der EM-Qualifikation außen vor

Löw hakt Ballack ab

Bastian Schweinsteiger und Michael Ballack (re.)

Bilder der Vergangenheit: Michael Ballacks letztes Länderspiel im März 2010 gegen Argentinien, damals mit Bastian Schweinsteiger auf der Doppel-Sechs. imago

Grundsätzliche Personalentscheidungen pflegt Joachim Löw in der Regel nicht im großen Stil bekannt zu geben. Vielmehr raubt der Bundestrainer den Betroffenen scheibchenweise die Illusion, noch dazuzugehören. Torsten Frings hat diese schleichende Aussortierung in den Monaten nach der EURO 2008 zu spüren bekommen, Michael Ballack durchläuft diesen Prozess seit der WM in Südafrika.

Der 34-Jährige hatte zuletzt immerhin noch ein Fünkchen Hoffnung, in Löws Planungen für die EM 2012 in Polen und der Ukraine Berücksichtigung zu finden. Schließlich hatte ihm Löw kürzlich zu Recht aufsteigende Form attestiert nach der langen Verletzungspause: "Er macht einen guten Eindruck, strahlt Souveränität und Ruhe aus."

Trainersteckbrief Heynckes
Heynckes

Heynckes Jupp

Spielersteckbrief Ballack
Ballack

Ballack Michael

Bayer 04 Leverkusen - Vereinsdaten

Gründungsdatum

01.07.1904

Vereinsfarben

Rot-Weiß-Schwarz

Deutschland - Vereinsdaten

Gründungsdatum

28.01.1900

23 Pässe eingezogen - Ballacks nicht

Was aber nichts daran ändert, dass der Bundestrainer seinen Kapitän, wie er ihn noch immer nennt, intern längst abgehakt hat. Auch für die EM-Qualifikationsspiele am 3. Juni in Österreich sowie vier Tage später in Aserbaidschan spielt Ballack keine Rolle. Beleg: Weil für die Einreise nach Baku ein Visum notwendig ist, hat der DFB von den für eine Nominierung vorgesehenen Profis die Pässe eingezogen. Dies sind nach kicker-Informationen die 23 Profis, die im Aufgebot für die letzten Spiele gegen Kasachstan und Australien standen, sowie einige im März nicht berücksichtigte Akteure wie zum Beispiel der Leverkusener Simon Rolfes.

Fehlt Khedira, wer wird Schweinsteigers Partner?

Ballack wurde vom DFB nicht kontaktiert. Dabei muss Löw einkalkulieren, dass Sami Khedira und damit Bastian Schweinsteigers Nebenmann im defensiven Mittelfeld ausfällt. Der 24-Jährige, der vor zweieinhalb Wochen bei Real Madrids Pokalsieg gegen den Erzrivalen Barcelona einen Muskelbündelriss im Adduktorenbereich des rechten Oberschenkels erlitt, beurteilt seine Aussichten auf eine rechtzeitige Genesung jedenfalls sehr zurückhaltend. "Ich kann nicht abschätzen, ob ich noch ein Spiel bestreiten werde", so Khedira zum kicker: "In der Liga ist es ausgeschlossen, dass ich noch einmal spiele. Mit den Länderspielen habe ich aber noch nicht komplett abgeschlossen."

Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt habe ihm bei der Untersuchung in der vergangenen Woche einen "sehr guten Heilungsverlauf" bescheinigt. Allerdings beschränken sich die Bewegungsmöglichkeiten derzeit auf ein bisschen Fahrradfahren ohne Widerstand und leichte Übungen im Kraftraum. Schon in drei Wochen aber trifft sich die Nationalmannschaft in Frankfurt.

Löw: Stellungnahme am 12. Mai

Für Ballack bedeutet der Umstand, dass er trotz der Ungewissheit um Khedira unberücksichtigt bleibt, einen weiteren Nackenschlag. Und dass neben Dortmunds Sven Bender und Stuttgarts Christian Träsch sogar Klub-Kollege Rolfes vor ihm steht, belegt, dass nicht die sportliche Leistung für Löw ausschlaggebend ist.

Denn während Rolfes zuletzt arg schwächelte und deshalb sogar auf der Bayer-Ersatzbank landete, kommt Ballack immer besser in Tritt. Löw wollte dazu am Mittwoch keine Stellung nehmen. Er ließ über den DFB ausrichten, dass er sich erst wieder bei der Kader-Nominierung am 12. Mai über alle aktuellen Personalien und damit auch über die Planungen in Sachen Ballack äußern werde.

Oliver Hartmann