2. Bundesliga

Augsburg feiert - Dramatik in Osnabrück

Überblick: Spannung im Aufstiegsrennen und Abstiegskampf

Augsburg feiert - Dramatik in Osnabrück

DAS AUFSTIEGSRENNEN

Die besten Chancen, Hertha BSC zu folgen und erstmals in der Vereinsgeschichte die Bundesliga aufzusteigen, hat der FC Augsburg. Aufgrund der hervorragenden Tordifferenz reichen dem FCA aus den letzten beiden Partien drei Punkte, um Platz zwei unter Dach und Fach zu bringen. Schon im Heimspiel gegen den FSV Frankfurt sollen sie eingefahren werden. "Am Sonntag muss ganz Augsburg beben", fordert Manager Andreas Rettig. Dass die Hessen den Augsburgern die Aufstiegsfeier vor heimischer Kulisse vermiesen, ist eher unwahrscheinlich: Neunmal in Folge blieb der FSV in der Fremde zuletzt sieglos. So dürfte der 51. Bundesligist seit der Gründung 1963 aus Augsburg kommen. Sollte der FCA nach dem 1:2 gegen Aachen erneut zuhause patzen, droht allerdings eine Zitterpartie: Am letzten Spieltag steht der Gang ins vollbesetzte Berliner Olympiastadion an. So warnt auch Trainer Jos Luhukay vor dem Spiel gegen den FSV Frankfurt: "Die können wir nicht im Vorbeigehen schlagen."

2. Bundesliga - 33. Spieltag
2. Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Hertha BSC
71
2
FC Augsburg
65
3
VfL Bochum
62
2. Bundesliga - Torjäger 2010/11
Petersen Nils
24
Auer Benjamin
19
Lauth Benjamin
16
Augsburg, Bochum, Fürth

Einer steigt direkt auf, einer muss in die Relegation, einer guckt in die Röhre: Augsburg, Bochum, Fürth. imago

Braucht der FCA vielleicht auch gar nicht. Sollte Bochum in Osnabrück nicht gewinnen, reicht auch ein Remis oder eventuell sogar eine Niederlage. Darauf will man sich in Augsburg allerdings nicht verlassen, denn mit der Relegation will der FCA nach dem Scheitern gegen den 1. FC Nürnberg in der Vorsaison nichts mehr zu tun bekommen. In Bochum und Fürth würde man sich über Platz drei und die Chance auf den Aufstieg in den Entscheidungsspielen gegen den Bundesliga-16. schon mehr freuen.

Die besten Karten im Rennen um Platz drei hat der VfL Bochum, der vor den letzten 180 Minuten der Saison zwei Punkte Vorsprung hat. Am Sonntag steht dem Team von Friedhelm Funkel allerdings das schwere Spiel beim VfL Osnabrück bevor, der im Abstiegskampf (siehe unten) jeden Zähler braucht. Auswärts taten sich die Bochumer zuletzt schwer (nur zwei Siege aus sechs Spielen). Funkel kann personell aus dem Vollen schöpfen und kündigt an: "Wir sind bereit für den Endspurt." Dennoch: Gibt's an der Bremer Brücke keinen Dreier, hätte der VfL, je nach Fürther Ergebnis, sein Schicksal im Heimspiel gegen Pokalfinalist MSV Duisburg nicht mehr in eigener Hand.

Die SpVgg Greuther Fürth weiß trotz des Zwei-Punkte-Rückstands nämlich einen nicht zu unterschätzenden Vorteil auf ihrer Seite: Die gegenüber den Bochumern deutlich bessere Tordifferenz. Heißt: Leistet sich der VfL einen Ausrutscher, reichen den Franken zwei Siege, um die Relegation zu erreichen. Auswärts müssen die Schützlinge von Mike Büskens auch bei einem Kellerkind ran: Bei Rot-Weiß Oberhausen, das zuletzt, abgesehen vom 2:1 gegen den KSC, wie ein Absteiger auftrat. Zum Abschluss empfängt Fürth dann die gut aufgelegte Düsseldorfer Fortuna (zuletzt 4/1/0).

Nur noch theoretischer Natur sind die Aufstiegschancen von Erzgebirge Aue: Selbst wenn die Sachsen gegen Hertha und beim FSV Frankfurt gewinnen sollten, reicht das nur zu Rang drei, wenn Bochum zweimal verliert und Fürth nicht mehr gewinnt. Eine ganz starke Saison kann das allerdings in keinem Fall schmälern. Bester Aufsteiger sind die Erzgebirger in jedem Fall.

Das Restprogramm der Aufstiegsaspiranten im Überblick

FC Augsburg: FSV Frankfurt (H), Hertha BSC (A)
VfL Bochum: VfL Osnabrück (A), MSV Duisburg (H)
SpVgg Greuther Fürth: Rot-Weiß Oberhausen (A), Fortuna Düsseldorf (H)
Erzgebirge Aue: Hertha BSC (H), FSV Frankfurt (A)

DER ABSTIEGSKAMPF

Ähnlich wie im Aufstiegsrennen gestaltet sich die Lage im Tabellenkeller. Einer (Schlusslicht Arminia Bielefeld) ist schon weg, und so heißt es, nachdem sich der FC Ingolstadt und der SC Paderborn am vergangenen Wochenende den Klassenerhalt sicherten, auch hier: zwei aus drei! Allzu groß ist der Optimismus weder in Karlsruhe noch in Osnabrück noch in Oberhausen. Zuletzt präsentierte sich der Abstiegskampf nämlich als Schneckenrennen, in dem sich die Kellerkinder nur auf eins verlassen konnten: dass es die Konkurrenz auch nicht besser macht! Fast schon unglaublich, dass zwei Teams mit 28 Punkten überhaupt noch Chancen auf den Ligaverbleib haben.

Karlsruhe, Osnabrück, Oberhausen

Herzlichen willkommen im Schneckenrennen! In Karlsruhe, Osnabrück und Oberhausen herrscht Abstiegsangst. picture alliance

Symptomatisch war die letzte Auftritt des Karlsruher SC. Im Heimspiel gegen Düsseldorf sah der KSC schon wie der sichere Sieger aus, verspielte jedoch eine 2:0-Führung und verpasste durch einen Last-Minute-Ausgleich einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt. "Wir haben uns wieder nicht belohnt. Es bleibt brutal", war Rainer Scharinger, der vierte KSC-Coach der laufenden Saison, bedient. Ein möglicher Vorteil: Von den drei Abstiegskandidaten hat der KSC das vermeintlich dankbarste Restprogramm. Während die Konkurrenz noch auf Aufstiegsaspiranten trifft, geht's für die Karlsruher Gegner um nichts mehr: Erst wartet das Gastspiel beim bereits abgestiegenen Tabellenletzten Bielefeld, dann kommt der 1. FC Union. Nur bei zwei Siegen ist der KSC sicher gerettet.

Auch beim VfL Osnabrück, der nur aufgrund der besseren Tordifferenz nicht auf einem direkten Abstiegsplatz steht, war die Gemütslage schon mal besser. Die Hoffnung, die das 1:1 gegen Frankfurt gemacht hatte, hat sich nach dem 0:1 in Paderborn schnell veflüchtigt. Wieder einmal kassierten die Lila-Weißen ein Gegentor nach einer Ecke. Trainer Heiko Flottmann war sprachlos. "Rechnerisch ist die Chance sicherlich da, aber wir müssen auch mal ein Spiel gewinnen", meinte Mittelfeldspieler Tyrala: "Irgendwann wird der Kopf schwer, wenn du immer nur hinterherrennst." Und die Abschlussaufgaben sind nicht gerade leicht: Erst kommt Bochum, dann muss der VfL nach Ingolstadt.

Rot-Weiß Oberhausen steht das Wasser bis zum Hals. Erst einen Sieg gab es in acht Spielen unter Coach Theo Schneider (2:1 gegen den KSC). Zuletzt präsentierte sich RWO beim 0:4 in Aachen wieder wie ein Absteiger, sah sich allerdings auch vom Schiedsrichter benachteiligt. "Wir sind in der Liga nicht erwünscht", verstieg sich Angreifer König in Verschwörungstheorien. Ein verzweifelter Versuch, neue Hoffnung zu wecken: Vor dem "Kleeblatt"-Duell gegen Greuther Fürth, am letzten Spieltag geht's dann zu Energie Cottbus, rief der Klub die Anhänger auf seiner Internetseite auf, "Mutmach-Post" zu schicken, die vor dem Spiel in der Kabine aufgehängt werden soll.

Das Restprogramm der Abstiegskandidaten im Überblick

Karlsruher SC: Arminia Bielefeld (A), 1. FC Union (H)
VfL Osnabrück: VfL Bochum (H), FC Ingolstadt (A)
Rot-Weiß Oberhausen: SpVgg Greuther Fürth (H), Energie Cottbus (A)

"Platzierungsspiele":

In der Liga geht's mehr oder weniger nur noch um die sprichwörtliche goldene Ananas. Duisburgs Trainer Milan Sasic muss vor dem Pokalendspiel am 21. Mai gegen den FC Schalke 04 aber die Spannung im Team hochhalten. Im Angriff gibt's beim MSV einen heißen Konkurrenzkampf, nachdem sich Baljak (Kreuzband-OP) und Maierhofer (Mittelfußbruch) verletzt haben. Läuft alles normal, entscheidet sich die Personalie zwischen Exslager (20) und Schäffler (21). Am Sonntag geht's gegen Paderborn, das den Klassenerhalt gesichert hat, aber einen neuen Trainer braucht, da Andre Schubert zu St. Pauli wechselt. Der Unterschrift von Roger Schmidt steht nach dessen Einigung mit Münster aber nichts mehr im Weg. Schubert muss in Duisburg auf die gelbgesperrten Brückner und Krösche verzichten.

Düsseldorf will auch im dritten und letzten Heimspiel im mobilen Stadion ungeschlagen bleiben. Bisher stehen ein 3:0 gegen Union und ein 2:0 gegen Bielefeld zu Buche. Anschließend wird das Stadion wieder abgebaut, in das die Fortuna wegen des "Eurovision Song Contest" ausweichen musste. Die Alemannen würden bei einem Erfolg die Fortuna überflügeln.

1860 München lädt den FC Ingolstadt zum oberbayerischen Derby. Sportlich haben sich die "Löwen" längst aller Sorgen entledigt, finanziell allerdings schwebt weiterhin das Damoklesschwert über dem TSV. Die Ingolstädter wiederum – finanziell durch Audi abgesichert – feierten erst am vergangenen Wochenende den Klassenerhalt. Unter Trainer Benno Möhlmann ging's bergauf, kein Wunder also, dass der Vater des Erfolgs (32 Punkte in 21 Spielen) einen neuen Kontrakt (bis 2013) bekam.

Der Aufstieg ist abgehakt in Cottbus, zudem muss Energie wohl künftig ohne Top-Torjäger Petersen (24 Treffer) auskommen. Bei Union Berlin kann Trainer Claus-Dieter Wollitz zwar noch auf Petersen bauen, Brzenska (Schambein) und Ziebig (Oberschenkel) fallen aber aus. Union muss Göhlert (Schulter) ersetzen.