Derby in Aue stand kurz vor dem Abbruch

Wollitz: "Szenen, die ich noch nie gesehen habe"

Marc-Andre Kruska

Resigniert: Energie-Kapitän: Marc-Andre Kruska nach seinem Versuch die Anhänger zu beruhigen. imago

Aus dem Gästeblock waren in Aue am Donnerstag Knallkörper Richtung Spielfeld geworfen worden, zudem wurden Bengalos und Rauchbomben gezündet. Die Unterbrechung durch Gagelmann hatte die Situation im Fanblock der Lausitzer nicht beruhigen können. Im Gegenteil, während das Schiedsrichtergespann und das Heimteam den Innenraum verlassen hatten, wurden sogar die zur Beschwichtigung herbeigeeilten Cottbuser Spieler mit Feuerwerkskörpern beworfen. "Ich habe Szenen gesehen, die ich noch nie gesehen habe ", sagte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz schockiert: "Die eigenen Spieler wurden beworfen und beschossen. Das sind Bilder, die wahrscheinlich noch nachhaltig große Probleme für die Perspektive dieser jungen Mannschaft bringen werden."

Spielbericht

Entsetzt reagierten auch die Cottbuser Akteure. "Wir Spieler wollten die Fans beschwichtigen und auffordern, mit dem Abbrennen von Pyrotechnik aufzuhören. Doch dann wurden wir aus dem eigenen Fanblock beworfen", sagte Kapitän Marc-Andre Kruska: "Diese wenigen Leute, die nur zum Stunk machen ins Stadion kommen, machen mitunter alles kaputt. Es war die Rede davon, dass die Störenfriede gar keine Cottbus-Fans waren. Aber das wissen wir nicht." Es sei "einfach krank, das Spiel so in Gefahr zu bringen", befand FCE-Torhüter Thorsten Kirschbaum: "Ich bin stinksauer. Die Fans im Block sagten zu uns, dass sich Anhänger aus Chemnitz eingeschlichen hätten, ob das stimmt, weiß ich nicht."

Auch Wollitz bestätigte, er habe gehört, dass die Fans keine Cottbuser waren. Als er auf der Pressekonferenz für seine Formulierung "aus welchem Lager auch immer" Gelächter erntete, verließ er die Veranstaltung vorzeitig. "Ich werde beleidigt, beleidigt, beleidigt und für meine Statements ausgelacht. Ich habe keinen Bock mehr darauf", sagte Wollitz, der angab auf dem Weg in den Presseraum von Auer Anhängern angepöbelt worden zu sein.

Es ist sehr ärgerlich, dass das Derby in einem solchen Rahmen abläuft. Jetzt werden wieder alle sagen, der Osten schlägt sich gegenseitig die Köpfe ein. Das ist enttäuschend.

Rico Schmitt, Trainer Erzgebirge Aue

Nach dem Spiel wurden insgesamt 38 Strafanzeigen gestellt. Wie die Polizeidirektion Südwestsachsen auf Anfrage des SID am Karfreitag mitteilte, beinhalten die Vorwürfe Körperverletzung, Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Einsatz von Pyrotechnik.

Claus-Dieter Wollitz und einige Cottbuser Spieler

Fassungslos: Claus-Dieter Wollitz und einige Cottbuser Akteure während der Spielunterbrechung. imago

Beim 3:1-Erfolg im DFB-Pokal-Achtelfinale beim VfL Wolfsburg hatten Energie-Anhänger in dieser Saison schon einmal durch mehrfaches Abbrennen von Feuerwerkskörpern für Ärger gesorgt. Im Anschluss an die Partie hatte Wollitz daraufhin seine Zukunft bei den Lausitzern infrage gestellt. "Raketen, Pyrotechnik und Böller werfen ein schlechtes Licht auf den Verein - nicht zum ersten Mal. Das begleitet uns die gesamte Saison über, immer und immer wieder“, hatte Wollitz seinerzeit gesagt: "Das lässt die Vermutung zu, dass bestimmte Leute dem Verein bewusst schaden wollen." Cottbus drohen aufgrund der Krawalle in Aue nun Ermittlungen durch den DFB.